270 Die lyrische Dichtung
strator der Hs. C als Motiv benutzt). Seine Geliebte hat er in einer Reihevon Minnesprüchen besungen, die in ihrer bilderreichen Sprache von einersinnenkräftigen Phantasie zeugen. Er wurde zum Helden einer Minne-sängernovelle, indem die Sage vom gegessenen Herzen auf ihn übertragenwurde.
Kunz von Rosenheim (Kluckhohn, ZfdA. 52, 154) mahnt in den zweierhaltenen Strophen, die Frauen um des eigenen Seelenheils willen zu ehren.
Der Markgraf von Hohenburg 1 mag dem mächtigen Geschlecht diesesNamens im bayerischen Nordgau angehört haben. Aber er ist literarisch einezweifelhafte Persönlichkeit, weil seine 6 Lieder (darunter ein Tagelied) zwarin C unter seinem, in anderen Sammlungen aber unter verschiedenen anderenNamen gehen.
Von jeher ist dem bayerisch-österreichischen Stamm ein volkstüm-licher Zug eigen. In der Lyrik hat hier Neidhart stark eingewirkt. EineReihe von kleineren Liederdichtern dieser Lande huldigen der realistischenAuffassung des Lebens und treten damit in Gegensatz zu dem idealisierendenMinnesang.
Der Niederösterreicher von Sachsendorf 2 (urkundlich 1249), vielleichtder in Lichtensteins Artusfahrt erwähnte Ulrich v. S., singt feine Minneweisen,aber sein Frauendienst hat ihm nichts geholfen, trotzdem er Bein und Fußdabei gebrochen hat (wohl im Turnier). So singt er niuwiu liedel (ein neuesLied) für eine, die den Reigen springt, bei der er bessere Aussichten hat.
Ein eigenwilliger Außenseiter ist Günther von dem Forste 3 (aus Bayernoder Österreich). In seinen Minneliedern macht er zwar die Mode mit, aber ererlaubt sich unreine Reime. Vollends in seinem langgedehnten Tagelied hat erden höfischen Schmelz mit einem volkstümlichen Firnis überzogen. Er erzählteine Ballade vor dem Publikum, das er bänkelsängerisch anredet: Nu her, obieman kan vernemen, und stimmt einen Refrain an, der jedenfalls von denZuhörern mitgesungen wurde. Es ist ein frühes Beispiel, wie die Kunstpoesieins Volksliedartige herabsteigt.
Ein burschikoser Geselle ist der ebenfalls in Bayern oder Österreich behei-matete Her Friedrich der Knecht. 4 Er schlägt den Ton von NeidhartsSommerliedern an, die Minne behandelt er schalkhaft volksmäßig. Ob ritter-bürtig oder bürgerlich, jedenfalls war er ein armer Teufel, der von der Gabeder Herren lebte (MSH. II S. 170").
Schwanke 1 S. 272 f.; A. Kopp, Bremberger Dt.Stud. 1,15f.[16f.]; Roethe,Aiiz. 16,78f.;
Gedichte, Beitragz. Brembergersage, 1908; s. Heinzel, Kl. Sehr. S. 100; Schönbach, An-
auch Seemüller, Gesch. d. Stadt Wien III fange des dt. Minnes. S. 14; Kummer, Herrand
Bd. I, 1907, 68 f. — Brennenbergerlied: Uh- S. 64, 70 Anm. 4; Rosenhagen, Stammler,
land, Volkslieder Nr. 75. Verfasserlex. 2, 111-13.
1 Bartsch, Liederd. Nr. XIX; v. Kraus, 4 Burdach, Reinm. S. 133; Roethe, Reinm.Uebungsb. 2 S. 200 ff., 293. S. 182 Anm.; Kluckhohn, ZfdA. 52, 154;
2 Bartsch, Liederd. Nr. XXXIX; Burdach, Wallner, Beitr. 33, 529 f.; Mohr, D. unhöf.ADB. 30, 146 u. Reinm. 2 S.379f.; Kummer, Element S.72f.; Halbach, Stammlers Ver-Herrand S.64f. fasserlex. 1, 691-93.
3 R. M. Meyer, ADB. 40, 311 f.; Scherer,