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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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Das Werk 197

eine maßvolle Wortkunst, nicht pathetisch gehoben oder rhetorisch prunk-voll. Eine feste Tradition hat sich gebildet, an der der einzelne Dichter eineWortschulung erlangte und eine formelhafte Ausdrucksweise sich aneignete.Nicht aus leidenschaftlich bewegten Herzen entringen sich die gesellschaft-lich gebundenen Gefühle, im Unsinnlichen, Allgemeinen ist die Sprache ent-körpert, eine Ausdrucksform im Stil der Hofgesellschaft. 1

Eine feste Terminologie 2 hat sich ausgebildet. Die Tugenden der Geliebtenwerden gepriesen: tugent, güete und schcene, Gott hat ein wunder an ir ge-schaffen, sie verleiht s&lde und durch ihre Minne wird der Dichter ein salicman. Er dient ihr und hat dadurch Anspruch auf Ion, er wirbt um ihre genäde.Wenn er sie nur sehen könnte, aber in ihrer Nähe versagt ihm das Wort, dieMinne raubt ihm die Sinne. Er hat Hoffnung (wän, gedinge), tröst von ihr zuerlangen, einen gruoz, vielleicht einen Kuß von ihrem rosenfarbenen Mundeoder sogar ein süßes Umarmen. Er versichert sie seiner triuwe und stcete, erist frei von valsch, aber selten ist das Glück (scelde) dem Liebenden hold,häufiger ist leit als liep, trüren als fröude, darum so oft die Liebesklage (sivcere,kumber, not, sorge), Liebessehnen (senen, senedez herzeleit, senediu not). Schei-den und Getrenntsein beschweren das Herz des Liebenden, der von Minnebetwungen oder verwundet ist, aber seine Gedanken weilen bei dem minnec-lichen wibe, er liebt sie von Kind auf, er trägt sie im Herzen, er träumt vonihr, 3 ihre Liebe macht ihn gesund, sie ist ihm liep wie sein lip und nur derTod kann ihn von ihr scheiden. In ihr, der einen, ehrt er ellin wip, sie ist ihmdas Einzelbeispiel für die ganze Gattung. Oft muß er durch heimliche Feindeleiden, die Aufpasser, die merker und Neider, die das Liebesverhältnis aus-spionieren und zu vereiteln suchen. Unbedingte Verpflichtung ist, daß dieMinne geheim bleibt (tougen minne).

Zum Stil des Minnesangs gehört auch das Naturmotiv. 4 Das Gefühl fürdie Natur ist nicht stark genug, um für sich allein das Herz des Dichters aus-

phil. Mitteil. 1910, 169 f., Piquet, Revue crit. Lehfeld, Friedr. v. Hausen, Beitr. 2, 383 ff.;

68, 6 f., Nickel, Aren. 121, 214 f.; Schissel Michel, Heinr. v. Morungen S. 21 ff.; Gorr-

v. Fleschenberg, Zur Stilkritik d. dt. Liebes- schau, H. v. Morungen, Beitr. 7, 379 ff.;

liedes im MA., Beitr. 36, 43-76; F. Heuck, D. Hornoff, Albr. v. Johannsdorf, Germ. 34,

Temporalsätze u. ihre Konjunktionen bei den 75 ff.; Nickel, Sirventes u. Spruchdichtung

Lyrikern d. 12. Jh.s, Berl. Diss. 1896; J. Hey- S. 99-105; C. v. Kraus, H. v. Morungen, hgb.

mann, D. Causalsätze d. dt. Lyriker im 12. Jh., S. 110 ff.

Berl. Diss. 1903; Ders., Üb. kausalen Ausdruck 3 Beispiele: Wilmanns-Michels, Leben W.s

in Minnes. Frühl., ZfdPh. 35, 330^12; Suo- S. 397 f. Wechssler S. 230.

lahti, Mem. de la Soc. neo-phil. 8, 1929, 28 f. 4 Uhland 3, 17-51 u. Anm. 5, 120 ff.; R. v.

43 ff. (Fremdwörter im Minnes.). Liliencron, ZfdA. 6, 69 ff.; Alfr. Biese, Die

1 Andeutung, Verhüllung: Burdach, SB. d. Entwicklung d. Naturgefühls im MA. u. in derPreuß. Ak. 1918, 997 u. Vorspiel I, 1, 257; Neuzeit, 1888; W. Ganzenmüller, D. Natur-Friedr. Neumann, ZfDtschkde 39, 81-91; gefühl im MA., 1914, bes. S. 241-94; Ders.,Schwietering, Anz. 45, 84. Individuelle Arch. f. Kulturgesch. 12, 1916, 195-228.Sprachprägung bei den einzelnen Dichtern. Burdach, Reinmar, Reg. S. 233; R. M. Meyer,

2 Uhland 5, 113-282; Bartsch, Liederdich- ZfdA. 29, 191-222 (S. 207 Lit.); A. Berger,ter 4 S. XII f.; Wilmanns-Michels, Leben W.s ZfdPh. 19, 444-48; O. Zingerle, Anz. 7, 159S. 234 ff.; Wechssler, Kulturprobl., Reg. unt. -62. Bielschowsky, Dorfpoesie S. l^tO.cortezia, joi, largueza, mezura, Tugend u. a. 143 ff. 234 ff. u. pass.; Kuno Francke, Lat.Erich Schmidt, Reinmar u. Rugge S. 79 ff.; Schulpoesie S. 60; K. Marold, Üb. d. poet.