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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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Walther von der Vogelweide 249

die Gunst dem Künstler, und hier lebte er in einer gleichgestimmten Gesell-schaft, hier traf er mit Wolfram zusammen, 1202 oder 1204 (L. Wolf f, ZfdA.61, 188 ff.) und verweilte wohl auch noch später mehrmals dort, er darf sichzu dem ingesinde des Landgrafen rechnen (35, 7). Für das geräuschvolleTreiben und Zechen der unhöfischen Soldateska am Hofe hat er bittere Worte(20, 4), worin ihm Wolfram beistimmt (Thüringer Sprüche: 20, 4. 35, 7.105, 13, auch 103, 13. 29, an Hermanns Nachfolger Ludwig den Heiligen85, 17. Zwei Spottsprüche auf Herrn Gerhard Atze, der Walther ein Pferd er-schossen 82, 11. 104, 7). Auch bei dem Markgrafen Dietrich von Meißen,dem Schwiegersohn des Landgrafen Hermann, hat sich Walther aufgehalten(nach 1210) und ist dort wohl mit Heinrich von Morungen zusammengetroffen(105, 27. 106, 3, s. auch 12, 3. 18, 15). Einige andere persönliche Sprüchestehen vereinzelt: Herzog Ludwig vonBaiern dankt er für huldvollenGruß (18, 15); zwei etwas gereizte Sprüche sind an den Herzog Bernhardvon Kärnten gerichtet (32, 13. 27); in dem Spruch auf die preiswürdigenHöfe (34, 34) rühmt er außer dem Herzog Leopold von Österreich dessenVetter (Oheim) Herzog Heinrich vonMödling und den Patriarchen(von Aquileja); dem Erzbischof Engelbert von Köln, dem Reichsver-weser, widmet er einen Preisspruch und nach seiner Ermordung (8. November1225) eine Totenklage (84, 22. 37. 85, 9). Zwei Preissprüche gelten dem Gra-fen von Katzenellenbogen (80, 27. 35), ein Scheltspruch demKlosterTegernsee wegen seiner Ungastlichkeit (104, 23).

Dichten war für Walther eine ernste, zu sittlichen Zielen leitende Aufgabe.Da mußte er es erleben, daß sich unhöfischer, zuchtloser Sang an die Höfedrängte, und da galt es, für die Würde der Kunst einzutreten. Der Angriffeines mißgünstigen Kunstgenossen, eines Herrn Wicman, wird vernichtendabgefertigt (18, 1), ein anderer, Stolle, wie es scheint ein unhöfischerFahrender, gelegentlich gestreift (32, 7). Am schärfsten aber wendet er jsich im allgemeinen gegen eine neue, niedrigere, von den Bauern gekom-mene Richtung (64, 31), mit der er wohl die höfische Dorfpoesietreffen will (Burdach, Reinm. S. 169 ff.; Ders., Walther S. 100 f.; See-müller, Prager dt. Stud.8, 337). Welch erhebende Worte findet er gegen-über solchen Entartungen für die edele kunst in der Klage um den dahin-geschiedenen Reinmar, den einstigen Nebenbuhler (82, 24), dessen^er sancnun verstummt ist!

Als Spruchdichter hat Walther ein viel weiteres Feld als das der zeitgebun-denen staatlichen und persönlichen Interessen: er ist ein Lehrer allgemein-gültiger Werte, der Sittlichkeit und Religion. Hierher gehört die andereHälfte seiner Sprüche, man kann sie unter dem gemeinsamen, aber dehnbarenBegriff der lehrhaften, didaktischen Dichtung zusammenfassen. Der lehr-hafte Zug ist ein wesentlicher Bestandteil in Walthers Veranlagung, auch inseinen Liedern gerät er leicht in eine moralische Betrachtung über gute Sitte,Tugenden, rechte Minne u. a. So gibt er auch in Liedern Lehren für die Jugend