228 Die-lyrische Dichtung
Veldeke und ihre Zeitgenossen (etwa 1170-90) steigt diese Kunst zum Höhe-punkt in Reinmar und Walther. Der Typus ist vollendet, es treten die Epi-gonen ein, zugleich aber auch eine ganz neue Richtung, eine Parodie geradezuauf die überschwängliche Verhöfischung, die Dorfpoesie.
Der so stark unter romanischem Einfluß stehende Minnesang der Blütezeitunterscheidet sich von der frühromanischen Lyrik durch den Reichtum anFormen, indem sich das Lied über mehrere Strophen erstreckt, die in ihrerDreigliedrigkeit überaus mannigfaltig gebaut sind; und durch die weitereAusspinnung der Gedanken und Reflexionen (Wesen und Inhalt dieses hoch-höfischen Minnesangs ist oben im Allgemeinen Teil behandelt).
Friedrich von Hausen
Am Eingang dieser neuen in Form und Gedanken verfeinerten Hofkunststeht ein Dichter, der gesellschaftlich und politisch einen hohen Rang ein-genommen hat, Friedrich von Hausen. 1 Über keinen Minnesinger besitzenwir so genaue urkundliche und chronikalische Nachrichten. Sie gehen von1171-90. Er gehörte einem mächtigen freiherrlichen Geschlechte an, dessenStammsitz bei Kreuznach lag. Wie sein Vater, der von dem sog. Spervogel(Anonymus) als Gönner der Fahrenden gerühmte Walther v. Hausen, stander in nahen Beziehungen zum Kaiser, zu Friedrich I., 1175 und zehn Jahrespäter 1186. 1187 machte er die erfolgreichen Züge in Italien mit, das zweite-mal in der Umgebung des jungen Königs Heinrich VI. 1189 fand der Dichterden Tod des Helden auf dem Kreuzzug Barbarossas, ein halbes Jahr vor demTod seines kaiserlichen Herrn: in dem Gefechte bei Philomelium, 5.Mai1190, verunglückte er durch einen Sturz vom Pferde. Sein Dichterruhm istauch im Gedächtnis der Späteren erhalten geblieben. 2
Friedrich v. Hausen hat die galante Poesie im Minnesang begründet, diesen„romantischen Idealismus des höfischen Liedes", 3 nach dem Muster der ro-manischen Lyrik. Unmittelbare Nachahmungen finden sich jedoch wenigebei ihm; eine Strophenform Bernhards v.Ventadorn hat er übernommen48,32, Form und Motiv des Liedes 45, 37 von Folquet v. Marseille, des Kreuz-liedes 48, 9 von Conon de Bethune. Auch die daktylischen Rhythmen desLiedes 43,28 (H e u s 1 e r, Versgesch. 2,220) deuten auf romanische Anregung.
Seine Minnelieder 4 stehen auf der Höhe des rein höfischen Tones, in ge-wandter Sprache — jedoch mit vielen Reimfreiheiten und rheinfränkischen
1 Vogt 3 S. 324 ff.; Bartsch, Liederd. 4 Melodien (s. oben unter Musik) S. 24 ff.; Lan-
S. XXXVIII-XL.; v. Kraus, Übungsb. 2 genbucher, Gesicht des Minnesangs, 1930,
S. 290 f. — Wilmanns-Michels, Leben W.s 26-31; Korn, Freude u. Trüren 42 ff.; Schrö-
S. 45 f.; Brinkmann, Dt. Viertelj. 3, 624-26; der, Kleinigkeiten zu Fr. v. Hausen, ZfdA. 69.
Ders., Entstehungsgesch. S. 131-40; Schnei- 301 f.
der, Merker-Stammler Reallex. 2, 138 f.; 2 Nachrufe: Bartsch, Ld. S. XXXIX; Leh-
K. Korn, Stammlers Verfasserlex. 1, 682-88. feld, Beitr. 2, 350.
— Stellen: Wolfram, Kreuzlied, ZfdA. 30, 3 Plenio.
89 ff.; Ehrismann, ZfdPh. 33, 402; Singer, 4 Müllenhoff, ZfdA. 14, 133-43 nimmt drei
Beitr. 44, 432 ff.; Wallner, ZfdA. 64, 88 f.; Liederbücher an, deren einzelne Töne in chro-
Patzig, ebda 65, 142-44; Gennrich, Sieben nologischer Ordnung aufeinander folgen; etwas