Der Tannhäuser 265
di Hut tet höchgemuot 564, 1-8). Der Reie 431, 19 hat mit seinen kurzen, hüp-fenden Versen einen anderen Rhythmus. — Im Frauendienst hat Lichtensteinalle bis zu dessen Abfassung erschienenen Lieder (dcene), 58, aufgenommen(592,11 f. 19 ff.). Überliefert sind sie außerdem in der Hs. C, einige in A.
Nach dem Frauendienst verfaßte Lichtenstein das Frauenbuch, 1257,im Dienste und als Verherrlichung seiner zweiten Dame. Es schließt sich inseiner lehrhaften Tendenz an die Richtung an, die das frühere Werk gegenEnde angenommen hat. Derfrowen puoch 660, 23 (etwa 1065 in der Mehrzahlstumpf endende, vierhebige Reimpaare) ist eine Minnelehre in Form einesStreitgespräches zwischen einem Ritter und einer Dame über den Verfall derhöfischen Zucht, wobei jeder Teil dem andern den eingerissenen Mangel anhöfischer Sitte bei Männern beziehungsweise bei Frauen vorwirft. Zur Schlich-tung des Streites wird der dazukommende Dichter aufgefordert und er ent-scheidet dahin, daß die Männer die größere Schuld tragen.
Der Tannhäuser
Auf die Frage, wer war der Tannhäuser, 1 ist keine sichere Antwort zu geben.Ob er einem Ministerialengeschlechte von Tanhüsen, das im Salzburgischenund in Bayern urkundlich vorkommt, angehört, oder ob er seinen Namen voneinem Orte Tannhausen trägt, deren es mehrere gibt: jedenfalls war er einSänger von Gewerbe, ein Fahrender und Gehrender und auf die Gunst derHerren angewiesen. Als Hofdichter hat er bei Herzog Friedrich dem Streit-baren von Österreich, dem er einen langen Preis widmete (Nr. I) und dessenTod er beklagt (Nr. XIV, 28 ff. 37 ff.), gute Tage verlebt, aber nach dessenAbleben verlor er seine Lehengüter und mußte wieder zum Wanderstab grei-fen. Nach den Lebensdaten der von ihm gepriesenen Fürsten lassen sich etwadie Jahre 1230-70 als Zeit seines Auftretens bestimmen.
Er ergötzt die Hofgesellschaft durch die ländliche Szenerie wie Neidhart,unterscheidet sich aber von diesem, von dem er überhaupt nur wenig beein-flußt ist, dadurch, daß er nicht die verhaßten Bauern verspottet, sondern sichmit dem Volke an der harmlosen Tanzlust freut. In seinen vier Tanzleichen
1 Lit. Ausg.: Singer, 1922, dazu Schröder, 64-7; Wallner, T.s Rätselspruch u. Toten-
Anz. 41, 190 f., Rosenhagen, ZfdPh. 51, 351 klage, ZfdA. 64, 81-3; Schneider, Beitr. 49,
-53, Singer, ZfdA. 59, 290-304, Günther 431 f.; Günth. Müller, ZfdA. 60, 47 (Stro-
Müller, Dt. Vjschr. 5, 121. — Bartsch, phenbindung); Ders., Reallex. 2, 214; Schnei-
LiederdichterNr. XLVII; Burdach, Reinmar der, ebda S. 138 f.; Rosenhagen, ebda 1,
S. 130; Roethe, Reinm. S. 317; Ders., ZfdA. 209; Brinkmann, Dt. Vjschr. 3, 639; Ders.,
30, 419; R.M.Werner, ebda 31, 363 f.; Wesen u. Form, Reg. S. 193; Moll S. 109-13;
Kück, Anz. 17, 19; J. Siebert, Tannh., In- W. Sandweg, Die Fremdwörter bei Tannh.,
halt u. Form seiner Gedichte, 1894; Kummer, Köln. Diss. 1931, dazu Piquet, Rev. germ.
Herrand S. 67 f.; Kluckhohn, ZfdA.52,152f.; 23, 1932, 266 f.; — Stellen: Strauch, Enikel,
Mohr, Das unhöf. Element S. 60-8. — Max Anm. zu V. 13511, 13807, 16605; Suolahti,
Fürst, Zur Heimatfrage T.s, 1910; Otto Mem. de la soc. neo-phil. de Helsingfors 6,
Denk, D. Minnes. T. u. s. Heimat, Das Bayer- 1919, 109 ff.; Werner Lennartz, Die Lieder
land 28, 1917/18; Friedr. Reischl, D. Buch u. Leiche Tannhäusers im Lichte der neueren
von d.schönen Stadt Salzburg, 1923, S.134-47. Metrik, Köln. Diss. 1932; Melodien: Rottau-
- Loewenthal, Stud. z. germ. Rätsel, 1914, scher (s. ob.).