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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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238 Die lyrische Dichtung

Nachwirkung war nicht tiefgehend, nur für spätere thüringische Dichter warer vorbildlich. 1 Aber die Sage 2 hat seinen Namen durch die Jahrhunderte er-halten, und in einem späten Spielmannsliede aus der Mitte des 15. Jahrhun-dertsVom edelen Möringer" ist er zum Helden der Heimkehrsage geworden(LG. II, 2,128). Seine Sprache ist nicht mundartlich, sondern dem mittelhoch-deutschen Gemeintypus angepaßt und nur etwas mitteldeutsch gefärbt.

Morungen besaß von Natur die Anlagen zum Dichter: Phantasie, erregbaresGefühl und leidenschaftliches Temperament, lebhaftes Sinnesempfinden fürdie Außenwelt und vergegenwärtigende Anschauungskraft. Die Kunst ist ihmErlebnis, und er besaß ein hohes Künstlerbewußtsein, singen, sanc kehrt im-mer wieder. Aber sie ist ihm in erster Linie Formgebung, in der Darstellungäußert sich die Stärke seiner Begabung, in dem Wie, nicht in dem Was. DerInhalt bewegt sich in den konventionellen Schranken des höfischen Minne-sangs mit typischen Grundzügen von unerwidertem Dienst, der keinen Lohnfindet, daher das übliche Trauern und Klagen und das Schwanken zwischengehobener und gedrückter Stimmung. Auch hat er dem Minnebegriff keinenneuen Gehalt gegeben, er hat ihn nicht wie Johannsdorf zu sittlicher Bedeut-samkeit erhoben, auch nicht wie Hausen den Zwiespalt zwischen Minne undGottespflicht empfunden. Seine Lieder sind erdgebunden, sind reine Gesell-schaftskunst. Einmal allerdings versteigt er sich, den Minnedienst ins Jen-seits hineinzutragen, dort wird seine Seele der Seele des reinen Weibes dienen147, 10, an Stelle des Herzens ist hier die Seele, das Unsterbliche, getreten.Aber das ist nicht eine Erhebung der irdischen Minne zur himmlischen Liebe,sondern umgekehrt, ein Herunterziehen des Heiligen ins Weltliche. DieStrophe klingt fast wie eine Profanierung von Matth. 10, 28. Zuweilen milderter die Klage über das Mißgeschick seines Minnedienstes durch eine optimi-stische Aussicht (126,31.129, 11), und das eintönige Minneklagen unterbrichterfrischend ein Jubelsang, den er anhebt über ein ersehntes Wort aus ihremMunde 125, 19. Seine Dame ist eine kalte Schöne, an die er ein reiches Ge-mütsleben verschwendet. In das Verhältnis zu der Dame spielt die Umgebunghinein und die Aufsässigkeit der Hofgesellschaft (Aufpasser, Verleumder 131,9. 17. 131, 26. 133, 16. 137, 4. 143, 17. 140, 12), die ihm viel Verdruß bereitet.

Das Bild seines Minnelebens, das sich so aus seinen Liedern ergibt, trägtdie Züge des üblichen Schemas, aber es ist in einem ganz außergewöhnlichenReichtum der Töne und in einzigartiger Farbenpracht ausgeführt. Das ist dieEigengabe dieses Lyrikers, daß er das Leben nicht nur in seinem Innern emp-findet, sondern daß er zugleich die Welt sinnenhaft mit Augen schaut. Er re-flektiert wohl über die Schönheit und Tugend der Geliebten, aber er siehtsie auch leibhaftig vor sich (133, 37. 136, 38. 145, 7 ff). Diese seine Kunst zu

1 Gottschau S. 402 ff.; Roethe, Reinmar 1901, 42 ff.; Bolte-Poli'vka 3, 522; Rostock,S. 177; s. auch H.-Fr. Rosenfeld, Mhd. No- Dichterheldensage S. 4-8; Schneider, Fest-vellenstud. S. 367. Schrift Ehrismann 1925 S. 112 ff. Siehe LG.

2 Die Sage (Heimkehrsage): Vogt 3 S. 383. II, 1,56 Anm. 5.128 Anm. 4 u. in diesem Band407; Mone, Diözesanarchiv f. Schwaben 19, oben.