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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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282 Die lyrische Dichtung

herbeischaffen soll, und die Frau klagt, daß sie je zu ihm ins Haus kam, weilkein Holz und Schmalz, kein Fleisch noch Wein da ist (Nr. 7). Und dochdient diese Erfahrung nur als Kontrast zu einer Liebesklage an seine frouwe.Der Zwiespalt zwischen der edlen Stilisierung des Lebens und der bitterenWelt der Tatsachen ist nicht ausgeglichen, wenn dies auch manchmal versuchtwird. So ahmt Hadlaub auch Neidhartsche Dorfpoesie nach in einer Dörper-szene (Bauernhändel aus Eifersucht, Nr. 15). In dörflicher Umwelt spielenseine Erntelieder, eine ihm eigene Gattung: Aufforderung an die Mägdeund Knechte zur Ernte und ihren massiven Freuden, wol üfin d'ern, diu hcehetmuot, in höfischer Einkleidung (Nr. 22. 24. 43). In den Herbstliedern folgter dem Vorgang Steinmars (Nr. 18. 20. 44), doch am Schluß verläßt er dengroben Ton und beklagt in minnesingerischer Empfindsamkeit die verschwun-dene Sommerschönheit.

Nachahmer Neidharts ist Goe 1 i 1 (Diethelm Goeli miles in Baseler Urkunden1254-76) in seinen 4 Dörperliedern mit den üppigen,händelsüchtigen Bauern;nur daß er die Bauernszenen in Sommerreihen statt im Winter sich abspielenläßt, der Schauplatz ist der Wasen, nicht die Stube. Im vierten Lied klagt derDichter, ebenfalls ein Neidhartsches Motiv benutzend, über einen geckenhaftenDorfhelden, der ihm eine Schlappe beigebracht hat.

Die niederalemannischen Dichter

Die niederalemannischen Dichter (südliche Hälfte von Baden unddem Elsaß) ragen über den Durchschnitt nicht hinaus und bieten nichts Be-merkenswertes, auch sind nur wenige Lieder von jedem erhalten. Im heutigenBaden: 2 Bruno von Hornberg (4 Lieder, darunter ein Tagelied); Brun-wart von Ougheim (jetzt Auggen im Breisgau, 5 Lieder); Von Buochein,der vielleicht bei Freiburg zu Hause war (3 Lieder, gehen zum Teil auch unteranderen Namen). Meister Walther von Breisach war Schulmeister da-selbst, später in Freiburg (urkundlich 1256-1303, 2 religiöse Lieder und einTagelied, 6 Sprüche). Im Elsaß: 3 Hawart, vielleicht aus einer Stadtadel-familie in Straßburg (4 Lieder), gibt in einer Klage über den Übeln Zustandder Christenheit und über die Heidenschaft im Heiligen Land (Lied 1) histo-rische Anspielungen (Tod Konrads IV. 1254, Kreuzzug wahrsch. 1270), auchin Nr. 2 setzt er sich für die Befreiung des Heil. Grabes ein; Nr. 3 ist ein WechselNr. 4 ein Minnelied. Goesli von Ehenheim (südlich von Straßburg, ur-

1 Bartsch, Schw. MS. Nr. XII; Herzog, Stammlers Verfasserlex. 1, 305 f. Buochein:Germ. 31,326; Pfaff, Minnes. in Baden S. Pfaff S. XIII u. 12 ff.; Roethe, Reinm.XIV; Mohr S. 68 f.; Suolahti, Mem. de la S. 179 Anm. 219; Halbach, Stammlers Ver-Soc. neo-phil. de Helsingfors 6, 1919, 109 ff.; fasserlex. 1, 328f. Walther v.Breisach: PfaffSchröder, Anz. 38, 168; Rosenhagen, Real- S. XIII u. 16 ff.

lex. 1,208; Singer, Schweizerdeutsch S. 117, 3 Hawart: Grimme, Die rhein.-schwäbi-

Malterl. Lit. aaO. S. 151 f., Stammler Verfas- sehen Minnesänger, 1897, 69-75; Schulte,

serlex. 2, 57 f. ZfdA. 39, 239; Halbach, Stamml. Verfasser-

2 Hornberg: Pfaff, Minnesang in Baden lex. 2, 228-30; Goesli: Grimme S. 65 f. u.S. XII u. 6 ff.; Schulte, ZfdA. 39, 226 f; Alem. 22, 34. Der Püller, Grimme S. 75-81;Halbach, Stammlers Verfasserlex. 1, 302 f. Schulte, Lbl. 1897, 265; Rosenhagen,Oughein: Pfaff S. XIII u. 26 ff.; Halbach, Stammlers Verfasserlex. 2, 59 f.