Der Dichter des Minnesangs 191
gehören nicht jenem höheren, freien Geburtsadel an, sondern es sind, wie auchHartmann und Wolfram, unfreie Dienstmannen, Ministeriale und Ritter-mäßige (niederer Adel). Gerade der Stand der Ministerialen war unter den Stau-fern zu Ansehen und Bedeutung gelangt, weil sie im Hof- und Ritterdienstewichtige Stellen einnahmen. Es folgen die geistlichen, bürgerlichen und spiel-männischen Minnesänger. Eigentlich gebührte der Titel „her" 1 nur dem Adelund den Geistlichen, wurde aber als Höflichkeitsbezeugung auch niedererenMitgliedern der Hofgesellschaft zugeteilt. Auch hier ist in den HandschriftenVerwirrung eingetreten, weil sie ihn öfter auch bürgerlichen Dichtern undSpielleuten beilegen.
Hiermit ist eine soziale Scheidung zwischen ritterlichen und spielmänni-schen Dichtern gemacht, der im großen und ganzen die Gattungen Minne-sang und Spruchdichtung entsprechen, indem die „Herren", die früherendurchweg, das Minnelied pflegten, den Spielleuten und Bürgerlichen mehrdie lehrhafte Spruchdichtung zukam.
Die Bildung 2 der Minnesänger bewegte sich im allgemeinen in den Gren-zen der höfischen Erziehung überhaupt und erhob sich jedenfalls über denGesichtskreis und die Manieren des bloßen Landadels. Viele der Spruchdich-ter und Fahrenden hatten aber auch ein gelehrtes Wissen von der Schule heroder eine weite Erfahrung durch ihr Wanderleben.
Die landschaftliche Verbreitung 3 des Minnesangs (die folgende kurzeÜbersicht ist eine Zusammenfassung aus dem unten folgenden Paragraphenüber die „einzelnen Dichter"). Wie die höfische Kultur überhaupt, so hat auch
Wallner, Herren u. Spielleute im Heidelberg, ben: Fr. Grimme, Die rhein.-schwäb. Minne-Liederkodex, Beitr. 33,483-540; Paul Kluck- singer, 1897, dazu Schulte, Lbl. 1897, 260-66,höhn, Ministerialrat u. Ritterdichtung, ZfdA. Burdach, DLz. 1898, 271-78 u. Reinmar52, 135-68; Ders., Arch. f. Kulturgesch. 11, S. 237 ff., R. M. Meyer, Anz. 24, 373 f., Gol-389^110. — Wechssler, Reg. S. 498; LG. II, THER.ZfdPh. 30,396 f., Brunner, Hist.Vjschr.2, 25. 1, 262-66; Grimme, Germ. 32. 33. 37, Alem.
1 Her und meister: Schulte, ZfdA. 39, 210ff. 22, 33^15; Ders., Die Schweizer Minnesänger,232 ff.; Wallner, Beitr. 33, 522 ff.; Schwie- Germ. 35, 302-39, dazu Ad. Socin, ebda 311tering, Demutsformel S. 51 ff. — LG. II, 2, -13, H. Herzog, ebda 29, 34-6; Franz Mone,Reg. S. 344. 346. Kritik d. Wappen der Minnesinger aus Schwa-
2 Wackernagel, LG. I 2 , 134 Anm. 34 f. ben, Diözesanarch. f. Schwaben 13, 1895, 12-4136 Anm. 43-6; Wechssler, Reg. S. 486; usw. 15,140-44.19,21-3.42^*.—Österreich:Schneider, Heldendichtung usw. S. 210-15; R. Müller, Beitr. z. Gesch. d. höf. Epik in d.LG. II, 2, 25 u. Anm. Österreich. Landen, bes. in Kärnten, Carinthia
3 Jos. Nadler, Lit.Gesch. d. dt. Stämme u. 85, 1895; A. E. Schönbach, Dichtungen u.Landschaften l 2 , 1923. — Schweiz: Wacker- Sänger, d. Hof- u. Minneleben bis 1270, Gesch.nagel, Verdienste der Schweizer um d. dt. d. Stadt Wien 1, 1897, dazu R. M. Meyer, Anz.Litt., 1832; Bartsch, Schweizer Minnesänger, 24, 374 f., Lambel, Lbl. 1900, 4 f.; Jos. See-Baechtold, D. Züricher Minnesinger, Züri- Müller, Dt. Poesie v. Ende d. 13. bis in deneher Taschenbuch f. 1883; Ders., Lit.Gesch. d. Beginn d. 16. Jh.s, Gesch. d. Stadt Wien III,Schweiz S. 140-68 u. Anm. S. 40-4; Singer, 1903, dazu R. M. Meyer, Anz. 24,270; Schön-LG. d. dt. Schweiz S. 22 f. 26-8. 43 ff.; Ders., bach, Anfänge d. Minnesanges S. 78 ff. (Steier-Die Schweiz im dt. Geistesleben S. 131-61; mark); H. F. Wagner, Mittelalterl. Hofpoesies. nachher Grimme. — Baden: Pfaff, Der in Salzburg, Mitteil. d. Gesellsch. f. österr.Minnesang im Lande Baden, 1908, dazu Landeskunde 1901. — Böhmen: s. Roethe,Schröder, Anz. 31, 199 f., Rosenhagen, Reinmar Reg. S. 635; Singer, Willehalm Ul-ZfdPh. 43, 395-97, Golther, Lbl. 1909, 146 f., richs v. d. Türlin S. LXX; Burdach, ZfdtBil-Panzer, Lit. Rundschau 36, 505 f. — Schwa- düng 2, 1926, 6 ff.; s. oben Ulr. v. Eschenbach.