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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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Die einzelnen Spruchdichter 295

In der herkömmlichen Tradition bewegt sich auch der Stoffkreis des schonder zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts angehörenden Meisters Friedrichvon Suonenburg 1 (jetzt Sonnenburg in Tirol), der zwischen 1247 und 1275dichtete und vornehmlich die Gunst bayerischer Herzöge genoß. Doch tritter uns in seinen Anschauungen als eine ausgeprägte Persönlichkeit entgegen.In auffallendem Maße liegen bei ihm die schätzenswerten und die bedauer-lichen Eigenschaften des fahrenden Spruchdichters nebeneinander, seine ob-jektiven Leistungen als Menschenberater und seine subjektiven Strebungenals Gehrender, der Sittenlehrer und der Bettelpoet. Er predigt erhabeneGrundsätze der Religion, Gotteserkenntnis und Selbsteinkehr, und auch ihm istdie jungfräuliche Gottesgebärerin das größte Wunder. Er gibt beherzigenswerteTugendlehren, namentlich den Herren, denen er vor allem mute empfiehlt,wobei ihm das wichtigste schließlich doch Gunst und Lohn ist. Und soist auch sein Begriff von der Kunst erhaben zugleich und materiell. Erzieht leicht das Göttliche in die Sphäre des Irdischen hinab. Diese Imma-nenz Gottes in der Welt liegt auch seinen Sprüchen von dem Weltproblemzugrunde (IV, 1 ff., Zingerle S. 60 ff.). Es ist eine Polemik gegen die, welchedie Welt schelten: swer dich beschiltet, weit, der schiltet got. Die Welt ist wert-voll (tiuriu weit), sie ist gotes Wundertat, der zarte gotes garte. 2 Freilich verstehter unter Welt zuvörderst die von Gott geschaffene Natur, nicht das weltlicheLeben, aber durch den Leib sind wir eben doch an dieses gebannt.

Im Mittelpunkt seines politischen Weltbildes steht der Papst, und so be-urteilt er den Kaiser (Friedrich II.) ungünstig, feiert aber in begeistertenWorten den vom Papst empfohlenen Rudolf v. Habsburg. Doch kämpft erauch gegen die Schäden des Klerus. Auch er galt als einer der zwölf altenMeister (Zwierzina aaO.).

Meister Alexander

Meister Alexander 3 (Hs. J), in C Derwilde" Alexander genannt,der heimatlose, fahrende Mann, war ein Oberdeutscher bürgerlichen Standes

1 Bartsch Nr. LXII; Ausg.: Osw. Zinger- Berl. Diss. Teildruck 1916. Kindheitslied:

le, Fr. v. Sonnenburg 1878. BurdachReinm. S. 135 f.; Roethe, Reinm. Reg. S.640Holz, Jenaer Hs. Bd. 1, 108-24. GrimmeAlem. 22, 34-6; Schulte, ZfdA. 39, 240Kluckhohn, ebda 52, 152 f.; BehaghelBeitr. 45, 137; Loewenthal, Rätsel S. 104 f.

W. Grimm, Kl. Sehr. 1, 398; J. V. Zingerle,D. dt. Kinderspiel im MA., 1873,30ff.; Schrö-der, Meist. Alex. s. Kindheitslied, ZfdA. 42,371 f. (der Ursprung liegt in Virgils 3. EklogeV. 92 f.); Wallner, Beitr. 33, 509 f., 34, 184-8; Schissel v. Fleschenberg, ebda 35,

Vietor, Beitr. 46, 117. 119; Brinkmann, Dt. 335-47; Wallner, Stammlers Verfasserlex. 1,

Vjschr. 3, 639 f.; Fr. Karg, Friedr. v. Sun- 59-62; Ehrismann, Festschr. Petz 1933, 33 f.,

nenburg, Stammler Verfasserlex. 1, 697 f. (vgl. ClaudiansRaptus Proserpinae [Singer]).

2 Grabmann, Die Kulturphilosophie des heil. Leich: Gottschalk, D. dt. MinneleichThomas v. Aquin, 1925,154 ff. u. Anm. S. 210 S. 69 f, 122; Steller, Beitr. 45, 322 f.;behandelt die Idee des Schönen in der Welt- Günth. Hase, D. Minneleich M. Alexandersgestaltung, vgl. auch Grabmann, Thomas v. u. s. Stellung in d. malterl. Musik, 1921, dazuAquin, Sammlung Kösel 1926 S. 100; Brink- Fr. Ludwig, Anz. 41, 191-3; Rosenhagen,mann, Dt. Vjschr. 3, 639 f. ZfdPh.51,353f.; Günth. Müller, Dt. Vjschr.

3 Bartsch Nr. LXXI; Burdach, Reinm. 5, 122; J. v. d. Andel, Neophil. 7, 311-3.S. 137; Roethe, Reinm. Reg. S. 634; Holz, Rätsel: Loewenthal, Rätsel S. 90-100;Jenaer Hs. Bd. 1, 41-51; Mark Berger- Ders., Das Rätsel d. wilden AI., ZfdA. 57,Wollner, D. Gedichte d. wilden Alexander, 277-82.