Schwaben 271
Die niedere Minne übertreibt Der Kol von Neunzen 1 (Niederösterreich)anspielend, aber unmißverständlich ins Zynische.
Geltar 2 geht weiter als alle die vorhergehenden „Gegensänger", er ziehtmit Hohn gegen die Grundbedingung des Minnesangs los (4 Lieder), den Dienstfür eine verheiratete Frau, und geißelt den Sang der minnewise. Die Sängerder Minne werden bei ihrer klagenden Not fett. Er hat alte Kleider nötiger, alsdaß er als Modegeck sich um die Damen reißt. Dem Herrendienst redet erdas Wort statt dem Frauendienst. Und mit köstlicher Ironie schließt er denNeidhart nachgeahmten Streit zwischen Mutter und Tochter: ja, wenn er ein„Waleis" ist, das ist etwas anderes, dem kannst du Minnelohn gewähren. EineProbe seiner natürlichen Art im Minnelied gibt das Sommertanzliedchen(Nr. 3). Er war jedenfalls ein Gehrender, ein Spielmann (der Titel her in Cwird einige Male in dieser Hs. auch Spielleuten zugeteilt).
Ungeklärt ist es, was es für eine Bewandtnis mit Hern Alram von Grestenund Hern Niuniu 3 hat, da deren Lieder in den Handschriften auch unteranderen Namen stehen. Unter dem sonst unbekannten Namen Von Mune-gür (= Munegiur) folgen in B und C auf Lichtenstein drei Minnelieder inherkömmlichem Stil. Auch Fuß der Buhler, aus einem bayerischen Adels-geschlecht des 13. Jahrhunderts, von dem aber nichts erhalten ist, sei hiergenannt. 4
Schwaben
Hiltbolt von Schwangau 5 gehörte dem schwäbischen Ministerialen-geschlecht an, dessen Burg am rechten Ufer des Lechs stand, jetzt Hohen-schwangau. Er wird in den ersten Jahrzehnten des 13. Jahrhunderts gedichtethaben, gehört also streng genommen nicht zu den Minnesängern nach Wal-ther, ist aber von ihm, Hausen und Reinmar beeinflußt. Er folgt dem tradi-tionellen höfischen Sang. Auch sein Tanzlied ist eine Minnehuldigung, dienur durch den Refrain chorisch gestempelt ist. Ein Kreuzzugslied ohneinneren Drang bezeugt jedenfalls, daß er eine Kreuzfahrt mitgemacht hat.Mehrere seiner Lieder haben daktylischen Rhythmus.
1 Burdach, ADB. 23, 549; Reinm. 2 S.375; * Schröder, ZfdA. 61, 127; Karg, Stamm-Kummer, Herrand S. 64; Kluckhohn, ZfdA. lers Verfasserlex. 1, 784.
52, 154; Mohr S. 73 f. 5 Bartsch, Liederd. Nr. XX; Burdach,
2 Bartsch, Liederd. Nr. LVII; Wilmanns, ADB. 33,184; Grimme, Dierheinisch-schwäbi-ADB. 8, 552; Burdach, Reinm. S. 131 f.; sehen Minnesinger, 1897, dazu Burdach, DLz.Roethe, Reinm. S. 181. — Kummer, Herrand 1898, 271-78; Erich Juethe, Der Minne-S. 64; Wallner, Beitr. 33, 527 f.; Kluck- sänger H. v. Schw., Germanist. Abhandl. 44,höhn, ZfdA. 52, 154; Mohr S. 69 f.; Dre- 1913, dazu Keim, Anz. 38, 142-46, Helm, Lbl.scher s. unt. bei Stamheim; Karg, Stammler 1915, 142^16, Hübner, Arch. 132, 423 f.;Verfasserlex. 2, 14. — Der Name Geltar ist Schneider, Beitr. 47, 432-34 u. Merker-wohl ein angenommener, bezeichnender Spiel- Stammler Reallex. 2, 140; Günth. Müllermannsname, = geltcere Schuldner, einer der ebda 2, 213 f.; Elise Walter, Verluste aufSchulden zu bezahlen hat. d. Gebiet der mhd. Lyrik, 1933, 54-75; Stelle:
3 Wackernagel, Kürenbergii et Airami Ger- Vogt, MF. 2 S. 284. — Der Name Hiltbolt vonstensis ... carmina ... 1827. — Burdach, Schwangau kommt urkundl. 1197-1256 vor,ADB. 23, 549 u. Reinm. 2 S. 375; Vogt, MF. 8 betrifft aber wohl verschiedene Personen des-S. 263 f.; Wallner, Beitr. 33, 526. selben Geschlechts.