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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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Die Schweiz (Steinmar. Hadlaub) 277

preist Singenberg die Dame in der allgemein üblichen Weise. Er kann es aberauch anders. In einem Zank droht er der frouive seines Herzens mit Ruten-schlägen (Nr. 28), er macht seinen Sang davon abhängig, ob sie ihn weiterzum Narren haben will oder nicht (Nr. 27). Er ist nicht bloßer Nachahmer,sondern spricht auch, wenn es ihm darauf ankommt, aus eigener Er-fahrung. Auch einzelne Einfälle treten aus dem sonstigen Minnestil heraus.Wie Walther behandelt er in Sprüchen allgemeine Fragen oder persön-liche Verhältnisse, auch Zustände der Zeit. Bezeichnend für das Nebeneinandervon höfischer Idealisierung und realistischer Auffassung ist Nr. 26, wo einschwärmendes Minnelied durch eine derbe Auseinandersetzung des Dichtersmit seinem Gelbschnabel von Sohn abgekühlt wird. In dem Vokallied Nr. 31,das Walther nachgeahmt ist, zeigt die einzige Zeile 28 in ihrer Derbheit denAbstand gegen Walthers feinen Sinn für gute Sitte.

Den meisten Liedern der Schweizer gibt der naturgestimmte Anfang einewohlgefällige Einleitung. In dreien seiner Lieder (11 Sommer-, 11 Winterlieder)unterbricht der Schenk Konrad von Landeck 1 (urkundlich 1271-1306,Thurgau) seine sonstige Einförmigkeit durch frische Maitanzlieder (Nr.3.8.12).Zwei seiner erhaltenen Lieder sind in der Fremde gesungen, in Wien bei derBelagerung Rudolfs v. Habsburg (Nr. 5); in einem anderen (Nr. 13) sehnt ersich aus dem winterlichen Frankreich nach Wonne und Vogelsang der HeimatSwdbenlant. Konrad von Altstetten 2 (Dienstmann von St. Gallen) hat inzweien seiner 3 Lieder einen mailichen Natureingang nach dem volkstümlichenTanzlied. Ähnlich Wernher von Teufen 3 (bei Zürich, urkundlich 1220) inseinen 4 Liedern, in denen fröide das Schlagwort ist, die ihm aber von der Ge-liebten nicht zuteil wird; ein Spruch, Nr. 5, tadelt dieMundes Minne", dienur im Munde geführt wird. Von Heinrich von Sax 4 (Hohensax im Rhein-tal oberhalb des Bodensees, urkundlich 1235-58) ist neben 4 Liedern einschmucker Minneleich überliefert mit der üblichen Zweiteilung. Heinrichvon Frauenberg 5 (wahrscheinlich Schweizer, urkundlich 1257-62, ausder Gegend von Pfäffers; 5 Lieder) und Jakob von Warte 6 (Thurgau;6 Lieder) haben sich auch im Tagelied versucht, wobei der Frauenberger denMorgen durch den orion ankündigen läßt.

Als Leichdichter ist Der von Gliers 7 bekannt (südl. Elsaß); er ist derVerfasser von 3 Leichen, in denen besonders seine literarischen und histori-schen Zitate und sein Nachruf auf frühere Leichdichter bemerkenswert sind,sowie einer Allegorie vom Baum der Tugenden, deren Frucht die Minne ist.

1 Bartsch, Schweizer Minnes. Nr. XXI, ADB. 37, 611; Roethe, Reinm. S. 180 Anm.Liederd. Nr. LXXI I ; Burdach, ADB. 31, 58 222; Singer, Malterl Lit. aaO. S. 147 f.

-61 u. Reinm. 2 S. 409-12; Joach. Kirchner, 4 Bartsch, Schw. MS. Nr. XIV; Burdach,

Greifsw. Diss. 1912; Brinkmann, Wesen u. ADB. 30,457 f.

Form S. 156 ff. 159. 164; Singer, Malterl. 5 Bartsch, Schw. MS. Nr. XIII.

Lit. aaO. S. 158 f. 6 Bartsch, Schw. MS. Nr. XXII.

2 Bartsch, Schw. MS. Nr. XXIV, Liederd. 'Bartsch, Schw. MS. Nr. XX; Singer,Nr. XCI. Malterl. Lit. aaO. S. 20; Ders., Stammler

3 Bartsch, Schw.MS. Nr. III; R.M.Meyer, Verfasserlex. 2.