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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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Meinloh von Sevelingen. Kaiser Heinrich 227

Meinloh ist nicht ursprünglich dichterisch veranlagt, ihm fehlt Phantasieund Anschauungskraft. Auch Beziehung zur Natur, die dem Minnesang sozarte Farben gibt, liegt ihm ferner (doch 14, 1). Seine Kunst ist überlegt, siehält sich, auch stilistisch, 1 in konventionellen Formen, wobei jedoch sinnlichesEmpfinden unverblümt hervorbricht. Hinter Dietmar steht er an poetischerBegabung und an Vielseitigkeit der Gedanken und der Formgebung zurück.

Kaiser Heinrich

Unter dem Namen Kaiser Heinrich 2 sind drei Lieder überliefert. Dasbei ihrer Erklärung herrschende Problem ist die Verfasserfrage: ist einKaiser, ist Heinrich VI. der Dichter? Sie wird gegenwärtig von der über-wiegenden Mehrheit der Forscher bejaht. Das Lied 5, 16 läßt sich schwer alsIllusion eines Dichters denken, der sich in die Rolle eines Kaisers hineinversetzt,da das Thema als Grundvorstellung sich durch drei Strophen 5, 22 ff. durch-zieht und somit als reale Unterlage für den Empfindungsgehalt erscheint. 3

Die drei Lieder gehören zwei zeitlich verschiedenen Stiltypen an. Die zweiWechselstrophen 4, 17 4 und die zwei Tageliedstrophen 4, 35 sind Abwand-lungen der alten, paargereimten Langzeilenstrophe, das Tagelied mit künst-licherer Reimbindung. Dagegen kommt in dem ersten Lied schon die neueromanische Kunst völlig zum Durchbruch: ein Lied von vier innerlich zu-sammenhängenden Strophen, die durch zwei Stollen und den Abgesangdie romanische Dreiteilung haben, dazu in dem ebenfalls der Trubadurlyrikentstammenden gemischt daktylischen Versmaß. 5 Es ist das erste Minneliedin Daktylen. Hier ist der Übergang von der früheren zur voll romanisierendenStufe gemacht, und damit hat dieses Lied literaturgeschichtliche Bedeutung.

In keinem der drei Stücke wirbt der Dichter um den Dienst in einer derälteren Strophen ist die Fraugeselle" 5, 7; auch ist die Natur ausgeschlossen.Eine individuelle Färbung hat das vierstrophige Lied durch die Beziehungenauf die Machtstellung, die kröne, aber wie sonst geht es um kumber oder fröude.

DIE DRITTE STUFE

Die volle Entwicklung erreichte der Minnesang in der dritten Stufe. Jetztist die Kunst der Trubadur absolutes Muster. Dieser romanisierendeMinnesang, die welsche Richtung, ist die Blütezeit. Über Hausen und

1 Stil: Scherer, Dt. Stud. II 83 [21 f.]; S. 318 ff. auch Berger, ZfdPh. 19, 455 f.Schissel v. Fleschenberg S. 86 f. s. auch Kaplan Andreas, Trojel S. 111

2 Vogt 3 S.318-24; Korn, Freudeu.Leid,50f. Singer, Abh.d. Preuß.Ak. 1918 Nr. 13 S. 17f.

3 Dem kaiserlichen Dichter fällt die gerade J. Haller, N. Jahrb. 24, 1921, 109-26 willseinem Gesichtskreis naheliegende Abwägung Heinr.VII., den Sohn Friedrichs IL, als Ver-zwischen Macht und Liebe ein, und er nimmt fasser erweisen, dagegen G. Salomon, ebdaeinfach das bekannte Bild stilistisch auf. Es S. 305-08, Margarete Paucksch, Beitr. 48,hat in seinem Munde dann auch einen tieferen 120-23; Wallner, Stamml. Verfasserlex. 2,Sinn als bei anderen Dichtern, da es in der 284-87. Sievers, Beitr. 52, 460-62.Wirklichkeit begründet ist: ich, der ich ein 4 Angermann, Wechsel S. 9.

Herrscher bin, fühle mich auch wirklich als 6 Zu Vogt 3 S. 322: Heusler, Versgesch. 2,solcher, wenn ich bei ihr bin. Zu Vogt 3 209. 227.

IS*