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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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Schwaben 273

wie sie wohl an dem liederlichen Hofe des jungen Königs Heinrich beliebt seinmochte, fürvolkstümlich" zu halten. Sein reizendes Wiegenlied (52, 7) gibtZeugnis, daß dieser Dichter ein vorzügliches Talent besaß, realistische Genre-bilder in höfischem Stil zu zeichnen und zugleich, welch verjüngende Krafteinem Dichter aus dem natürlichen Leben sprießen kann. In der Version,die die Zimmerische Chronik von der Moringersage überliefert, spielt alsNebenfigur auchder jung von Neifen" mit (wohl in Erinnerung an sein inder Handschrift nicht vollständiges Pilgerlied).

Burkart von Hohenfels 1 (urkundlich 1216-42) aus einem Ministe-rialengeschlecht bei Überlingen am Bodensee, wie Neifen zum Kreise desjungen Königs Heinrich gehörend, folgt in seinen Minneliedern ebenfalls derhöfischen Tradition der Frauenidealisierung. Die eigentlich künstlerische An-schauung des Weibes ist ihm nicht gegeben, man empfindet zu leicht, daßseine Lieder aus den Gedanken, nicht aus dem Herzen kommen, z. B. dieMinnezoologie Nr. 2, die Minnelehren Nr. 13. 14, auch 15. Er ist vor allemein Mann, ein Ritter. Kräftig packt er das Leben an, Frohsinn und Freude istsein Element, aber nicht lediglich die Freude, die von der Herrin abhängt,sondern die an der Fülle des Daseins. Was seiner Kunst immer wieder eineeigene Note verleiht, das ist die Ausdrucksweise, der Wortstil, der über dieübliche Minneterminologie hinausgeht, besonders der Reichtum an Bildern.Diese entnimmt er oft dem unmittelbaren Leben, seiner Umgebung, seinerTätigkeit als eifriger Jäger, als Ritter. Die Dame z. B. ist eine Königin in derFeste seines Herzens, dem festen Turm, aus dem sie durch keine Belagerungs-werkzeuge vertrieben werden kann (Nr. 16). Zur Natur hat er ein ganz anderesVerhältnis als sonst die Minnesänger. Er gebraucht sie nicht zum schönenSchmuck, sie ist ihm notwendige Lösung innerer Spannung; da er keineErhörung bei der Geliebten findet, begibt er sich in fremde Länder: durchFlüchten wähnte ich Frieden zu gewinnen, ich barg mich hinter hoheBerge, starke Wasser, weite Gefilde. Die unbetretene Natur, das Gebirge,bedeutet diesem Dichter Beruhigung wilder Gedanken. Es ist eine andereGefühlsweise: sonst das minnesingerisch empfindsame Naturgefühl, hier dasheroische.

Dieser ritterliche Dichter, der nicht in der Konvention aufgeht, der auch inseiner Kunst seinen Wirklichkeitssinn zur Geltung kommen läßt, kann seinBestes auch im Volkstümlichen geben. Unter seinen 18 Liedern behaupten diedrei frischen, lebensprühenden ländlichen Tanzweisen den ersten Platz: derWintertanz in der Stube Nr. 1; das Gespielenlied mit dem Kehrreim: mir ist einSchapel (Hut) von Stroh und mein freier Mut lieber als ein Rosenkranz bei

1 Uhland 5, 263. Bartsch, Liederd. 376 f., Panzer, ZfdPh. 36, 277-9, DLz. 1902Nr. XXXIV; Wilmanns, ADB. 12, 673; Bur- 153, Schönbach, Oesterr. Lbl. 1902, 557 f.dach, Reinm. S. 127 f.; Pfaff, Minnesang im Mohr S. 78 ff.; De Jong, Neifen S. 102 ff.Lande Baden S. VIII. XIX f., 36-65 (mit Günth. Müller, ZfdA. 60, 44 f. (Strophen-Ausgabe). Max Sydow, B. v. H. u. seine bindg.), Reallex. 2, 214; Brinkmann, Dt.Lieder, 1901, dazu R. M. Meyer, Anz. 28, Vjschr. 3, 638, Wesen u. Form S. 159.

18 Deutsche Literaturgeschichte IV