268 Die lyrische Dichtung
Herrand von Wildonie (3 Lieder), mit Lichtenstein befreundet, bekanntzugleich als Verfasser von Verserzählungen, Der von Stadeck und Der vonSun eck (je 3 Lieder) 1 besitzen die angenehme Kunstfertigkeit der Frauen-sänger. Den beiden ersteren gelingt wohl auch ein Lied von Frische und An-mut und das, leider unvollständige, Maienpreislied des Stadeckers, eine Auf-forderung an die Jugend und an die kleinen Vögelein zu Freude und Sang,führt aus der Salonluft der Minnehuldigung in die freie Natur. — Der vierteder steierischen Lyriker, Der von Scharfenberg (2 Lieder), unterscheidet sichvon den vorhergehenden Minnedienern durch eine Nachahmung von Neid-harts Sommerliedern (Zwiegespräch zwischen Mutter und Tochter oder Ge-spielen). — Ob Der von Obernburg 2 (7 Minnelieder) aus dem steirischenOrt dieses Namens stammt, ist unsicher. — Ebenso ist die steierische Heimatdes Heinrich von der Mauer (Mure) umstritten; seine Gedichte (3 Liederund ein Spruch) sind geteilt zwischen Minne und weltflüchtiger Stimmung.
Zu einer engeren Gruppe des bayerisch-österreichischen Gebietes lassensich die Tiroler Minnesänger zusammenfassen. 3
Rubin, 4 aus einem Ministerialengeschlecht beiMeran, hat keine poetischeInnerlichkeit; wie blutleer ist sein Tagelied! wie wenig werden seine beidenKreuzlieder — er nahm wahrscheinlich an der Fahrt von 1227 teil — der hohenIdee gerecht! Sein zweites Kreuzlied benutzt er dazu, um am Schluß denFrauen die Lehre zu geben, keine drei Minnediener zu haben. Bei diesen spä-teren Dichtern ist überhaupt die Kreuzzugsbegeisterung verflogen (22 Liedersind von ihm erhalten).
Mehr Eigenart hat Walther von Metze 5 (Burg an der Etsch unterhalbBozen, urkundlich 1271). Zwar klagt auch er über verschmähte Minne ohnewirkliche Wärme, aber er führt eine kräftigere, zuweilen bildhafte Sprache.Er ist Verstandesmensch. Das alte Thema vom Streit zwischen Herz und Leib
zel, ZfdPh. 12, 250-3, Wilmanns, Lbl. 1880, bei Reinmar v. Zweter s. Roethe, Reinm. Reg.
321-3, Lambel, ZföG. 33, 1882, 215-28; S. 638; in der Novelle Der Schüler v. Paris:
Castle, Minnesang in Oesterreich, Merker- Rosenfeld, Novellenstud. S. 198.
Stammler Reallex. II, 574 ff. — Herrand: 1 Stadeck u. Suneck: Burdach, ADB. 35,
F. v. Krones, ADB. 12, 510-13; Kummer, 356-58 u. Reinm. 2 S. 386-88; ADB. 37, 157 f.
Das Ministerialengeschlecht von Wildonie, u. Reinm. 2 S. 389 f.
Arch. f. Österreich. Gesch. 59, 1879, 177-322; 2 Burdach, ADB. 24,102 u. Reinmar 2 S.420.
Schönbach, Anfänge des Minnesanges S.78ff., 3 J. V. Zingerle, Tirols Anteil an d. poet.
85 ff.; Kluckhohn, ZfdA. 52, 154 f.; Nadler, Nationallitt, im MA., Progr. Innsbruck 1851;
Lit.Gesch. der dt. Stämme l 2 , 1923, 162 f.; Kummer, Herrand S. 70 f.; Kluckhohn, Zfd.-
Piper, Höf. Epik 3, 410 ff. — Schröder, A. 52, 154 f.; Nadler S. 160 f.
Herrand v. Wildonie u. Ulrich v. Lichtenstein, 4 Ausg.: Jul. Zupitza, Rubins Gedichte
Gott. Nachr. 1923,33-62. — Bartsch, Lieder- 1867. — Bartsch, Liederd. Nr. LI; v. Kraus,
dichter: Scharfenberg Nr. LIV, Wildonje- Uebungsb. 2 S. 290; Roethe, ADB. 29, 432;
Nr. LVIII, Suneck Nr. LIX; Burdach aaO.; Roethe, Reinm. S. 178. — Wallner, Beitr.
Grimme, Alem. 22, 36-38. — Scharfenberg: 33, 524 ff.; Mohr, D. unhöf. Element S. 26 f.;
Mohr, D. unhöf. Element S. 71 f.; Rosen- Schneider, Beitr. 47, 255; Ders., Reallex. 2,
hagen, Merker-Stammler Reallex. 1, 209. — 138.
Mure: Grimme aaO. S. 38-40; Schulte, ZfdA. 5 Bartsch, Liederd. Nr. L; v. Kraus,
39, 225; Roethe, Reinmar S. 179. — Elise Uebungsb. 2 S. 292; Wilmanns, ADB. 21, 529;
Walter, Verlust auf d. Gebiet der mhd. Schönbach, ZfdPh. 5, 159-65; Roethe, Rein-
Lyrik, 1933, Österreich. Minnesang S. 35-54. mar S. 178 f.; Günth. Müller, Reallex. 2,
* Brecht, ZfdA. 49, 109. Verwandte Stellen 212.