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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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242 Die lyrische Dichtung

wort an den Ritter 186, 19; Wechsel 171, 32; die Totenklage 167, 31. Die aufeine Kreuzfahrt Bezug nehmenden Lieder 180, 28. 181, 13 sind ihm abzu-sprechen. Einmal ist ein provenzalisches Lied benutzt. Die rhythmischeFormgebung und Reimweise entspricht den künstlerischen Grundsätzen desDichters: sorgfältige Einzelausführung ohne Künstelei. 1

Hartmann und Wolfram

In der zeitlichen Entwicklung des Minnesangs folgen Hartmann undWolfram, die schon in LG. II, 2, 147-50 u. 295-97 besprochen sind. Hart-mann führt weit hinaus über Reinmar, er huldigt zwar in der Mehrzahl dererhaltenen Lieder dem herkömmlichen Minnekultus, aber ein höheres sitt-liches Pflichtbewußtsein ist ihm mit dem Tode seines Herrn und mit derKreuzzugsbegeisterung aufgegangen. Im Gegensatz zu den Minnesingern, dienur einem Wahne nachjagen, ergibt er sich einer höheren, beseligenden Minne.Wolfram mit seiner unbegrenzten Phantasie und glühenden Sinnenkraft istder Meister des Tageliedes und hat diesem durch Einführung einer drittenPerson, des Wächters, eine reichere dramatische Ausstattung gegeben.

Spervogel

Der Anfang der mittelhochdeutschen Spruchdichtung als überlieferterLiteraturgattung ist geknüpft an den Namen Spervogel. 2 Aber unter diesem'sind in den Handschriften zwei verschiedene Dichter zweier aufeinanderfol-genden Generationen vereinigt; bloß der zweite, in den Hss. aber (und dem-entsprechend in MF.) an erster Stelle stehende (MF. 20, 1-25, 5) kann auf denNamen Spervogel Anspruch erheben, der ältere (MF. 25, 13-30, 34) wirdvon den Germanisten meistens Herger genannt, indem man diesen in einemSpruch vorkommenden Namen (26, 21) für eine Selbstzitierung des Dichtershält (über die hier in Frage kommende syntaktische Form s. C. Kraus,Dt. Gedichte des 12. Jahrhunderts, 1894, 196). Da aber die Identität jenesHerger mit dem Dichter selbst keineswegs erwiesen ist, nennen ihn andereSpervogel Anonymus" (Scherer),Spervogel I" oderälterer Spervogel".Man spricht auch von einer Spervogel-Sippe, weil in den Hss. (A C) nocheine dritte Strophenreihe folgt, die in der Hs. A die Überschriftder jungeSpervogel" trägt. Beide Dichter waren bürgerliche Fahrende, 3 die von derGunst der Herren lebten, an deren Höfen sie Aufnahme fanden, beidewaren oberdeutscher Herkunft, aber genauer ist ihre Heimat nicht zu be-stimmen.

1 v. Kraus, Die Lieder II, 43 ff.; Plenio, s. auch: Rodenwaldt, Die Fabel in der dt.Beitr. 43, 90 ff.; Heusler 2 pass.; bes. S. 321. Spruchdichtung, Progr. Berlin S. 9-11; Pan-

2 Vogt 3 S. 284-305; Bartsch, Liederd. zer, Freiburger Münsterblätter 2 H. 1 S. 17S. XXXV f. XLIVf.; Piper, Spielmanns- u. Anm.; Singer, Die religiöse Lyrik d. MA.sdichtung 1, 315-28; Wilmanns-Michels, Le- 1933, 82-85. Name: Strauch, Beitr. 53,ben W.s S. 395. Später: Ehrismann, Festschr. 464.

Jellinek 1928 S. 7-21.Stellen: Ehrismann, 3 H. Naumann, Dt. Vjschr. 2, 791, denktZfdPh. 33, 401 f.; Helm, Beitr. 47, 158-60 u. vielmehran Ministeriale, jüngere Söhne desZfdA. 69, 122 f. Zu Vogt 27, 13 ff. u. S. 298 f. niederen Landadels".