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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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274 Die lyrische Dichtung

strenger Hut Nr. 7; die höfisch gefärbte stadelwise, der Tanz in der Scheune(stadel), mit dem das ganze Lebensgefühl des Dichters bezeichnenden Kehr-reim : fröide und vriheit.

Der Schenk Ulrich von Winterstetten 1 (urkundlich 1241-80, 1258als Kanonikus zu Augsburg, 1280 als Domherr, Sohn des DichtergönnersKonrad v. W.; seine Lieder fallen wohl in seine frühere Zeit, vgl. Nr. XX, 27)hat den schwäbischen Wirklichkeitssinn am stärksten zum Ausdruck gebracht.Seine Lieder (40 Nummern, darunter 5 Wächterlieder) sind auf den konven-tionellen Minneton gestimmt, doch manchmal mit neuen Zügen (Nr. X isteine Gerichtsklage gegen die Hartherzigkeit der Dame). Einige darunter aberstehen dazu in grellem Gegensatz, es sind Parodien auf den hohen Minnestil:in einem Zwiegespräch nach Neidharts Art schilt die Alte die Junge aus, weilsie sich durch die Lieder des Schenken betören läßt (Nr. IV). Die höfischenDiensterbietungen des Dichters weist die Angebetete zurück als Lug und Trug,kräftig ist dabei der Kontrast zwischen der höfischen Ausdrucksweise desRitters und der pöbelhaften der Dame (Nr. XI. XXXVI, auch XXXVII).Doch nicht in seinen Liedern, sondern in seinen Tanzleichen gibt er dasEigenste seiner Kunst: die ungemein lebhaft bewegten Rhythmen begleiteneine wirbelnde Melodik und tolle Reigensprünge. Seine Leiche sind ähnlichgebaut wie die Tannhäusers, von dem er wohl beeinflußt ist; der zweite,kleinere Teil enthält das ländliche Tanzlied mit den gleichen Motiven, imersten aber erreicht er die Vielseitigkeit des Virtuosen Tannhäuser nicht, denner kommt nie über eine lange Minneklage hinaus. Unvermittelt tritt nebendiese sentimentalen Ergüsse das frische Treiben im Stile des alten Volkstanz-liedes.

Der von Buwenburg 2 (wahrscheinlich aus schwäbischem Freiherrnge-schlecht) faßt selbst in seinen Minneliedern das Leben in ungeschminkterWirklichkeit auf. In einem seiner 6 Lieder will er auch von den bösen Weibernreden und droht seiner frouwe, ein ihr unangenehmes Wörtlein zu sagen. Ineinem andern vergißt er nicht, mit einem Steinmar entlehnten Motiv nebendem Lenz auch die Herbstwonne und gutes Essen zu preisen. Er folgt nichtder konventionellen Sprache der Sentimentalität, sondern hat seine eigenenkräftigen Ausdrucksmittel.

Weniger stark ausgeprägt ist die Eigenart der übrigen schwäbischen Lyri-ker, doch sticht auch in ihren Minneliedern manchmal ein besonderer Zughervor.

J Ausg.: Jak. Minor, Die Leiche u. Lieder Stud. üb. U. v. W. 1929; Günth. Müller,

Schenken K. v.W., 1882, dazu Bartsch, GgA. ZfdA. 60, 45 f., Dt. Vjschr. 1, 80, Reallex. 2,

1882, 1062-79, Wilmanns, DLz. 1882, 1152, 214; Schröder, ZfdA. 67, 223 f.

Burdach, Lbl. 1882, 451-3 u. Reinm. 2 S.399 2 Bartsch, Liederd. Nr. LXXXVIII, Schwei-

-402. Bartsch, Liederd. Nr. XXXVIII; zer Minnes. Nr. XXIII; Schulte, ZfdA. 39,

Burdach, ADB. 31,68-73 u. Reinm. 2 S.403-8; 208; Wallner, Beitr. 33, 486; Singer, Lit-

Roethe, Reinm. S. 354 ff. (zwei Klassen von Gesch. d. dt. Schweiz S. 51 f.; Mohr S. 94 ff.;

Leichen); Schulte, Lbl. 1897,263 f.; Steller, Brinkmann, Wesen u. Form S. 158 f.Beitr. 45, 307 ff.; Mohr S. 85 ff.; A. Selge,