Walther von der Vogelweide 247
nicht sicher zu bestimmen. Vogelweide, ein Flur- und Ortsname, ist eineStelle, wo Vögel weiden, d. h. ihre Nahrung finden, auch als Jagdvögel ge-füttert und zur Jagd abgerichtet wurden. Etwa 14 solcher Plätze sind nach-gewiesen. Walther gehörte wohl dem niederen Adel an, einem Dienstmannen-geschlechte, das sich nach dem von ihm innegehabten Lehen, dem Vogel-weidhof, benannte. Als sein Heimatland ist am ehesten das eigentliche Öster-reich anzusprechen. 1 Jedenfalls war Österreich das Land seiner ersten dichte-rischen Lehrjahre, 2 dort hatte er die Anregungen für seine Kunst empfan-gen: in Österrtche lernte ich singen unde sagen 32, 14. Um 1190 mag er seineLaufbahn als Dichter begonnen haben. Um 1185-95 war Reinmar Hofdichterin Wien, neben ihm trat Walther auf, was dann zu einem gespannten Verhält-nis führte (s. oben Reinmar). Herzog Friedrich VI., 1194-98, war ihm gewogen,aber mit dessen Tode waren für ihn die glücklichen Jahre am BabenbergerHofe zu Ende, mit dessen Nachfolger, Leopold VII, 1198-1230, kam er inkein rechtes Verhältnis, und das Jahr 1198 bildete einen Wendepunkt inseinem Leben und seinem Schaffen, aus dem sichern Heimatboden entwur-zelt wurde er ein fahrender Mann, nach dem Glücke wandernd in weitenLanden, deren Grenzen er selbst umschreibt: von der Seine bis zum Meer,vom Po bis an die Trave (31, 13). Aber immer zog es ihn nach Österreichzurück, und der wünnecliche hof ze Wiene(M, 10) war seine lange Sehnsucht,und wenn er auch dort keine bleibende Stätte mehr gefunden hat, so war erdoch vorübergehend auch von Leopold günstig aufgenommen (Sprüche anLeopold: 20,31.24,33.25,26.28, 11.31,33.32,7.34,34.35,17.36,1.81,1.14).Von Wien geschieden wandte er sich zum König selbst, Philipp vonSchwaben 1198-1208 (Sprüche, die König Philipp betreffen: 8, 4. 28. 9, 16.16, 36. 17, 11. 18, 29. 19, 5. 17. 29. 25, 11). Jubelnd verkündet er: mich hatdaz riche und ouch diu kröne an sich genommen (19, 29), er war anwesend beider ersten Krönung Philipps in Mainz am 8. September 1198 (18,29) und beimWeihnachtsfest in Magdeburg 1199 (19, 5); ein Abglanz seines lyrischen San-ges liegt über diesen beiden Sprüchen. Aber schon war der Grund gelegt zuder unseligen Wendung, die die Geschicke Deutschlands für die ganze Zu-kunft unheilvoll gestaltete, der Zusammenstoß zwischen Papsttum und Kai-sertum: „Da hob sich der größte Kampf, der je seitdem gewesen, als sich zuentzweien begannen die Pfaffen und die Laien, das war ein Not vor aller Not(9, 16), die pfaffen wellent leien reht verkeren (25, 11). Deutschland aber littschwer unter inneren Kämpfen, unter der Zwietracht, die durch die Doppel- jwähl Philipps und Ottos die Fürsten in zwei feindliche Parteien spaltete. Da \trat Walther mit der Macht des Wortes in die Politik ein. Seine erstenKundgebungen sind die drei „Reichssprüche" 8, 4. 8, 28. 9, 16. Der tiefste
1 Am liebsten hat man den Vogelweidhof 2 Der Reim verwarren : pfarren 34, 18 ist
oberhalb der Eisack in Tirol für seine Heimat allerdings kein unumstößlicher Beweis für
angesehen, und in Bozen wurde ihm im Jahr österreichischen Dialekt: Zwierzina, ZfdA.
1889 durch Sammlungen in ganz Deutschland 44, 313.
ein sinnvolles Marmorstandbild errichtet. „