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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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Neidhart von Reuental 261

Die Person des Dichters wurde im 14. Jahrhundert ins Sagenhafte gestei-gert. 1 Man machte denBauernfeind", den man nun Neidhart Fuchs nannte,zu einem Spaßmacher, der am Hofe Ottos des Fröhlichen in Wien (f 1339)seine Schelmenstreiche zum besten gab, die er den Bauern spielte, von denener aber auch andrerseits geprellt wurde. Im 14. und 15. Jahrhundert gab eseine beliebte Gattung der Neidharte. Das SchwankbuchNeidhart Fuchs"(14./15. Jahrhundert), eine Sammlung von Neidhartschwänken in Liedform(3942 Verse), existiert in drei Drucken (Ende des 15. Jahrhunderts, 1537 und1566). Auch Neidhartsdramen desselben Inhalts gab es im 14./15. Jahrhundert,so ist das Spiel von Neidhart mit dem Veilchen das erste deutsche Fastnacht-spiel. Und im 15. Jahrhundert ist Neidharts Nachwirkung lebendig in denLiedern des Hans Hesseloher und in Wittenweilers Ring.

Die neue Zeitströmung des Naturalismus im Minnesang, die Neidhart ein-führte, hat in der Folge stark auf die Lyrik eingewirkt. Die stofflichen Merk-male Gespräch zwischen Mutter und Tochter oder zwischen Gespielinnen,die Bauernszenen kennzeichnen die unmittelbaren Nachahmer Neidharts:Scharfenberg, Hohenfels, Stamheim, Goeli. Aber diehöfische Dorfpoesie"erschöpft sich in Neidharts Lyrik nicht, eine ganz andere Stellung zumVolke''nehmender Tannhäuser und Winter st etten, dazu auch Kilchberg,ein:ihren Volkstanzgesängen liegt gerade die Neidhartsche Würze der Bauern-verspottung fern, auch haben sie nicht jene stofflichen Merkmale Neidharts.Eine dritte Gruppe ist ebenfalls von Neidhart zu trennen :Neifen, Friedrichder Knecht, Kol von Neunzen, der Taler, Joh. von Brabant be-schränken ihreunhöfischen" Lieder im wesentlichen auf die niedere Minne,die in die Bildungsstufe der Pastourelle herabsteigt und Tanz und Reigengar nicht oder nur äußerlich berührt. Den Schluß in der unhöfischen Lyrikmachen Steinmar und Hadlaub mit neuen naturalistischen Motiven, zudenen sich Buwenburg und Wizlav gesellen. Ganz direkt und nicht mehrbloß parodistisch verwerfen den Minnesang Geltar und Gedrut.

Da die auf Walther und Neidhart folgende Lyrik auch zeitlich keine grund-sätzlichen Wandlungen durchgemacht hat, so teilt man die Dichter, um die

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