Tirol und Fridebrant 315
21 Strophen eines Lehrgedichts; III Bruchstücke epischen Inhalts, vonJacob Grimm gefunden und in ZfdA.l, 7-12 veröffentlicht, worin KönigTirol und Vridebrant als handelnde Personen vorkommen (gegen 60, großen-teils verstümmelte Strophen). Inhalt der drei Teile: I. Tirol gibt Fridebrantzwei Rätsel auf, die dieser löst, 2 Visionen des Propheten Daniel mit geist-lichen Deutungen. Insofern in diesen zwei visionären Erzählungen ein geistigerSinn liegt, sind sie bispel genannt (13,3.7). II. Die Lehren, die der König Tirolseinem Sohne, dem „jungen König", erteilt, betreffen in der Hauptsache diePflichten des Fürsten gegen seine Vasallen und Knechte (26-38), dann auchallgemein menschliche Verpflichtungen und ritterlich-höfisches Benehmen(39^5). Das Gedicht (I und II) ist eine Fürstenlehre, wobei im Mittelpunktdie wichtigste Aufgabe des mittelalterlichen Landesherrn steht, die kriege-rische. III. In den epischen Fragmenten spielen Tirol und Fridebrant dieHauptrolle: eine Königin, soviel läßt sich herauslesen, lädt fremde und Herrenihres eigenen Landes mit ihren Damen zu einem Hoffeste und Ritterspielenein (es scheint, Fridebrant hat die Königin von Feinden, Riesen, befreit, unddie fremden Herren sind mit ihm der Königin zu Hilfe gekommen). EinemRitter Baldewin wird sein Lehen erteilt, König Tirol und Fridebrant voll-ziehen das Fahnenlehen. In einem weiteren Fragmente, wo auch der NameGahmuret vorkommt, erscheint ein um Beistand bittender Fürst, der von„Halbleuten", halb schwarz, halb weißfarbigen Menschen, schwer geschädigtist; dann ist von Tjosten die Rede, von Zwergen, Untieren und Meerwundern.Das sind alles Motive eines höfischen Abenteuerromans ohne tieferen Sinn.Schwierig ist eine Entscheidung zu treffen über das gegenseitige Verhältnisder Teile 1 . 11 . 111 . Es dürfte sich damit folgendermaßen verhalten: der Dichterarbeitete zuerst ein Epos im Stil eines höfischen Abenteuerromans aus, dessenHelden Tirol und Fridebrant waren. Von diesem sind Bruchstücke in III vor-handen ; es enthielt, wie andere höfische Epen (Maync S. 74 ff.) auch eine Er-ziehungslehre (Gurnemanz im Parzival, Marke im Tristan, Gawein im Wiga-lois, Jofrit in Rudolfs v. Ems Willehalm), eine Lehre des erfahrenen Mannes(hier Tirols an seinen Sohn Fridebrant). Aus dieser Episode des Tirolromansund neben oder nach ihr schuf der Dichter ein selbständiges Lehrgedicht aufdie Weise, daß er jene Erziehungsregeln aus dem Roman herausnahm (viel-leicht war ihr Umfang im Roman geringer, so daß er sie in seinem neuenLehrgedicht erweitert haben mochte) und zu dieser weltlichen Sittenlehre IIeine geistliche in dem Rätselgedicht I hinzufügte. Dieses didaktische Gedichtist für sich herausgegeben worden und erhalten in der Handschrift C (über dieverschiedenen Ansichten s. Leitzmann S.XIII). Über die Entstehung desTirolepos (III) — und somit auch über das mit demselben zusammenhängendeLehrgedicht (I. II) — geben die kärglichen Reste keine Auskunft. 1 Nur das
1 Die frühere Annahme, es habe ein umfang- schöpft hätten, läßt sich nicht stützen, Leitz-reiches Heldengedicht von Tirol gegeben, aus mann S. XVII.dem sowohl Wolfram als der Tiroldichter ge-