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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
Entstehung
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178
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178 Die erzählende Dichtung

Inhalt. I. Str. 1-15. König Sigmund im Niederlande hat einen sehr unbändigen Sohn, Sey-frid. Der läuft davon und kommt zu einem Schmied, bei dem schlägt er den Amboß in den Grund;der Meister hofft, ihn los zu werden, und schickt ihn fort zu einer Linde, wo ein Drache haust.Sigfrid erschlägt diesen und viele andere Lindwürmer, verbrennt sie, bestreicht sich mit ihrerschmelzenden Hornhaut und wird hürnen; er vergißt aber eine Stelle zwischen den Schultern,wo er später den Tod erlitt. Er dient dem König Gibich seine Tochter ab. Er findet denNyblingenhort bei dem Zwerg Nybling. König Gibich in Worms hat drei Söhne und eineTochter. II. Str. 16-179. Ein Drache entführt Kriemhild auf einen Felsen, wo er sie bis in dasvierte Jahr behält. Der König läßt Kriemhilden suchen. Seyfrid jagt in dem Wald und kommtvor den Drachenstein. Dann kommt ein langstieliger Kampf mit dem treulosen Riesen Kuperan(Str. 59-114), der Seyfrid mit einem Schlüssel den Stein aufschließen muß. In diesen Nötenerweist sich ihm oft der Zwergkönig Eugel hilfreich. Seyfrid wirft schließlich den Kuperan vomStein herab, daß er zerschellt. Nachdem er auf dem Stein den Drachen zerhauen hat, wobeiihm Eugel gegen die Hitze Hilfe leistet, reitet er mit der befreiten Kriemhild nach Worms.

Das Gedicht, von einem Verfasser, wie auch Stil und Metrik beweisen, zer-fällt ersichtlich in zwei ursprünglich voneinander unabhängige Bestandteile,die nur ganz roh zusammengeflickt sind: I Sigfrids Jugendgeschichte (Str. 1-15), die von der Darstellung des Nibelungenlieds abweicht (dagegen sich inder Thiedreksage findet). II Sigfrieds Befreiung der Kriemhild und Drachen-kämpfe (Str. 16-179, Schluß).

Teil I ist ein kurzer Auszug aus einem verlorenen längeren Gedicht, dessenOriginal noch ins 12. Jahrhundert zurückgeht. Teil II beginnt von neuem,als ob nichts vorausginge, und widerspricht oft dem ersten, ist Neudichtung;das Original ist nicht vor etwa 1230 entstanden.

Das Lied vom Hürnen Seyfrid in seiner uns erhaltenen Gestalt fällt schonin die nhd. Periode, denn es ist in einer Anzahl von Drucken (11 sind fest-gestellt) aus der Zeit von etwa 1527 bis 1611 1 überliefert. Diese Überlieferunggeht auf zwei verlorene Lieder aus dem Anfang und Ende des 13. Jahrhun-derts zurück. Aus der Dichtung des 16. Jahrhunderts entsprang das Volks-buch vom gehörnten Sigfrid. Dieses ist wohl gegen Ende des 17. Jahr-hunderts verfaßt worden und der erste Druck stammt aus dem Jahr 1726;

Dichtung im MA. 2 , 1871, 549-57; Golther, ler, Die Entstehung u. sagengeschichtliche

Das Lied vom Hürnen Seyfrid nach der Bedeutung des Seifridsliedes, Progr. Neuwied

Druckredaktion des 16. Jh.s mit e. Anhange: 1914, dazu Baesecke, Anz. 37, 125-38; Hün-

das Volksbuch vom gehörnten Siegfried nach nerkopf, Die Drachensage im Hürnen Sey-

der ältesten Ausg. (1726), 1889, 2. Aufl. 1911. frid, Beitr. 44, 322-30; Lunzer, Beitr. 49, 457

Übersetzungen: Simrock, Das kleine Hei- -72; Bolte-Poüvka 1, 547. 2, 315; Straß-

denbuch, 1844,1859; Pannier, Reclam [1913]. burger Holzschnitte zu Dietrich von Bern usw.,

Abhandl.:W. Grimm, Heldensage S. 258-61; Drucke u. Holzschnitte des 16. Jh.s, 1922; H.

Müllenhoff, ZfdA. 12, 362 (Name), Sche- W. J. Kroes, Untersuchungen üb. d. Lied

rer, Die Anfänge des dt. Prosaromans, QF. 21, vom Hürnen Seyfrid mit Berücksichtigung der

1897, 25 f.; M. Herrmann, Die Überlieferung verwandten Überlieferungen, Diss. Groningen

der Lieder vom hürnen Seyfrid, ZfdA. 46, 61 1924, dazu Baesecke, Anz. 44,77 f., de Boor,

-89; Chr. Aug. Mayer, Üb. das Lied vom Lbl. 1928, 265-69; Schneider, German. Hel-

hürnen Seyfrid, ZfdPh. 35, 47-58. 204-211; densage I, 1928, 63 f. 115 ff. 123 f. (Lit.);

Panzer, Seyfrid de Ardemont, Lit. Ver 227, Wallner, ZfdA. 65, 224; Heinr. Samson,

1903, S. CXII-CXIV; Elisabeth Bernhöft, Beiträge zum dt. Märchen im ausgehenden

Das Lied vom hörnenen Sigfrid, Vorgeschichte MA., Köllner Diss. 1931.

der Druckredaktion des XVI. Jh.s, Diss. Rost. 1 Sie sind aufgezählt in Golthers Ausg.

1910; Panzer, Sigfrid, 1913, 1-35; Schnei- S. V ff.der, Wolfdietrich, 1913, 211 ff.; Scheidwei-