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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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Die kleineren Heldenepen 177

3. DIE WIELANDSAGE

Es gibt zwei vollständige Berichte über diese Sage, das Wielands-Lied derEdda, Völundarkvicta und die Thidrekssaga.

Die Edda erzählt: Im Wolfstal am Wolfssee, wo sie wilde Tiere jagten, wohnten drei Brüder,Söhne eines Finnenkönigs, Slagfidr, Egill, Wölund (Wieland). Eines Morgens trafen sie am Uferdes Sees drei Frauen, die Flachs spannen; in der Nähe lagen ihre Schwanenhemden, 2 denn siewaren Walküren. Die drei Brüder raubten ihnen ihre Schwanenhemden, wodurch die Walkürenin ihre Gewalt kamen und ihre Gattinnen wurden, aber nach sieben Wintern ihnen entflogen.Die beiden älteren Brüder suchten nach ihnen; Wieland aber, der zu Hause geblieben war,wurde auf Befehl des Königs Nidhod von Schweden gefesselt und gelähmt und auf eine Inselgebracht, wo er für den König schmieden mußte. Aus Rache lockte er die beiden Söhne desKönigs in seine Schmiede, und als dieselben in eine geöffnete Kiste hineinsahen, schlug er denDeckel zu und dadurch die Köpfe ab. Aus ihren Augen machte er Edelsteine und schickte sieder Königin, die Schädel faßte er in Silber und schickte sie dem König, die Zähne verarbeiteteer zum Schmuck für die Tochter. Diese bewältigte er im Schlafe, nachdem er ihr einen be-täubenden Trank eingegeben; dann hob er sich in die Lüfte. Aus andern Quellen wissen wir,daß die Königstochter einen Sohn gebar, dieser war Wittig, 3 Wielands Sohn.

Die Wielandsage war weit verbreitet im Mittelalter: im Altnord., Ags.(s. Müllenhoff, ZfdA. 12, 265 ff.), Engl., in Deutschland, Frankreich (Ve-land le forgeron). Im Deutschen ist Wieland als kunstreicher Schmied be-kannt und als Vater des Dietrichshelden Witige.

Aus Bemerkungen in Literaturdenkmälern des 12. und 13. Jahrhundertslassen sich Schlüsse ziehen auf verlorene Heldenlieder. So gab es solche a) überWitege, Heime und Dietrich, über Dietrichs Drachenkampf, ß) über HerzogIron, y) ein Hildegrimlied, ein Ruodlieblied. 4

Hürnen Seyfrid 5

Der Zeitfolge nach bildet den Schluß der Heldenepen das nur in Druckenaus dem 16. und dem Anfang des 17. Jahrhunderts auf uns gekommeneLied vom Hürnen Seyfrid.

Es gehört in den Bereich des Nibelungenliedes, erzählt Sigfrids Jugend-abenteuer und gibt damit eine selbständige Erweiterung des Nibelungenliedes.

1 J.Grimm, Mythologie S. 349-52. 451 (4. Meyer, Mythologie d. Germanen, 1903,160 ff.,

Aufl. S. 312-14. 399); W.Grimm, Heldensage, s. Völundarkvida, Reg. S. 525; Schröder,

Reg. unter Wieland; Müllenhoff, ZfdA. 12, Wiel. d. Schmied, ZfdA. 53,329-35; Ders., Ein

307 f. 367 f., s. Helm, ZfdA. 34, 295-97; Zeugnis zur Wielandsage, ZfdA. 57, 143 f.;

Stieglitz, Die Sage von Wieland dem Schneider, Witege, Heime u. Dietrich, ZfdA.

Schmied, dem Dädalus der Deutschen, 1835; 58, 126; A. H. Krappe, Zur Wielandsage I,

Ferd. Wolf, Zu der Sage von Wieland dem Archiv 158, 1930, 9-23.

Schmiede, Ad. Blätter 1, 1836, 34-47; K. 2 Schwanenjungfrauen auch in dem mhd.

Meyer, Die Wielandsage, Germ. 14, 283-300; Gedicht Friedrich von Schwaben.

Simrock, Handbuch der deutschen Mytho- 3 Der Witige der Sage ist der geschichtliche

logie, 1874, Reg. S. 642; Zupitza, Ein Zeug- Widigoja in des Jordanes Gotengeschichte,

nis für die Wielandsage, ZfdA. 19, 129 f.; W. De rebus Geticis, um 550; ahd. kommt der

Müller, Mythologie d. dt. Heldensage aaO. Name in Chroniken vor als Witigo, Witigouuo,

S. 124-47; Golther, Die Wielandsage u. die Müllenhoff, ZfdA. 12, 255-59. 307.

Wanderung der fränkischen Heldensage, Germ. 4 a) Schneider, ZfdA. 58, 126 f.; ß) W. von

33, 449-80; P. Passler, Die Geschichte der Unwerth, Herzog Iron, Beitr. 38, 280-313;

Heimesage, Progr. Hörn (Niederösterreich) y) Schneider, German. Heldensage I, 265 f.;

1893, dazu Seemüller, Anz. 31, 332-37; Ders., ebda S. 263.

Heusler, Hoops RealLex.4,528f.; Jiriczek, 6 Ausgaben: v. d. Hagen u. Primisser,

Dt. Heldensage I, 1898, 1-54; Elard Hugo Der Helden Buch II, 1825; Goedeke, Dt.

12 Deutsche Literaturgeschichte IV