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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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284 Die lyrische Dichtung

In Thüringen scheint der Minnesang seit Morungen gepflegt worden zusein. Die uns bekannten Sänger dieser Landschaft sind freilich, außer Hamle,von seinem Geist wenig berührt, doch sind ihre Daktylen (gemischte Dak-tylen", s. ob. bei Morungen) vielleicht durch Morungens Rhythmik bestimmt. Dichterisches Talent besitzt nur Kristan von Hamle 1 (um 1225). Ener-gisch in der Auffassung der umgebenden Welt hat er etwas von der Leiden-schaft und Anschauungskraft Morungens. Hier treffen wir auch die Unter-scheidung von Minne und Liebe: diu liebe hat die minne überwogen MSH. 1,112a. Das letzte seiner 6 Lieder ist ein Tagelied, in dem der Dialog auf denWächter und die Frau beschränkt ist. Diese Thüringer lassen ihre heimischeMundart zu, während die Oberdeutschen die Literatursprache einhalten.

Unbedeutend sind die späteren Kristan von Lupin (urkundlich 1292-1312, 7 Lieder) und Hetzbolt von Weißensee (urkundlich 1312-45,8 Lieder). Die drei vorhergehenden gehörten dem Dienstadel an, derTugend-hafte Schreiber war wohl bürgerlicher Herkunft. Er ist den ThüringerMinnesängern zuzurechnen, obgleich seine Lieder keine mitteldeutschen Merk-male aufweisen. Seine Lieder, zum Teil in Daktylen, sind ohne originelle Ge-danken anmutig im Ausdruck. Als Thüringer ist wohl auch Der Dürinc an-zusprechen, ein Minnesänger bürgerlichen Standes, der in seiner verkünsteltenArt schon an das Ende des 13. Jahrhunderts gehört. Der von Kolmas,einem thüringischenMinisterialengeschlechte angehörend (urkundlich 1260ff.),nimmt den Vorhergehenden gegenüber eine Sonderstellung ein. Das einzigevon ihm erhaltene Lied, in Daktylen, mahnt von tief religiösem Ernste ge-tragen, wenn auch nicht originell, an die Unstäte des irdischen Lebens, in demwir nur Pilgrime sind, und preist den, der mit Eifer um jenes Leben wirbt, woniemand stirbt. Man fühlt Gedanken und Stimmung von Walthers Elegie,auch von dessen Absage an die Frau Welt hier mitschwingen.

Der Osten. Niederdeutschland

Im östlichsten Siedelungsboden und in Niederdeutschland hat diesentimentale Minnemode nicht Wurzel gefaßt, nur an fürstlichen Höfen fanddiese hochdeutsche Gesellschaftsform Eingang. Der niederdeutsche Min-nesang fällt also in den Bereich einer Gruppe von fürstlichen Dich-tern. Die niederdeutsche Dichtersprache wartemperiertes" Mitteldeutsch(s. oben). In ihren Liedern herrscht der edle Stil einer vornehmen ritterlichen

unter buoler istMinnesänger" gemeint. Es u. seine Beziehungen zumTugendh. Schrei-gab eine adelige Familie Fuoz in Baiern, ur- ber", Mitteil. d. Ver. f. Gothaische Gesch. u.kundl. belegt im 13. Jh., zuerst 204. Schrö- Altertumsforsch. 1907-09. Der Dürinc:der, ZfdA. 61, 127. MSH. II, 258. IV, 318 f.; Pfaff, Heidelbg.1 Hamle: Elise Walter, Verluste auf dem Liederhs. Sp. 757-62; Halbach, StammlersGebiet der mhd. Lyrik; Bartsch, Liederd. Verfasserlex. 1,462 f. (mit Lit.) Kolmas:Nr.XXXII! Wilmanns.ADB. 10,477. Lupin: Bartsch Nr. XIII; Das Lied war von Lach-Bartsch Nr. XCIII; R. M. Meyer, ADB. 41, mann u. Haupt in MF aufgenommen worden,609f.;GoTTSCHAuaaO.Dertugendh.Schrei- ist aber jünger, Vogt hat den Dichter deshalbber: Bartsch, Nr. XXIV; Simrock, Wart- in seinen Neuauflagen von MF. weggelassen.burgkrieg (s. ob.) S. 284 f.; Roethe, Reinm. Schröder, ZfdA. 70, 120; Elisabeth Karg,S. 270; H. Hess, D. Mönchhof bei Manebach Stamml. Verfasserlex. 2, 290 f.