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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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192 Die lyrische Dichtung

der Minnesang seinen Ausgang von Oberdeutschland und vom Rhein ge-nommen und fand erst in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts Eingangin Mitteldeutschland und Niederdeutschland. Stammesgeschichtlich be-dingt ist derheimische" Minnesang des Kürenberger in Österreich, wo eineritterliche Poesie aus dem Nationalcharakter entsprang, die auch das Nibe-lungenlied hervorbrachte. Im Südosten schließt sich eine Gruppe von Dich-tern an, Dietmar, Regensberg, Rietenburg, Meinloh, die schon unter romani-schem Einfluß stand (die frühromanisierende Richtung). Eine Generationspäter aber wurde am Hof zu Wien durch Reinmar vom Rhein her der höfisch-romanisierende Minnesang eingeführt und durch Walther von der Vogelweidezur höchsten Blüte gebracht. Im Westen, am Rhein, ist auf dem Wege derKulturverbindung mit Lothringen und Frankreich die höfische Dichtung,Roman und Minnesang aufgenommen worden. 1 Eine unmittelbar räumlicheEinwirkung ist an der Kunst des Schweizers Rudolf von Fenis (Neuenburg)zu beobachten, der dem zum römischen Imperium der Staufer gehörigenarelatischen Reich benachbart war. Der einzige Dichter, der in der früherenZeit des Minnesangs landschaftlich außerhalb dieser Gruppen steht, ist derThüringer Heinrich von Morungen. Direkte Nachahmung provenzalischerLieder durch deutsche Minnesänger ist selten nachzuweisen, am stärksteneben bei Rudolf von Fenis, vereinzelt bei Hausen und Morungen. Noch ge-ringer sind die Beziehungen zu nordfranzösischen Trouveres (je einmal beiHausen, Bernger und Reinmar). 2

Die Minnesänger nach Walther gehören zumeist den oberdeutschen Lan-den an, aus Bayern-Österreich, Schwaben, der Schweiz, dazu auch, aber ingeringerem Maße, aus Südrheinfranken und Ostfranken, sind uns die meistenNamen erhalten, gering beteiligt sind Mittelfranken und Hessen, in Thürin-gen hat Heinrich von Morungen Schule gemacht. Doch ist in Mitteldeutsch-land der Minnesang nicht heimisch geworden, nur einige Fürsten sangenMinnelieder, der feinen oberdeutschen Mode folgend. Niederdeutschland istder höfisch-ritterlichen Dichtung überhaupt fremd geblieben, der MarkgrafOtto von Brandenburg sang in hochdeutscher Sprache, und nur ein hoherHerr, der Fürst Witzlav von Rügen, hat sich in seiner niederdeutschen Mund-art im Minnelied versucht.

Walther von der Vogelweide ist der erste ritterliche Dichter, der mit demMinnelied auch die Spruchgattung verband. Er hat damit die bis dahin gel-tenden Standesgrenzen durchbrochen und sich auf das Gebiet der Spielleute

Castle, Reallex. 2, 570-75 (mit reicher Lit.). Österreich hin.

Niederrhein: Günter Rosendahl, Die 2 Bartsch, ZfdA. 11, 145 ff. u. Germ. 1,

Verbreitung mhd. Lyrik am Niederrhein usw., 480-82; Schönbach, Anfanges.24-6; Friedr.

Marburg. Diss. 1925, Masch.-Dr. u. Jahrb. d. Gennrich, Sieben Melodien zu mhd. Minne-

philos. Fakultät zu Marburg 1922, 211-23. liedern, Zs. f. Musikwissensch. 7 H. 2 u. SA.

1 Schönbach, Anfänge des Minnesanges, 1924 S. 7 ff.; Heusler, Versgesch. 2, 246.

S. 24-34.77-92, weist auf die Möglichkeit einer Vogt, MF. 3 S. 328. 332 f. 354 ff. 376. 405. 417

Vermittlung der provenzal. Lyrik über Ober- (426).italien und Friaul nach Steiermark und Inner-