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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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276 Die lyrische Dichtung

Die sentimentale Schwärmerei des Wachsmut von Künzich 1 gab schoneinem Sangesgenossen, Gedrut, 2 Veranlassung zum Spott, wobei dieser ihmsein eigenes, weniger prüdes Verfahren empfiehlt.

Von Bruno von Hornberg sind vier rhythmisch gewandte Lieder und einWächterlied erhalten. Er gehörte einem Freiherrlichen Geschlechte im badi-schen Schwarzwald an, um 1234 oder 1276. 3

Brunwart von Augheim (Auggen im Breisgau) ist in seinen fünf Liedernteils einfach, teils gekünstelt. Lebenszeit gegen Ende des 13. Jahrhunderts. 4

Die Schweiz (Steintnar. Hadiaub)

Die Schweizer Minnesänger. 5 Sie stellen etwa ein Fünftel aller mhd.Lyriker, die wir kennen. Dies liegt nicht in einer stärkeren Sangesfreudigkeit,sondern ist rein äußerlich dadurch bedingt, daß die Hauptminnesingerhand-schrift C in der Schweiz, in Zürich, verfaßt, naturgemäß aus heimischenLiederbüchern zusammengesetzt ist.

Hervorragende Sänger oder produktive Kräfte sind unter den Schweizernnicht vertreten, doch stechen einige Individualitäten heraus, besonders unterden Spätlingen der dörperlichen Richtung. Etwa über ein Jahrhundert, vonungefähr 1220 bis etwa 1320, von der sinkenden Blütezeit bis zum Absterbender frohen Kunst, erstreckt sich die Reihe dieser meist an der Tradition haf-tenden Sänger, die aber doch wesentlich beigetragen haben zu dem staunens-werten Reichtum der mittelalterlichen deutschen Lyrik.

Die Reihe eröffnet Ulrich von Singenberg, 6 der Truchseß von St.Gallen(urkundlich 1219-28). Singenbergs Vorbild ist Walther, den er seinen Mei-ster nennt (Nr. 20.31) und dem er einen Nachruf gewidmet hat (Nr.24 Str. 4 f.).St. Gallen, dieser alte Sitz der Wissenschaft und Kunst, ist auch für die welt-liche Lyrik des 13. Jahrhunderts ein Mittelpunkt gewesen, Dienstmannen desKlosters und auch geistliche Herren pflegten diese gesellschaftlich höfischeMusik-Dichtung. Verwundert bemerkt Hugo v. Trimberg in seinem Renner4245 ff., daß ein Abt von St. Gallen so recht schöne Tagelieder gedichtet habe. In seinen Minneliedern (auch Tagelieder, Wechsel, Dialoge hat er gedichtet)

1 Bartsch, Liederd. Nr. LV; Wilmanns, Schweiz im MA. 1916, 22 f. 26-8. 43-6; Ders.,ADB. 17, 405; Pfaff, Minnesang in Baden D. malterl. Lit. d. dt. Schweiz inDie SchweizS. VIII; Schneider, Beitr. 47, 255. im dt. Geistesleben", 1930, 7 ff. 131 ff., Reg.

2 Bartsch, Liederd. Nr. LVI; Burdach, S. 205ff.; Elise Walter, Verluste auf d. Ge-Reinm. S. 116; Mohr S. 74; Karg, Stammler biet der mhd. Lyrik, 1933.

Verfasserlex. 2, 7. Ueber den Frauennamen 6 Ausg.: Wackernagel-Rieger, Walth. v.

Gedrut s. Behaghel, Gesch. d. dt. Sprache 5 d. V. nebst Ulr. v. S. u. Leut. v. Seven, 1862;

S. 370 u. ZfdA. 58, 240; Schröder ebda S.95 Bartsch, Schw. MS. Nr. II, s. auch Liederd.

u. 240. N. XXX. v. Kraus, Übungsb. 2 S. 291 f.,

3 Halbach, Stammler Verfasserlex. 1, 303 f. Roethe, ADB. 34, 390-2, Reinm. Reg. S.640;mit Lit. Wilmanns-Michels, Leben W.s S. 368-70.

4 Halbach ebda Sp. 305 f. mit Lit. 458; Pinnow, Untersuch, z. Gesch. d. polit.

5 Hgb. von Bartsch, Die Schweizer Minne- Spruchdichtg. im 13. Jh., Bonn. Diss, 1906;Sänger, 1886, s. auch die betr. Dichter in W.Stahl, U. v. S., Rostocker Diss. 1908;Bartschs Dt. Liederdichtern. Baechtold, Mohr S. 27 ff.; Singer, SchweizerdeutschGesch. d. dt. Lit. in d. Schweiz 1892, 140 ff. u. 1928, 84 ff., D. malterl. Lit. d. dt. Schw. S. 139.Anm. S.40ff.; Singer, Lit.-Gesch. d. dt. 145 ff.