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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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Der heimliche Bote 307

des Propstes Dietrich von Heiligenstadt im Eichsfeld die Moralis philosophiades Wilhelm v. Conches 1 in deutsche Reimpaare übertragen. 1211 Verse:V. 73-900 = De Honesto, davon prudentia 91-236; justitia 237-732; fortitudo733-856; temperantia 857-900. V. 901-1198 = De Utili. Die letzten Verse1199-1211 sind ein Ansatz zur Quaestio V. Der deutsche Kaplan hat deneigentlichen Sinn des lateinischen scholastischen Werkes nicht ganz verstan-den. Unter ere begreift er die deutsche Bedeutung von Ehre: persönlich ehren-hafter Lebenswandel, dem auch öffentliche Achtung gezollt wird; allerdingsist die tugent die dazu notwendige Beschaffenheit: Ouch wil ich dich Urin Dezdu bedarft zu diner er in: alle tugent saltu minnen (237, vgl. V. 518. 557. 622.649.664.890.900.915.960.979.1026.1176.1185.1195; s.ZfdA. 56,201 f.).

Die Übersetzung ist nicht geschickt, das Original ist gekürzt; es herrschtin diesem Kürzungsverfahren kein Verständnis für Wichtiges und Unwichti-ges; die Bestimmtheit und Klarheit der Vorlage ist nicht annähernd erreicht.Die Verse sind ungleich und holperig, die Reime dialektisch unrein; freilichist der Text der Handschrift sehr entstellt. Sonderliche Verbreitung scheintdas Gedicht nicht gefunden zu haben; Eicke v. Repgouwe hat es gekannt,wie einige Parallelen im Sachsenspiegel wahrscheinlich machen.

Die erste speziell ritterliche Tugendlehre istDer heimliche Bote"(meistRatschläge für Liebende" genannt), 2 um 1170-80 (wahrscheinlichalemannisch, 98 Verse). Das Gedicht zerfällt in 2 Teile: I (Reimpaar 1-28),der frowen rät (11), teilt die Männer nach ihrem Werte für die Minne in zweiTypen, den für die Minne nicht taugenden Mann, dessen Minne nicht heimlichist, der nur durch äußere Vorzüge (Güter des Körpers und des Glücks) prahlt(12-23); den andern, den wol minnenden man, wie er durch dasBuch Phaset"bekannt sei (24-28). Der IL Teil (29^49) ist eine Unterweisung in der Höflich-keit und entwirft ein höfisches Musterbild, in dem die Tugenden gelehrt wer-den, die der Mann haben soll, damit ihn alle Welt minne und Gutes von ihmspreche und damit seine Ehre gruone und State sei. In der Form eines Büch-leins, d. h. eines Briefes (der Brief ist derheimliche Bote"), ist eine Minne-und Höflichkeitslehre gegeben, und zwar in der Theorie des Kaplans Andreas(siehe oben). Quelle ist dasBuch Phaset", d. i. ein lateinischer Facetus,jedenfalls steht derFacetus .. . Moribus docet" (s. unten) nahe, der eineausführliche Minnelehre enthält. 3 Die Reimbindungen deuten, da sie nochmanchmal, besonders im I.Teil, assonieren, auf eine frühhöfische Kunst.

Quelle: Höfer, ZfdA. 26, 87-96; Sauer- Haupt, Büchlein 2 S.VII; Scherer, QF. 12,

land aaO. S. 9-58; Schönbach, ZfdA. 34, 90, dazu Steinmeyer, Anz. 2, 238-40; Ernst

55-75 (Nachweis der Mor. Philos. d. Wilh. v. Meyer, Die gereimten Liebesbriefe, 1898,42f.;

Conches als Quelle); Ders., Anz. 17, 344 u. Ehrismann, ZfdA. 64, 301-306; Brinkmann,

Anfänge d. Minnesanges S. 40 ff.; s. auch Fr. Entstehungsgesch. S. 114; Arthur Witte,

v. Bezold, Fortleben der antiken Götter im Stammlers Verfasserlex. 1, 270 f. 1 Hs., s.

malterl. Humanismus 1922, S. 109. Steinmeyer aaO.; Meyer-Benfey aaO.

2 Ausg.: Docen, Mise. 2, 205-7; Meyer- LG. II, 2, 155 (Hartmanns Büchlein).

Benfey, Mhd. Übungsstücke S. 30-2; die 3 CARLScHRÖDER,Derdt.Facetus,Pal.86,1911,

erste Hälfte: Ottokar Fischer, ZfdA. 48, 298; Ehrismann, ZfdA. 56, 214; Edw. Schrö-

421-5. Lachmann, Kl. Sehr. S.482; der, ebda S. 216; Ehrismann, ebda 64,304f.

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