Die Schweiz (Steinmar. Hadlaub) 279
„kranken minne", gemacht. Weiter geht Der Taler 1 (wahrscheinlich auseinem Dienstmannengeschlecht von St.Gallen); außer einem Minneleich sind2 Lieder von ihm erhalten. In dem ersten setzt er parodistisch den gut geklei-deten Herrinnen seine in Fetzen gehende Geliebte entgegen und wünscht mitihr in den Heuschober zu gehen. Auch das zweite Lied ist eine Verspottungdes hohen Minnesangs. In dem gewöhnlichen Gedankenkreise bewegen sich die2 Lieder des Hesse von Rinach 2 (Aargau, ein Geistlicher, urkundlich 1239u.ö.,gest.um 1280) und die des Walther von Klingen 3 (Thurgau, 8Lieder).Ebenso die zweier bürgerlicher Dichter: Meister Heinrich Te schier 4 (ur-kundlich 1286-96, Zürich, 13 Lieder, darunter ein Tagelied) und der sonstnicht sicher nachzuweisende Winli. 5 Immerhin ist die Tageliedstrophe desletzteren (Nr. VIII) erwähnenswert: hier preist die Frau den Geliebten wegenseiner ritterlichen Mannheit, mit Schwert und Speer, unter Helm und Schildhabe er sie erfochten — ein Motiv, das im Stil des Minnesangs ungewöhnlichist. Auch Rost, der Kirchherr zu Samen 6 (Anfang 14. Jahrhundert?,9 Lieder) wußte gar lieblich von weltlicher Minnenot und von Minnehoffen zusingen, wobei einige realistische Worte mit unterlaufen. Dagegen ist von einemgeistlichen Kollegen Bruder Eberhart von Sax 7 (urkundlich 1309), nur einfrommes Preislied auf die reine Magd in den bekannten Marienbildern über-liefert. Von den 3 erhaltenen Strophen des Herrn Pfeffel 8 (aus Baseler Stadt-adel, urkundlich 1243) preist die erste den Herzog Friedrich v. Österreich mitHinsicht auf Fürstenfreigiebigkeit, die zweite ist eine Lehre für den „jungenMann", während nur die dritte von Minne und Dienst spricht.
Nur Sprüche (3 Töne, 7 Nummern) besitzen wir von Dem von Wengen 9(Freiherrngeschlecht im Thurgau, um 1246): politische und religiöse; einen aufden von Klingen, auf die Herren von Kiburc, einen gegen die riehen beesen imVergleich mit der schönen Zeit am Artushof. Ebenso hat Johannes vonRinggenberg 10 (Freiherrngeschlecht im Thurgau) nur Sprüche hinterlassen,
1 Bartsch, Schw. MS. Nr. IV, Liederd. Nr. dach, ADB. 29, 271 f. u. Reinm. 2 S. 415 f.XXXVII; R.M.Meyer, ADB. 37, 362 f.; 'Bartsch, Schweiz. MS. Nr. XXVIII;Gottschalk, Minneleich S.70ff. u. Anhang; Roethe, ADB. 30,457; Burdach, ADB. 25,Mohr, D. unhöf. Element S.74ff.; Singer, 611 f. u. Reinmar 2. Aufl. S. 376-78; Singer,Malterl. Lit. aaO. S. 22 zweifelt, ob der Taler Mittelalterl. Lit. der dt. Schweiz S. 19; Ders.,Schweizer oder Schwabe ist. Rosenhagen, Stammler Verfasserlex. 1, 474.
Reallex. 2, 354. »Bartsch, Schw. MS. Nr. V; Burdach,
2 Bartsch, Schw. MS. Nr. X; A.Schumann, ADB. 25, 611 f. u. Reinmar 2. Aufl. S. 376 ff.;ADB. 28, 260; Schulte, ZfdA. 39, 227; Sin- Pfaff, Minnes. in Baden S. XIV; Kluck-ger, Malterl. Lit. aaO. S. 150. höhn, ZfdA. 52, 154; Wallner, Beitr. 33,
3 Bartsch, Schw. MS. Nr. XI, Liederd. 526. — Pfeffel, österreichischer Spielmann:Nr. LXIV; Wilmanns, ADB. 16, 189; Pfaff, Roethe, Reinm. S. 181, s. auch S. 37.Minnesang in Baden S. XIV f.; Singer, M- 9 Bartsch, Schw. MS. Nr. VII; Roethe,alterl. Lit. aaO. S. 148 f. Reinm. Reg. S. 642; Singer, Malterl. Lit.
4 Bartsch, Schw. MS. Nr. VIII, Liederd. aaO. S. 134. 139.
Nr. LX; R. M. Meyer, ADB. 37, 584; Schul- 10 Bartsch, Schw. MS. Nr.XXIX; Roethe,
te, ZfdA. 39, 212. 233; Singer, Malterl. Lit. ADB. 29, 759; Schulte, ZfdA. 39, 229 u. Lbl.
aaO. S. 148 f. 1897, 262 f; Baechtold, LG. Anm. S. 45;
5 Bartsch, Schw. MS. Nr. XV; Gottschalk, Singer, Malterl. Lit. aaO. S. 138; Halbach,Minneleich S. 60 ff. Stammler Verfasserlex. 1, 337 f. (mit. Lit.).
6 Bartsch, Schw. MS. Nr. XXXII; Bur-