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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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206 Die lyrische Dichtung

Andere chorische Liedgattungen sind bezeugt durch die termini iviclietKampflied, brutliet, brutleich Hochzeitslied. 1 Beim Ritt auf dem Marsche oderzu Turnier und Tjost wurde im Chor die üzreise gesungen, die uns aus zweikraftvollen Liedern Ulrichs von Lichtenstein bekannt ist (S.403. 456), eineAnspornung zu ritterlichem Kampfesmut im Dienste der Dame (Marschlied",Scherer, Dt. Stud. I 2 , 43). Der Rest von einem Trinklied ist vielleichtin Wolframs Willehalm 326, 23 ff. erhalten (Singer, Wolframs Willeh. S. 102.127). 2

Lob- und Scheltlieder, lopliet, scheltliet oder riiegeliet, das Streitgedicht 3(prov. tenzone und joc partit, jeu jarti, geteiltez spil) und überhaupt die großeprovenzalische Gattung Sirventes allgemeine Lehren oder persönliche Be-ziehungen umfassend liegen außerhalb des Liedes und gehören der andernHälfte der Lyrik, der Spruchdichtung, zu.

Eine Sonderstellung in der Minnelyrik nimmt der Liebesbrief ein. 4 DieBriefliteratur ist eine kulturelle Erbschaft aus der Antike. Schon mit desHieronymus Frauenbriefen beginnt die christliche Epistolographie und Briefedes Bonifatius an geistliche Frauen durchzieht ein sentimentaler Freund-schaftskult. Berühmt wurden die poetischen Huldigungen, die im 11 ./12. Jahr-hundert Marbod, Hildebert von Tours, Balderich an Fürstinnen und auch anKlosterfrauen richteten, die die Schönheit und Keuschheit der Verehrtenganz weltlich in einem von Ovid beeinflußten Stil preisen. Von den Klerikernlernten die Trubadur und darauf die nordfranzösischen Lyriker die Kunst despoetischen Liebesbriefes (prov. breu [= breve, brief], lettera, saluz., franz. Salutd'amour, Liebesgruß); dem lateinischen und romanischen Einfluß folgte dieBrief literatur als Gattung in Deutschland. Der lat. Tegernseer Brief-wechsel zwischen Mönch und Nonne, in dem deutsche Verse und Sätze ein-gestreut sind, bewegt sich in den Gedanken und Motiven eines Minneverhält-nisses. Über seine Entstehung herrschen verschiedene Ansichten: ob wirk-

1 Weiteres s. LG. I, 23 ff. Jahrb. 7, 1904, 158; Ehrismann, ZfdPh. 33,

2 Vereinzelte Benennungen von Liedgattun- 369 f.; v. d. Leyen, Dt. Dichtung u. bildendegen: Mhd. Wb. 1, 984 f.; Wackernagel l 2 , Kunst, Festschr. Muncker 1916 S. 18; Anger-291.301 Anm. 33 f.; Koberstein, Grundr. I 6 , mann, D. Wechsel S. 76 ff.; Singer, GRM. 13,229 f.; Kolmarer Hs. ed. Bartsch S. 369-71 1925,192; Brinkmann, Neophil. 9,1923,49ff.;u. Anm. 376 f. 664 f. Ders., Lat. Liebesdichtung pass.; Ders., Ent-

3 Streitgedicht s. LG. I, 56 f. II, 2, 151 ff. stehungsgesch. S. 63 f. 118 f.; Schwietering,

4 Steinhausen, Gesch. d. dt. Briefes 1,1889, Anz. 45, 77 ff.; Baethgen, Rota Veneris, Dt.8 ff.; Ders., Dt. Privatbriefe d. MA.s, 2 Bde, Vjschr. 5, 37-64; Rosenhagen, Reallex. 2,1898. 1907. Uhland 3, 261 ff.; Burdach, 209; Halbach, Sachwörterb. 1930, 737; PaulReinmar S. 163 f.; Wilmanns-Michels, Leben Meyer, Le Salut d'amour dans les litteraturesW.s S. 407; Ernst Meyer, D. gereimten Lie- prov. et. franc., Bibl. de l'Ecole des Chartes,besbriefe d. dt. MA.s, Marburg. Diss. 1898 (mit VI. Reihe, 3. Bd., 1867, 124-70; Michel, Mo-weiterer Lit.), dazu Panzer, ZfdPh. 32, 549 rungen S. 165-68. Das Muster eines prov. Sa--53, Zwierzina, DLz. 1901, 468-72, Helm, luz, der Botenbrief von Arnaut de Maroill:Lbl. 1901,60-2; Alb. Ritter, Altschwäb. Lie- Diez, Leben u. Werke S. 122 f.; Bartsch,besbriefe, 1898, dazu E. Meyer, Anz. 25, 370 Chrest. prov. Sp. 91 ff.; Brinkmann, Ent--79, Martin, DLz. 1898, 232 f.; Schröder, stehungsgesch. S. 114; H.-F. Rosenfeld, Zf-Ein gereimter Liebesbrief (14. Jh.), ZfdA. 63, dA. 67,41-4. Für die Geschichte des Liebes-224; Rosenfeld, Ein Liebesbrief, ebda 67, briefes ist auch zu erinnern an die Winileodosu.41-4. Schönbach, Üb. Hartmann v. Aue, an den Liebesgruß im Ruodlieb, LG. I 1 , 23-35.1894, 395 f.; Panzer, ZfdPh. 31, 531 ff.; u. N. 235 f. u. Reg., 2. Aufl. S. 22-24.242f. u. Reg.