Schwaben 275
Mehr auf die Art der zarten Lieder Neifens sind die 6 Stücke des Schen-ken von Limburg 1 (urkundlich 1255-68, in C 6 Lieder) gestimmt, dochtritt er mit seiner Persönlichkeit mehr hervor, und sein Empfinden kleidet sicheher in Anschauung. Im Traume sieht er leibhaftig die Geliebte; in der Fremde,durch Berge getrennt (er machte einen Italienzug mit 1267/68), leidet er Peinnach ihr, und sein Maienlied ist berührt von naiver, volkstümlicher Frische.
Ähnlich weiß Wachsmut von Mühlhausen 2 (um 1250, in C 4 Lieder) imMinnelied einen gemütlichen Ton anzuschlagen. Wenn er die Minne seinerfrouwe höher schätzt als Kronen, selbst als das Paradies, so folgt er begangenenPfaden.
Der von Stamheim 3 (um 1230) flicht in sein Maitanzlied (das einzige vonihm erhaltene Gedicht) einen Zank zwischen der tanzlustigen Tochter undder Mutter, nach Neidharts Beispiel.
Den üblichen Bahnen folgt der Graf Konrad von Kilchberg 4 (urkund-lich 1286 ff.) in seinen 4 Minneliedern und in einem ländlichen Maitanzlied.In diesem zeigt sich recht die Übertreibung des Epigonentums, denn nichtweniger als 53 Namen der Tänzerinnen werden hintereinander aufgezählt.
Bei den 2 Liedern Heinrichs von Tettingen 5 (bei Überlingen) weiß mannicht, ob ihre Empfindsamkeit wirklich ernst gemeint ist, das zweite schließtjedenfalls parodistisch.
Hug von Werbenwaag 6 (urkundlich 1258-79, 5 Minnelieder) will, ähn-lich wie Winterstetten, eine Klage gegen die sceldenbcere anstrengen, weil sieseinen Dienst nicht lohnt. Er will es vor den König Konrad bringen, vor denKaiser, vor den jungen König aus Thüringen (Heinrich Raspe), ja vor denPapst.
Vom Grafen Albrecht von (Hohenberg und) Heigerloch 7 (um 1270)sind in C zwei Minnestrophen erhalten.
Der Dürner, 8 ein Bürgerlicher, von dem ein zartes und farbenreichesMinnelied erhalten ist, wird ebenfalls nach Schwaben gesetzt, wo der Nameöfter belegt ist. '
Bartsch, Liederd. Nr. XLIV; Burdach, Minnesinger 1897,109-14; Baechtold, Gesch.
ADB. 31, 61 ff. u. Reinm. 2 S. 395-7. d. dt. Lit. in d. Schweiz S. 154; R. M. Meyer,
2 Bartsch, Liederd. Nr. LH; Wilmanns, ADB. 37, 592; Schröder, Anz. 31, 201.ADB. 22, 711; Schulte, ZfdA. 39, 227 f. «Bartsch, Liederd. Nr. XLIX; Pfaff,
3 Burdach, ADB. 35,427 u. Reinmar 2 S.398. Minnes. in Baden S. XX. 66-71 (Ausg.). —— Uhland 5, 259 f.; Stalin, Wirtemberg. R. M. Meyer, ADB. 41, 743 ff.
Gesch. 2, 764; Grimme, Die rhein.-schwäb. 7 Siehe Pfeiffer, Heinzelein v. Konstanz
Minnes. S. 198 ff.; R. Kraus, ZfdA. 41, 87 f.; S. VI ff. (s. unt. Didaktik); Schröder, Die
Mohr S. 70 f.; Drescher, Konrad v. Kilch- Gedichte des Königs v. Odenwald, 1900,
berg, v. Stammheim u. her Geltar, Berl. Diss. 18-33; Halbach, Stammler Verfasserlex. 1,
1921, Masch.dr.; Rosenhagen, Reallex. 1,209. 48.
4 Bartsch, Liederd. Nr. LXXXV; Wil- 8 Bartsch, Liederd. Nr. XC; zur Bibliogra-manns, ADB. 15, 789; Grimme S. 209-19; phie daselbst noch: Schulte, Lbl. 1897, 264;Mohr S. 77 f.; Drescher, Kilchberg usw.; er gehört schwerlich zu den Dynasten vonSchröder, ZfdA. 67, 108 (mit Lit.). Durne (Schreiber, Neue Bausteine zu e. Le-
5 Bartsch, Schweizer Minnes. Nr. XVII; bensgesch. Wolframs v. Esch. 1922, 46). —Pfaff, Minnesang in Baden S. XV. XVIII. Karg, Stammler Verfasserlex. 1,463 (mit Lit.).32 ff. (Ausg.); Grimme, Die rhein.-schwäb.
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