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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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Vorgeschichte des deutschen Minnesangs 219

lebnis in einer bewußten künstlerischen Form ausspricht, hat es nicht gegeben.Aber für das menschlich tiefste Gefühl, die Liebe, findet auch bei primitivenVölkern die Gemeinschaftsdichtung den Ausdruck im Wort, jedoch in all-gemein gültiger, undifferenzierter Gleichartung als sog.primitives Gemein-schaftslied". Und so wurde auch im deutschen Volke gesungen von Freudenund Schmerzen der Liebe, von Trennung und Sehnsucht; Liebesgeschichten,Liebesanträge, Spottverse und Tanzliedchen entstanden und verhallten mitder Augenblicksstimmung alles gefaßt in einfachen Strophen und über-persönlich im Ausdruck. Spärlich sind geschichtliche Zeugnisse für Liebesreim-weisen vor dem Minnesang erhalten: die gegen die winileodos erlassenen Ver-bote (a. 789, LG. I, 23-25) setzen Lieder erotischen Inhalts voraus; der Lie-besgruß im Ruodlieb (ebda S. 235 f.) ist ein solches Gesellen- oder Freundes-lied, und zwar in traditionell formelhaftem Ausdruck; unter huorliet im Bam-berger Glaube und Beichte (ebda S.27) sind weltliche Liebeslieder gemeint;das Tanzliedchen von Kölbigk erzählt in wenigen Versen eine Entführungs-geschichte (ebda S. 239-^2). Die erste Nachricht von ritterlichen Liebes-liedern ist überliefert in Heinrichs von Melk Erinnerung 603 ff. (um 1150-60), wo trütliet (= Liebeslieder) singen als Huldigung für Frauen zu der hö-fischen Bildung eines feinen Ritters gehört. Die ältesten uns erhaltenen ritter-lichen Liebeslieder gehören dem Kürenberger an.

B. DIE EINZELNEN DICHTER

Der Minnesang tritt im letzten Drittel des 12. Jahrhunderts in die Litera-tur ein, wird im ganzen 13. Jahrhundert eifrig gepflegt, geht aber künstlerischallmählich zur Neige und verstummt mit den ersten Jahrzehnten des 14. Jahr-hunderts. Die Geschichte des deutschen Minnesangs entwickelt sich in derEntfaltung des romanisch-höfischen Kunstgedankens, und zwar in drei Stu-fen : Frühstufe (Frühzeit), Frühromanisierende Richtung (auchvor-welsche" genannt), Romanisierende (vollhöfische, welsche) Richtung. 1

Des Minnesangs Frühling" 2 (MF.oder MSF.) nannte Lachmann undnach ihm Haupt die Sammlung der Minnesängeraus der Frühlingszeit".

Schönbach, Stückchen ältester volkstüml. Die Lit. zu den einzelnen Dichtern ist ver-Lyrik, ZfdA. 20, 152-54; Wilmanns, Anz. 7, zeichnet bei Vogt, MF. und Bartsch, Dt.258; Wilmanns-Michels, Leben W.s S. 50 ff.; Liederdichter des 12. bis 14. Jh.s, 4. Aufl. vonSchwietering, ZfdA. 61, 71, Anz. 45, 80. Golther, 1901. Im folgenden werden bei den85; Brinkmann, Entstehungsgesch. S. 151; Literaturangaben nur diejenigen Schriften ver-Schneider, Heldendichtung usw. S. 366; zeichnet, die wie Vogt und Bartsch, v. KrausGünther Müller, Dt. Vjschr. 5, 113-21, Übungsb. 2 ein reichhaltiges Verzeichnis derReallex. 2, 211 (Lit. S. 224); Rosenhagen, Literatur geben oder dort nicht angeführt sindebdaS. 360-62; Ehrismann, GRM. 15,331. (also meist nach 1901 bzw. 1920 erschienenNaumann, Primitive Gemeinschaftskultur S. 6; sind) oder, wenn auch dort angegeben, nochDers., Grundzüge d. dt. Volkskde S. 118 ff. besondere Erwähnung verdienen. Im übrigen1 Zeitabschnitte des Minnesangs: Bartsch, also sei auf Vogt, Bartsch, v. Kraus ver-Liederd. 4 S. IX f.; Günther Müller, Real- wiesen.

lex. 2, 211-14; Rosenhagen, ebda S. 353. 2 Lit. zur Frühzeit des Minnesangs: Vogt,

360-64; Ehrismann, GRM. 15, 328-33, Lbl. MF.; Bartsch, Liederd.;v. Kraus, Übungsb. 2

1927,405 f. Heusler, Versgesch. 2,165-67. S. 288 ff.; Bühring, Das Kürenberg-Lieder-