300 Die Spruchdichtung
ist er auf die modernen, geleckten Rheinländer, die doch nur auf ihren Profitsehen, nicht gut zu sprechen. Als Epigone bekennt er sich selbst in einem Spruchauf verstorbene Lyriker: ich muoz üz ir garten und ir Sprüchen bluomen lesen.Walther nennt er seinen Meister; dessen Vokalspiel ahmt er in einem lateini-schen, auch in die Carmina Burana (Nr. 95 S. 174) übergegangenen, Liedenach (Strauch, ZfdA. 22, 254). Aber er mußte es bitter erfahren, daß er esmit seinem Sänge niemanden recht machen kann, denn jeder will etwas an-deres. Widerwärtig ist die Künstlereifersucht in der heftigen Scheltstropheauf den vornehm zurückhaltenden Reinmar v. Zweter, an die sich dann eineliterarische Fehde gegen und für den Marner vom Meißner und Rümzlanteinerseits, Gervelin andrerseits anschließt. — Von den Meistersingern wurdeder Marner den zwölf alten Meistern zugerechnet.
Der Meißner. Boppe. Rümzlant
Der Meißner 1 führt eine echt gelehrte Kritik gegen den Marner, er nenntihn Lügner, weil er falsche wissenschaftliche Behauptungen aus der Zoologieaufgestellt und die „Bücher" nicht recht gelesen habe und berichtigt nunexakt die Natur der betreffenden Tiere mit geistlicher Deutung in der Art desPhysiologus. Er ist Schüler Reinmars v. Zweter, aber ein ganz gelehrter Mann.Konrad v. Würzburg ironisiert den Meißner, er solle lieber auf einem Jahr-markt Heldengedichte vortragen, als hohe Töne singen.
Am aufdringlichsten trägt Boppe 2 (Boppo C, Meister Poppe J), ein ale-mannischer Fahrender, sein dunkles Wissen zur Schau, und dieser trockenenGelehrsamkeit entspricht auch sein Stil mit Einzelvergleichen, Aufzählungenund Häufungen: 31 Namen der von Josua erschlagenen Könige schreibt eraus Buch Josua XII aus; um vor den Fürsten von Baden seine Bitte umUnterstützung zu bekräftigen, führt er 28 Völker und Länder auf, wo er nichtsbekommen hat. Aus der Bibel, der Zoologie (Physiologus), aus der höfischenEpik holt er besonders gern seine Kenntnisse. — Auch Boppe war einer derzwölf alten Singer.
Rümzlant 3 (Rümelant J), von Geburt ein Niederdeutscher, Sachse, dersein Wandergebiet (etwa 1260-90) hauptsächlich in Norddeutschland hatte,
1 Burdach, Reinm. S. 138 f.; Roethe, Rein- 3, 637; H.-Fr. Rosenfeld, Neophilol. 13,mar Reg. S. 638; Holz S. 135-168. — A. 1927, 14-16; Zwierzina, Festschr. d. Rainer-Frisch, Untersuch, üb. die verschiedenen mhd. Real-Gymn. S. 129; Loewenthal, RätselDichter, welche nach der Überlieferung d. S. 77-86. 147 f.; Karg, Stammlers Verfasser-Namen Meißner führen, Jen. Diss. 1888; Loe- lex. 1, 259 f.
wenthal, Rätsel S. 86-9.148, dazu Wallner, 3 Bartsch Nr. LXVI; Roethe, ADB. 30,
Beitr. 44, 115 f. — Der „alte" Meißner in C 97 ff.; v. Kraus, Übungsb. 2 S. 290; Burdach,
mit 3 Sprüchen ist ein Anonymus. Reinm. S. 7, 135, 138, 139; Roethe, Reinm.
2 Bartsch Nr. LXX; Wilmanns, ADB. 3, Reg. S. 639, bes. S. 188, Reimvorreden S. 59149 f.; Roethe, Reinm. Reg. S. 635; Schön- ff.; Panzer, Meister Rümzlants Leben u.bach, Wien. SB. 142 Nr. VII, 1900, 91 ff. Dichten, Leipz. Diss. 1893. — R. Köhler,(„der starke Boppe"); Burdach, Ackermann Germ. 28, 185-7 u. Kl. Sehr. 2, 102-5 (Stelle);aus Böhmen S. 75 u. Anm. S. 382. — Sic, Vietor, Beitr. 46, 117; Loewenthal, RätselPoppes „Ave Maria", in „Das K. v. Würzbg. S. 72 f., 147; K. Bartsch, Jen. Liederhs.zugeschriebene AveMaria", 1903,76-81; Wall- S. 94 f.
ner, Anz. 38, 116; Brinkmann, Dt. Vjschr.