Die Minnesänger von Steiermark, Tirol, Bayern-Österreich 269
klügelt er besonders gescheit aus, und in dem vorletzten seiner etwa 10 Liederbenutzt er das lyrische Naturmotiv als psychologischen Maßstab für die Men-schenkenntnis : ob einer lügende hat oder fügende vri ist, sei daran zu erkennen,wie er auf den Sang der kleinen vogelin reagiert.
Vom Burggrafen von Lienz, 1 mhd. Lüenz (imDrautal),sind zwei Tage-lieder erhalten. Das erste weicht von dem gewöhnlichen Typus darin ab, daßdem Zusammensein der Liebenden zwei Strophen vorangehen, in denen einKammerfräulein dem Wächter Maßregeln für die Einlassung des Ritters er-teilt. Damit ist das an sich im Wächterlied liegende episch-dramatische Mo-ment balladenhaft gesteigert. In einer angehängten Strophe wird an dasScheiden des Ritters ein Scheidegruß an die Freunde vor einer Fahrt ins HeiligeLand geknüpft (Responsion scheiden Str. 4.5.6).
Der von Scharpfenberg 2 gehörte einem Kärntner Geschlecht an, vondem mehrere Mitglieder von der Mitte des 13. Jahrhunderts an bis gegen dasEnde urkundlich belegt sind, ohne daß der Dichter darunter zu erschließen ist.In seinen zwei Liedern schließt er sich Neidhart an, ist also zum „Gegensang"zu rechnen.
Zu bedauern ist, daß von Hartmann von Starkenberg 3 (urkundlich1260—76) nur drei Lieder erhalten sind, denn er hat originelle Gedanken:einen heiligen Mann will er bitten, seiner fromven seine swcere kundzutun;Schild und Speere müssen in ihrem Dienste verkrachen.
Zweifelhaft steht es mit Leuthold von Seven, 4 sowohl hinsichtlich seinerPerson als seines dichterischen Eigentums. Nach dem Hohnspruch von Rein-mardemFiedler 5 scheint er fruchtbar und in allen Sätteln gerecht gewesen zusein, in erster Linie als Spruchdichter. In seinen drei Minneliedern (Hs.C) erhebter sich nicht über den Durchschnitt, die Hs. A legt ihm eine Reihe von anderenDichtern herrührende Sprüche bei. Man nimmt an, daß er dem Ministerialen-geschlechte Säben bei Klausen angehörte (doch s. Schatz, Wallner, Plenio).
Aus einem bayerischen Ministerialengeschlecht stammte Reinmar vonBrennenberg, 6 der 1276 in einer Fehde erschlagen wurde (von dem Illu-
1 Bartsch, Liederd. Nr. XXXV; Wilmanns, S. 373; Roethe, Reinm. S. 182 f.; Schönbach,ADB. 19, 617. — Ueber die Person des Burg- ZfdA. 34, 271 f.; Schatz aaO. S. 175 f.;grafen v. L. und sein Vorkommen in Lichten- Mohr, D. unhöf. Element S. 27; Wallner,Steins Frauendienst (u.a. als Parcifäl in der Beitr. 33, 536 f.; Plenio, ebda 42, 423 ff.;Artusfahrt) s. Kummer, Herrand S. 71 ff.; A. Haid, Untersuchungen zu d. Liedern, dieBechsteins Ausg. v. Lichtensein Reg. S.359. Leut. v. S. zugeschrieben werden, Innsbr. Diss.Die geistl. Wendung des Tageliedes s. Kummer 1921, ungedruckt.
aaO.; Roethe, Reinm. S. 182u.Anz. 16,77 f.; 5 Her Reimär der Videler: Bartsch, Lie-
Osw. v. Zingerle, ZfdA. 52, 102. derd. Nr. XXIX; Roethe, ADB. 28, 97f. u.
2 Bartsch, Liederd. Nr. LIV; Burdach, Reinm. S. 181 f. u. Reg. S. 639; Th. Kochs,ADB. 30, 774-77 u. Reinmar 2 S. 381-85. D. dt. geistl. Tagelied, 1928.
3 Jos. Schatz, Ferdinandeums-Zs. 3. Folge 8 Bartsch, Ld. Nr..XLVT; Wilmanns, ADB.H. 45, 1901, 177-81; Halbach, Stamml. Ver- 3, 307 f.;. Roethe, Reinm. Reg. S. 635; Wall-fasserlex. 2, 216—18. ner, Beitr. 33, 520 f.; Kopp, Brennberger-
4 Ausg.: Wackernagel u. Rieger, Walth. v. gedachte, Quellen u. Forsch, z. dt. Volkskde II,d. V. nebst Ulr. v. SingenbeTg u. Leut. v. S., Wien 1908. — Lit. z. Brennbergersage s.1862. — Wilmanns-Michels, Walth., Ausg. ob. bei Konrad v. Würzburg Herzmaere; fernerS. 428 f.; Burdach, ADB. 34, 73 f. u. Reinm. 2 MSH. IV,; 281 ff.; Lambel, Erzählungen u.