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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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296 Die Spruchdichtunc

und ist in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, wohl bis etwa 1290, auf-getreten . Mit den Gehrenden hat er nichts gemein, nur ein Spruch auf ungastlicheHerren ist von ihm vorhanden, der durch Ironie mehr wirkt als das sonstigeSchelten auf den Geiz der Vornehmen. Mit Geringschätzung blickt er auf die nie-deren Gehrenden herab. Die Kunst ist für ihn von hoher Abkunft, von Fürsten,von David. Sie sank herab zu den armen Sängern, sie nimmt wieder einen Auf-stieg, wenn die Vornehmen ihre Gabe den Kunstübenden zuwenden. 1

Überhaupt ist der Meister Alexander eine der eigenartigsten Erscheinungenunter den Spruchdichtern. Eine bildliche, in speziellem Sinne allegorische Auf-fassung der Dinge charakterisiert seine Dichtungen. Auch in seinen wenigenMinneliedern kommt er schwer zur reinen Lyrik. In seinem Minneleich, einerLehre für den, der Dienstmann der Minne werden will, sagt er selbst, daß dieWorte und die Materie (das ist die Beschreibung Amors als nacktes, blindesKind mit Flügeln, Pfeil und Fackel 2 ) nichts sind ohne dieGlosse", d. h. dasGanze ist eine Allegorie, wobei die Auslegung das Haupterfordernis ist. UndseinKindheitslied", das in seiner lieblichen Sinnigkeit in der ganzen mhd.Lyrik einzig dasteht, ist doch bei aller zum Ausdruck gebrachten Erlebnis-wärme spiritualistisch gedacht: das reizende Spiel der blumenwindenden underdbeersuchenden Jugend ist ein Symbol für die Vergänglichkeit der irdischenGüter und schließt mit der geistlichen Warnung, nicht wie die fünf törichtenJungfrauen die Zeit zu versäumen. Und so sind auch seine meisten Sprücheinwilde rede", fremdartige, schwer verständliche Ausdrucksweise gehüllt,deren Sinn er dann löst wieden Kern aus der Schale", um die Wahrheit un-gekünstelt zu sagen. Auf diese Weise zerfällt eine Spruchreihe in zwei Teile,Bispel und Deutung; z. B. die Allegorie von den zwei Schwestern, buhlerischenKönigstöchtern, die das geistliche und das weltliche Leben, Stole und Schwertmit Anspielungen auf die Gegenwart bedeuten (MSH. III S.29 Str. 17-21).Wo keine Erklärung beigegeben ist, wie in den politischen Rätseln, sind diedunkeln Beziehungen schwer zu entziffern.

Andere Spruchdichter

Eine wenig erfreuliche Erscheinung ist der Schulmeister von Eßlingen. 3Im Schelten besteht seine Hauptleistung. In zänkischen Sprüchen mit stärk-sten Anpöbelungen schulmeistert er den König Rudolf wegen seiner Kargheit.Auch an Minnelieder hat er sich mit seinem gesunkenen Kunstgeschmackgewagt. Seine wahre Gesinnung offenbart er in einem obszönen Spruch, dener ironisch schließt: möhte ich win und guote spise hän, so wollte ich dochnicht ablassen, von meiner lieben Frauen zu singen.

Eine seltsame Gestalt istSüßkint von Trimberg, ein Jude", 4 ein

1 J. Grimm, Üb. d. ad. Meistergesang S. 24; 3 Bartsch Nr. LXXIII; Roethe, ADB. 33,Burdach, Reinm. S. 137 f. 64 ff. u. Reinm. S. 228. 341; Grimme, Die

2 Vgl. Veldeke, Eneide 9911 ff.; Der Minne rhein.-schwäb. Minnesinger S. 202-8. deLehre (Pfeiffer, Heinzelein v. Konstanz Boor, Beitr. 55, 90 (Stelle).

V. 202-597 [s. ob.];Wer nicht weiß, was 4 Bartsch Nr. LXXIV; Roethe, ADB. 37,rechte Lieb sei", Germ. 36, 319 f. 334-6u. Reinm. S.321; Burdach, Reinm. S. 135.