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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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Die Burggrafen von Regensburg 225

Die Lebensfülle von Dietmars Liedern wird erhöht durch die viele seinerStrophen durchziehende Naturstimmung. 1 Die Natur ist bei ihm nicht bloßstilistische Dekoration oder technisches Mittel, sondern sie ist ihm gefühlseigen.Er ist naturverbunden; Frühling, Vogelsang und Rosenblumen sind ihmwirkliche Sehnsuchtswecker und Lebenskündiger. Das ist noch ein volkstüm-liches Erbstück; es ist die Freude, die die schöne Jahreszeit mit sich bringt,wenn der Winter aus dem Lande getrieben wird und die Maifeste nahen.Durch diese Stimmung ziehen leise Töne, wie sie später Walther von der Vogel-weide in seinen volkstümlichen Liedern zu reichen Melodien entfaltet hat.Darum mutet uns auch Dietmars Tagelied 2 in seiner naturhaften Einfach-heit wärmer an als die späteren, prunkhaften Wächterlieder.

Die beiden Burggrafen von Regensburg

Landschaftlich donauaufwärts reihen sich an Dietmar v. Eist die beidenBurggrafen von Regensburg an. 3 Sie gehören zu dem Geschlechte derRietenburger, das bis um 1185 das Burggrafenamt innehatte. Unter demNamen Burggrafvon Regensburg sind vier Strophen in zwei Variationender vierzeiligen, paargereimten Langzeilenstrophe überliefert, zwei Frauen-strophen und ein Wechsel. Sie enthalten Gemeinplätze ohne Stimmung. DieLiebenden gehören sich in freier Wahl an, ihr Verhältnis ist noch nicht in diehöfische Sitte des Frauendienstes gebunden. 4 Die Frau ist die sinnlich ver-langende 16,4. 17, 1. An dem Geliebten rühmt sie sein gefälliges Benehmen,seineTugenden", durch die er sich der Welt lieb macht, wie auch die injene Zeit fallende Lehre desHeimlichen Boten" (s. oben) vorschreibt.

Der Burggrafvon Rietenburg steht in seinen sieben Strophen, darunterzwei im Wechsel, auf einer vorgeschritteneren Stufe, aber seine Ausdrucks-weise ist unbeholfen, auch muß er zu schleppenden Reimen greifen. Da vonihm mehr Verse überliefert sind als von seinem älteren Geschlechtsgenossen,bietet er auch mehr Anhaltspunkte für die Beurteilung. Der Leitgedanke inseinen Liedern ist Dienst und Treueversicherung, nicht wie bei Regensburgder Besitz der Liebesgunst. Er hat keine Phantasie. Bei ihm läßt sich auchzum erstenmal die unmittelbare Fremdquelle nachweisen: das Hauptmotivin dem Lied von der Dienstkündigung durch die Dame 19,27 ist dem proven-zalischen Minnesang entnommen und findet sich ganz ähnlich bei Folquetvon Marseille.

1 Uhland, Schriften 3, 419. 428. 467 f.; Chronol. Anordn. der Sprüche, zurückge-

Schiszel v. Fleschenberg S. 100; Brink- wiesen von Paul, Beitr. 2, 455; Schneider,

mann, Entstehungsgesch. S. 124 f. Beitr. 47, 234 f.; Priebsch, Mod. Lang. Rev.

2 Vogt, MF. 3 S. 314; ferner Bartsch, Ges. 12, 205 f. (zu 18, 1-16). Wechsel: AngermannVortr. u. Aufs., 1883, 264 f.; Paul, Beitr. 2, S. 12 f.; Korn, Freude u. Trüren 37 f.

466; Jeanroy, Origines S. 70 f.; Sievers, 4 Mit undertdn 16, 2 ist nicht ein Dienstver-

Rhythmisch-melod. Stud. 1912, 73 f.; Schrö- hältnis gemeint, sondern = ich bin ihm in

der, ZfdA. 63, 102; s. oben unter Tagelied. Liebe ergeben, ich tue seinen Willen, wie z.B.

3 Vogt, MF. 3 S. 281-84; Bartsch, Liederd. Dietmar 40,6 sin wille derst ergangen, auchN. V u. VI; Burdach, ADB. 27, 550-52 u. 28, Reinmar-Rugge 110, 10 u. ö. Aber allerdings591 f. = Reinm. 2 S. 359-63. Scherer, ist der Ausdruck nicht höfisch gewählt.

15 Deutsche Literaturgeschichte IV