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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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196 Die lyrische Dichtung

Verschieden vom Lied im Strophenbau und demnach auch in der Melodieist der Leich. 1 Im Lied sind alle Strophen gleich, es hat nur eine Melodie,die Strophen des Leichs sind ungleich gebaut, er hat eine Mannigfaltigkeitvon Tönen, ist ein prachtvolles Tongebilde in großen Formen, zu dessenSchöpfung eine anerkannte Meisterschaft gehörte. Es herrscht aber doch einegewisse Gesetzmäßigkeit: Wiederholung,Gruppenwiederkehr", Symmetrieund häufig eine Zweiteilung. Der Umfang eines Leiches übersteigt den einesnormalen Liedes, die einzelnen Gesätze haben eine lange Tonfolge.

Die Leiche haben durchaus lyrischen Inhalt, Minne oder Religion. DieMinneleiche wurden später auch als Tanzbegleitung gesungen (Lichtenstein,Winterstetten) und aufgespielt (Tanzleiche). Die kunstreiche Form hat ihrenUrsprung in dem lateinischen Kirchengesang, in der Sequenz (LG. I, 84.352ff.359. II, 210. 213-17); aus ihr stammt auch die Zweiteilung, die zur ursprüng-lichen Einrichtung von Notkers Sequenzen gehörte. 2 Im Ahd. bedeutet Leichzunächst Tonstück, Melodie, womit über den Inhalt nichts ausgesagt wird,auch nichts über den Zweck dieses Tonstückes als Tanzmelodie (LG. I, 15.28-34 u. Reg. S. 463). Auch die Leiche der Vaganten können im allgemeineneingewirkt haben und bei einigen mhd. Dichtern auch die provenzalischenDescort (Minnegedicht in abweichenden rhythmischen Absätzen, vom lat.dis-cors zwiespältig). Die Tanzleiche gehen aber doch wohl auf volkstümlicheReigenformen zurück (Roethe), jedenfalls kommen einige Motive aus demvolkstümlichen Tanzlied, aus der Gemeinschaftsdichtung.

Der Bau des Spruches unterscheidet sich nicht von dem des Liedes.Dem prosaischen Inhalt entsprechend neigt der Spruch mehr zu längerenVersen . 3

3. Stil. 4 Dem Sinn des Minnesangs als einer konventionellen Formkulturentspricht der stilistische Ausdruck: die Sprache ist typisch idealisiert,

1 Leich: Kauffmann S. 106-8; Saran S.280 4 Burdach, Reinmar S. 66 ff.; Roethe,ff.; Heusler 2, 332-41. J. Grimm, Üb. d. Reinmar S. 258-351; Berger, ZfdPh. 19, 471ad. Meisterges. S. 63-70; Lachmann, Üb. d. ff. Streicher, Bedeutung der Formeln inLeiche der dt. Dichter des 12. u. 13. Jh.s, Kl. d. Sprache d. Minnes., ZfdPh. 24, 166-71; Jo-Schr. S. 325-40; Uhland 5, 199-202; Ferd. hanna A. Nijland, Gedichten uit het Haag-Wolf, Üb. die Lais, Sequenzen u. Leiche, sehe Liederhs., 1896, 39 ff.; Th. Lennich, Die1841; Wackernagel, Afrz. Lieder u. Leiche epischen Elemente in d. mhd. Lyrik, Gott.S. 225-33. Roethe, Reinmar S. 352-68; Diss. 1896; Kluckhohn, Arch. f. Kulturgesch.Bartsch, Liederdichter* S. XXIX-XXXI; 11, 1913, 389 ff.; Vera Vollmer, Minne u.Wilmanns-Michels, Leben Walthers S. 41-3. Sprache, Tüb. Diss. 1914; Minna Jacobsohn,220 f.; 0. Gottschalk, D. dt. Minneleich im Die Farben in d. mhd. Dichtung der Blütezeit,Verhältnis zu Lai u. Descort, Marburg. Diss. Teutonia 22, 1915; Regine Strümpell, Über1908; Plenio, Strophikv. Frauenlobs Marien- Gebrauch u. Bedeutung von scelde, soelic u.leich, Beitr. 39, 290-319; Walther Steller, Verwandtem bei mhd. Dichtern, Erlang. Diss.D. Leich Walthers v. d. V. u. sein Verhältnis 1917; Rich. Brodführer, Untersuchung üb. d.zum religiösen Leich, Beitr. 45, 307-404. Entwicklung d. Begriffesguot" im Minne-Singer, D. Schweiz im dt. Geistesleben S. 13ff. sang, Leipz. Diss. 1917; H. Naumann, Gesch.19 ff. Siehe LG. I, 28 ff. d. dt. Literatursprachen, Deutschkundl.-

2 Wilh. Meyer, Fragmenta Burana, 1901, cherei 1926,17-9. 0. Schisselv. Fleschen-172; Paul v. Winterfeld, ZfdA. 45, 133 ff.; berg, D. Adjektiv als Epitheton im Liebes-Wilmanns-Michels, Leben Walthers S. 42 u. lied d. 12. Jh.s, Teutonia 11, 1908, dazu R. M.Anm. Meyer, Anz. 32, 234, Gierach, DLz. 1908,

3 Dagegen Scherer, Dt. Stud. 1, 42. 2267, Panzer, Lbl. 1910,228 f., Suolahti, Neu-