312 Die lehrhafte Dichtung
haben. — Diese Illustrationen sind vielleicht durch Thomasin selbst veranlaßtworden, jedenfalls stammen sie aus dem 13. Jahrhundert. Für die Geschichteder Handschriftenillustration sind sie von größter Bedeutung.
Der Winsbeke
Während Thomasins Wälscher Gast die ritterlich-höfische Standesanschau-ung unter allgemein menschlicher Sittlichkeitslehre begreift, gibt der Wins-beke 1 eine ausgesprochene Standeslehre für das ritterliche Leben. Den Namen„Der Winsbecke" führt das Gedicht in der Überschrift der Handschrift C,das ist „der Winsbacher". 2 Herren von Windesbach sind urkundlich belegt; 3das heutige Städtchen Windsbach an der Rezat liegt in der bayerischen Pro-vinz Mittelfranken, nahe bei Eschenbach, der Heimat Wolframs. Die Persondes Dichters läßt sich nicht näher bestimmen; als Abfassungszeit ergibt sich,wenigstens für den ersten Teil, etwa das Jahrzehnt zwischen 1210 und 1220.Der Dichter dieses Teils steht unter dem Einfluß seines Landsmanns Wolfram,auf dessen Parzival Strophe 18, 5 deutet, auch bestehen einzelne Anklängean Wolfram; vor allem aber setzt der innere Gehalt die LebensauffassungWolframs voraus, und zwar wie sie am geschlossensten in den Lehren Gurne-manz' und Trevrizents niedergelegt ist. Andrerseits scheint das Gedicht demVerfasser der Bescheidenheit (um 1230) nicht unbekannt gewesen zu sein. 4
Die Überlieferung des Gedichtes in 80 Strophen ist nicht einheitlich: 5
1. Der Hauptteil, Strophe 1-56, enthält das ursprüngliche Werk, die Lehren(rehte tuon 1,3), die der Vater, unter dem ein Ritter von Windesbach zu denkenist, seinem Sohne erteilt. Mit dieser Einkleidung als Lehren, die ein Vaterseinem Sohne erteilt, gehört das Gedicht zu dem didaktischen Typus „Cato"(s. unten). Aufgebaut ist das ritterliche Tugendsystem des Winsbeke auf der
1 Ausg.: Mor. Haupt, Der Winsbeke u. die Winsb. u. die Winsb., zwei mhd. Lehrgedichte,
Winsbekin, 1845; Alb. Leitzmann, Kleinere Progr. Döbeln 1889; Harry Denicke, Die
mhd. Lehrgedichte, l.Heft: Tirol u. Fride- malterl. Lehrgedichte W. u. W. in Kultur-
brant, Winsbecke, Winsbeckin, 1. Aufl. 1888, geschichtl. Beleuchtg, Progr. Rixdorf 1900,
dazu Kinzel, ZfdPh. 22, 242-4 (dazu Leitz- dazu Alwin Schultz, DLz. 1900, 2213. —
mann, ebda 501 Berichtig., Cbl. 1888, 1522; 14 Hss. u. Bruchstücke, s. Leitzmann, Ausg. 2
2. Aufl. 1928, dazu Piquet, Rev. germ. 20, S. X-XII. XVIII-XX; Kopenhag. Fragm.:1929, 423, Suolahti, Neuphil. Mitteil. 30, Rosenfeld, Zu Winsbeke, Winsbekin u.1929, 161 f.; frühere Abdrücke s. Leitzmann 2 Winsbekenparodie, ZfdA. 67, 109-22.
S. XVIII f. — Übersetzungen: Leitzmann 2 2 Personennamen zu Ortsnamen auf -bach
S. XXVI f. — Lit.: Leitzmann, ADB. 43, werden gebildet mit dem Suffix -jon, was
461 f.; Ders., Einleitg der Ausg. 2 S. XVII ff., lautgesetzlich -becke ergibt. Hugo v. Trimberg
Zur Kritik u. Erklärg usw., Beitr. 13, 248-77, nennt im Renner 1185 den Verfasser selbst
Der Winsb. u. Wolfram, ebda 14, 149-52. 53, fälschlich von Windesbecke. Schröder
300 f., ZfdA. 66, 207 f.; H.-Fr. Rosenfeld, ZfdA. 61, 127.
Zur Überlieferg u. Kritik des Winsb., ZfdA. 66, 3 Leitzmann, Ausg. S. XXII f.
149-70, Zu Winsbeke, Winsbekin u. Wins- i W. Grimm, Kl. Sehr. 4, 14 f. 104 ff. u. Frei-
bekenparodie ebda 67, 109-22; S. Anholt, dank, 2. Ausg. S. XI; Pfeiffer, Freie Forschg.
Z. Textgestaltg u. Texterklärg des Winsb., S. 173 f.; Leitzmann, Ausg. S. XXV, Beitr.
ZfdA. 68, 129-36; Schröder, ebda 69, 96 14,149-52. Über spärliche Nachwirkungen
(Name); Petersen, Johannes Rothe S. 8; s. Leitzmann, Ausg. S. XXV.
Hildebrand, Kürschners dt. Nat.-Litt. aaO. B Haupt, Vorrede, dagegen Wilken, ohne
S. 151 ff. — Früher: Berth. Gutzeit, Unter- Erfolg, Germ. 17, 410-6; Denicke aaO.;
schiede des Stils im Winsb. u. d. Winsbekin, Leitzmann, Beitr. 13, 266-71, Ausg. S. XX
Progr. Bromberg 1887; Norroschewitz, D. -XXII.