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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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Gattungen 203

den Naturtrieb zu den Werken der Venus (ad Veneris opera) veranlaßt, unddem Liebhaber wird geraten, ein solches Weib mit Lobreden zu erheben undwenn die Gelegenheit günstig ist, ihr Gewalt anzutun.

Der deutschen Auffassung von der Minne war die Pastourelle, das Huldi-gungsgespräch eines Ritters zur Gewinnung einer Bauerndirne, nicht gemäß,nur je ein Lied Gotfrids von Neifen und des Herzogs von Brabant sind inPastourellenart gehalten, und ganz höfisch umgeformt ist der pastourellen-hafte Entwurf von Morungens Lied MF. 113, 19. In der sozialen Einstellungmit der Pastourelle verwandt sind die volkstümlichen Lieder Walthers, indenen er seinen Sangnieder wendet" ; und in der Dorfpoesie Neidharts undseiner Nachfolger ist eine ganze neue Gattung im Gegensatz zum höfischenMinnesang getreten, wo wieder mit anderen Grundbedingungen als bei derPastourelle zu rechnen ist.

Kreuzlied. 1 Die Zeit mahnte an große Aufgaben und in den Weltereig-nissen wurzelt eine besondere, inhaltlich bestimmte religiöse Liedgattung,das Kreuzlied. Wie die Kreuzzüge von der Kirche inspiriert wurden, wie diegewaltigen Predigten Bernhards von Clairvaux die Ritter zum Schutze derheiligen Stätten begeisterte, so entstand auch das Kreuzlied zuerst unter denGeistlichen, je nach den Schicksalen des heiligen Landes, klagend oder freu-dig, besonders aber als Aufforderung zur Fahrt. 2 In diesen lateinischen Lie-dern lag der Anstoß zur Kreuzzugslyrik. Die Trubadur brachten eine welt-liche Tönung hinein, indem sie die Minne zur Herrin (Frauenminne) mit derGottesminne verbanden, und darin folgten ihnen die deutschen Minne-sänger.

Die religiösen Leitgedanken mit der Zweckrichtung auf himmlischen Lohnkehren typisch wieder. Der Empfindungsgehalt kann verschieden sein. Zu-meist sind die Gedanken des Dichters geteilt zwischen der Welt und Gott. DieMinne hält ihn gefangen und bitter wird die Trennung von der Geliebten undden Freunden beklagt (Hausen, Johannsdorf und andere). Dieses Herein-ziehen des Minnedienstes in den Gottesdienst scheint fast eine Entweihung,aber der Frauenkult hat schon an sich eine sittliche Bedeutung und der Zwie-spalt wird nicht empfunden, da die Frau selbst als ein Wesen höherer Artverehrt wird. Alle diese Kreuzlieder sind subjektiv lyrische Bekenntnisse, indenen eine weiche elegische Stimmung waltet, wenn zuweilen auch ein un-mittelbarer Aufruf an die Ritter gerichtet wird. Aber die hinreißende, todes-

1 Uhland 5, 153-59; Bartsch, Liederdich- Reallex. 2, 137-40; Halbach, Sachwörterb.,

ter S.XXf.; Schönbach, Anfänge S. 110; 1930,674 f.; Singer, Die religiöse Lit.d.MA.s,

Wechssler, Kulturprobl. S. 415-24 u. Reg. 1933, 69-79.

S. 492; Wilmanns-Michels, Leben W.sS. 221 2 Volkstümlich einfach waren die Pilger-

-27. 453 f. H. Schindler, D. Kreuzzüge in lieder, die vor oder auf einer Palästinafahrt

d. altprovenz. u. mhd. Lyrik, Progr. Dresden von den Teilnehmern angestimmt wurden; W

1889; Wolfram, Kreuzpredigt u. KreuzliedZfdA.30, 89-132; Lüderitz S.37. 91. 131 f.Nickel, Sirventes u. Spruchdichtung S. 36-8Brinkmann, Entstehungsgesch. S. 70-6

Schneider, Heldendichtung usw. S. 395-98 u. winnen 387, 14 ff.

Mettin, Die ältesten dt. Pilgerlieder, Festschr.Sievers 1896, 277-86; LG. I, 196 f. Ulrichv. Lichtenstein will die heren gotes vart unter-nehmen, um die Huld der Geliebten zu ge-