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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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246 Die lyrische Dichtung

Hss.: Lachmann S. VIII ff.; Wilmanns-Michels Ausg. 4 S. 13 ff.; v. Kraus, Waltherfor-schung aaO. S. 257-60; eine neue Waltherhs. hat Degering in der Berliner Bibl. gefunden 1931 ;A. Römer, Entdeckung einer neuen Walther-Hs., Zentralbl. f. Bibliothekswesen 48, 1931, 10;v. Kraus, Berliner Bruchstücke einer Waltherhs., ZfdA. 70, 81-120; Ders., Die Bedeutung vonWalther-Funden, Münchn. Neueste Nachr. 8. Jan. 1932.

Wie aus einem wohlgepflegten Treibhaus in eine weite Landschaft vollreichen Lebens tritt, wer von Reinmar zu Walther von der Vogelweidesich wendet. Kein anderer Minnesänger entfaltet eine solche Fülle von Er-lebtem, eine solche Mannigfaltigkeit von Gedanken und Eindrücken. Er istder erste Dichter adeligen Standes, der außer dem ritterlichen Minnesang auchdie bürgerliche Spruchdichtung gepflegt hat, seine Poesie gibt sein eigenesSelbst wieder als Lebens- und Weltanschauung von der Jugend bis zum Alter,vom Minnedienst bis zur Abkehr von der Welt, vom Genießen zum Entsagen.

Über sein Leben 1 ist urkundlich nur eine Nachricht auf uns gekommen:in den Reiserechnungen des Bischofs von Passau Wolfger von Ellenbrechts-kirchen, späteren Patriarchen von Aquileja, findet sich unter den Ausgabender Reise von Passau nach Wien die Notiz, daß dem Sänger Walther von derVogelweide, Walthero cantori de Vogelweide, 5 solidi zur Beschaffung einesPelzrocks geschenkt wurden; solches geschah am 12. November 1203 in demaus dem Nibelungenliede bekannten Zeisenmüre, Zeiselmauer an der Donauoberhalb von Wien. Von den Zeitgenossen und Nachfahren wird Walther mehr-fach erwähnt: 2 von Wolfram im Parz. 297, 24, Willeh. 286, 19 (LG. II, 2,216. 221 f. 277); von Gotfrid, Trist. 4796; in dem Nachruf Ulrichs von Sin-genberg (Lachm. 108, 6, s. auch 119, 11); vom Marner (ed. Strauch S. 113V. 273; Hugo von Trimberg hat den denkwürdigen Spruch auf ihn geprägt:her Walther von der Vogelweide, swer des vergeze, der Ute mir leide (Renner1188). Auf den ganzen folgenden Minnesang hat er entscheidenden Einflußausgeübt, oft wurde er nachgeahmt, zu seinen unmittelbaren Schülern sindUlrich von Singenberg, Leuthold von Seven und Rubin zu rechnen. Die Mei-stersinger ehrten in ihm einen ihrer zwölf Stifter. 3

Walthers Sprüche. In seinen Liedern und besonders in seinen Sprüchenhat Walther eine Fülle äußerer Erlebnisse und innerer Erfahrungen nieder-gelegt, die zusammengefaßt in den hauptsächlichen Umrissen ein ausdrucks-volles Bild seines Lebens und Dichtens ergeben. 4 Sein äußerer Lebenslaufläßt sich an der Betrachtung seiner Sprüche verfolgen. Seine Heimat ist

1 Wilmanns-Michels, Leben W.s S. 61-184; f.; Schönbach-Schneider S. 200 ff.; Plenio,Paul, Einl. zu s. Ausgabe. Ortner, D. Name Beitr. 42, 463 ff.

W.s v. d. V., Münchn. Mus. 4, 1923, 230; Wil- 4 In den Liedern ist Walther der romantische

helm, Zur Frage nach d. Heimat Reimars des Minnesänger, so ist sein Bild von Uhland und

Alten u. Walthers v. d. V., Münctui. Mus. 3, seiner Zeit aufgefaßt. Seine eigentliche Natur

1-15. 231. Halbach aaO. S. 103 ff.; C. v. aber äußert sich in der Kraft, und diese löst

Kraus, Das äußere Leben Walthers v. d. V., sich aus in dem Eingreifen in die großen poli-

Bayerland 41, 1930, 130-36. W. Grimm tischen Zeitereignisse, also in den Sprüchen,

hielt Walther auch für den Verfasser von Frei- Über das Waltherbild Uhlands und das der

danks Bescheidenheit, s. unterFreidank". Gegenwart: H. Naumann, Das Bild Walthers

2 Siehe Mhd. Wb. III, 553, auch 478. v. d. V. 1930.8 MSH.4, 182 ff.; Burdach, Walther S.113