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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
Entstehung
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Friedrich von Hausen 229

Mundartformen entfaltet er die Lieblingsgedanken und -empfindungen desMinnesängers, Preis und Huldigung der Frau, Minnesorgen und -klagen, Re-flexionen über den verliebten Zustand. 1

Viele seiner Lieder tragen den Stempel des Gemachten und sind kühle Ge-dankenarbeit mit Minnedialektik. Die Natur läßt er nicht mitsprechen. Dochbringt zuweilen ein sehnsüchtiges Gedenken des von der Heimat fernen Man-nes an die Geliebte und die Freunde einen wärmeren Ton persönlichen Er-lebens in seinen Sang, so 43, 1 und 45, 1. Und die Minne erhebt er überdie sinnliche Sphäre, indem er sie als ein Geschenk Gottes ansieht 50, 19.51, 13 und die Schönheit und Güte der Dame als Gottes Werk preist 44,21. 31. 49,37. Charakteristisch für Hausens Stilisierung des Minnegedan-kens ist z. B. das Huldigungslied 42, 1: es beginnt mit der Erinnerung anein Salongespräch, das er einmal mit der Dame führte, worin sie ihr ge-genseitiges Liebesverhältnis mit dem des Aeneas und der Dido verglichenhatte; 2 die zweite Strophe zeigt den Dichter in Minnegedanken und -sor-gen, die dritte erhebt sich zu einem Bilde und schließt mit der Versicherungder stcete; alle drei Strophen aber sind gebunden durch Wiederholung desSchlagwortes elliu wip, in welchem das Grundmotiv des Liedes zusammen-gefaßt ist: sie geht mir über alle andern Frauen {für alliu wip auch 43, 14.54, 34).

Kräftig in der trotzigen Sprache ist der Wechsel 48, 32, sein einziger;wirksam knapp sind die zwei Einzelstrophen: das entschwundene Traum-bild 48, 23 und dasEpigramm auf zurückbleibende Kreuzfahrer" 53, 31. 3

Aber Hausens neue dichterische Tat liegt nicht allein in der Vollendung derForm und in der Verhöfischung des Minnebegriffs, sondern viel bedeutungs-voller ist es, daß er eine neue Idee in die Lyrik eingeführt hat, die Erhöhungder Frauenminne zur Gottesminne. 4 Die Kreuzzugsstimmung ist ihm zum inne-ren Erlebnis geworden. Sie birgt in sich die letzte Antithese des sittlichen Seins,Welt und Gott. In der Standesdichtung des Minnesangs lautet die Aufgabefür den Kreuzritter: Ausgleich zwischen Frauenminne und Gottesminne, unddie Lösung Hausens ist: Gottesdienst geht vor Frauendienst. Dies ist derGrundgedanke in dem Lied 45, 37, in wörtlicher Gegenüberstellung aus-gesprochen : Einer frowen was ich undertän, diu äne Ion min dienest nam nuwil ich dienen dem der Ionen kan 46, 29. 38 und 47, 7 f. Es ist gradualistischeAntithese, nicht absolute.

abweichend Baumgarten, ebda 26, 105^15; Vossler, Bernh. v. Ventadorn S. 134; Schwie-

Reinh. Becker, Germ. 28, 272-96; dagegen tering, ZfdA. 61, 78; Brinkmann, Ent-

Paul, Beitr. 2, 443-50; s. Vogt S.326f.; stehungsgesch. S. 138.

Rosenhagen, GRM. 4, 382. Wilmanns- 3 Scherer, Dt. Stud. II 46 [53]. Die Trutz-

Michels, Leben W.s S. 222 f.; Reihenfolge des Strophe 47, 33 gehört nicht zum vorhergehen-

Sammlers: Schneider, Beitr. 47, 240-42. den Kreuzlied (Vogt 3 S. 331), steht also ein-

1 Die Motive des Inhalts bei Hausen: Leh- zeln (Scherer aaO.).

feld S. 383 ff. Stil: Burdach, Reinm., 4 Günther Müller, Dt. Viertelj. 1, 77;

Reg. S. 232; Schissel v. Fleschenberg Brinkmann, ebda 3, 623 ff. u. bes. Ent-

S. 101-03. stehungsgesch. S. 132 ff.

2 Bartsch, Albrecht v. Halberstadt S. XXI;