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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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198 Die lyrische Dichtung

zufüllen, sie wirkt meist nur als Ausstattungsschmuck mit, besonders beispäteren Dichtern. Nur in wenigen Liedern (Morungen, Walther) zeigt sichdas Lebensgefühl des Dichters mit der Natur verwachsen, ist ein ganzes Lieddurchwoben oder in hervorragenden Momenten beherrscht von Naturempfin-den, fast immer ist die Jahreszeit ein Begleitmotiv, stimmungseinleitenderAkkord als Eingang zum Hauptteil des Liedes, der Minne. Beschränkt ist dasBild in den Natureingängen, eine beschreibende Aneinanderreihung for-melhafter Dinge, aber es gewinnt Farbe und Tiefe, da in der Natur die Stim-mung des menschlichen Innern mitschwingt: Sommerwonne und Liebeshof-fen, Winterweh und Herzensnot; und zuweilen gibt es eine Spannung zwi-schen Drinnen und Draußen, zwischen Gemütsverfassung und Jahreszeit, undim Sommer klagt der Liebende, der keine Erhörung findet, im Winter jubelter beglückt.

Auch die Troubadoure beginnen gerne ihre Lieder mit einem solchen Natur-symbol, und von ihnen bzw. von denTrouveres haben die deutschen Minne-sänger auch dieses Motiv übernommen. Seinen Ursprung aber hat es in dermittellateinischen Literatur, in dem Stil lateinischer Hymnen. Schon dieKlerikerlyrik der Cambridger Hs. hat den Typus des Natureinganges (An-fang des 11. Jahrhunderts) 1 und in den erotischen Vagantenliedern der Car-mina Burana (s. unten) ist er ein beliebtes Stilmittel.

Lebhafter, sprudelnder als die idyllische Naturszenerie des höfischen Hul-digungsliedes ist der Auftakt zu den Tanzliedern und Tanzleichen in volks-tümlicher Manier, 2 wie besonders in Neidharts Sommerliedern. Hier fordertder Dichter sein Publikum auf, den Sommer zu empfangen, der Mai wird be-grüßt, die Jungen werden zum Reihen geladen und fröude ist das Schlag-wort. Hier pulsiert noch das Leben der alten Tanzlustlieder des Volkes,ein Überrest der primitiven Gemeinschaftspoesie ist diese Bezeugung derNaturfreude, und auch die Vaganten huldigten dieser Art von Tanzkult.

Verwertung d. Natur u. ihrer Erscheinungen 1925, Reg. S. 105; Ders., Entstehungsgesch.,

in d. Vagantenliedern u. im dt. Minnesang, Reg. S. 168; Ders., Wesen u. Form S. 198 f.;

ZfdPh. 23,1-26, s. auch Nord u. Süd 52,334ff.; Schwietering, Anz. 45, 80; Meissner, ZfdA.

Holm Süssmilch, D. lat. Vagantenpoesie, 64, 165 ff.

1918, 22-6 ff.; Nickel, Sirventes S. 112-14; 1 ZfdA. 14, 492 Nr. XXIX, 494 Nr. XXII,

Schissel v. Fleschenberg, D. Adjektiv S. 80 s. jetzt Streckers Ausg. Vgl. LG. I, 232-34.

-82. H. Drees, D. poet. Naturbetrachtung 236.

in d. Liedern d. dt. Minnesänger, Progr. Wer- 2 Siehe bes. Uhland 3, 30 ff. 389 ff. u. Anm.;

nigerode 1888; Johanna A. Nijland aaO. Brinkmann, Lat. Liebesdichtung S. 56-72.

S. 57 ff.; Elisabeth Haakh, D. Naturbetrach- Die literarische Bedeutung des Maifestes u. der

tung bei d. mhd. Lyrikern, Teutonia 9, 1908, Maitänze für die mittelalterl.-franz. Lyrik hat

dazu Wallner, Anz. 34,157-60, Panzer, Lbl. Gaston Paris, Journal des Savants 1891

1910, 228 f.; Adele Stoecklin, D. Schilderg. S. 674 ff. 1892 S. 155 ff., hervorgehoben, wenn

d. Natur im dt. Minnesang u. im älteren dt. auch mit zu weitgehenden Folgerungen.

Volkslied, Basel. Diss. 1913; B.Q.Morgan, Natureingänge in den Liedern anderer Völker:

Nature in middle high germ. lyrics, Hesperia 4, Scherer, Anz. 1, 199 ff.; bei den arabischen

1912, dazu Frings, DLz. 1914, 735-37, H. Z. Hofpoeten in Spanien: Burdach, SB.d.Preuß.

Kip, Journ. of Engl, and Germ. Phil. XII, Ak. 1918 S. 1078. 1084 u. Vorspiel I, 1 S. 304.

1913,646-52. Plenio, Beitr. 43,67 f.; Gün- 312; Singer, Abhandl. d. Preuß. Ak. 1918

ther Müller, Dt. Vjschr. 1, 64. 74-6; Brink- Nr. 13 S. 28.mann, Gesch. der Lat. Liebesdichtung im MA.,