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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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174
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174 Die erzählende Dichtung

Zwei Motive sind in der Dichtung von Laurin miteinander verknüpft:1. Der Rosengarten, 2. Der Zwerg als Mädchenräuber. Das erste Motiv fürsich ist das Thema im großen Rosengarten, das zweite Motiv für sich ist dasThema im Goldemar. Der Rosengarten in Worms ist eine sagenhafte Erfin-dung, der Rosengarten des Laurin in Tirol aber hat tatsächlich örtlichenHintergrund, da dort eine Berggruppe diesen Namen trägt.

Inhalt: Hildebrand erzählt in einem Gespräch der Helden von Laurin, dieser sei nur dreiSpannen lang, aber wer mit ihm anbindet, der unterliege, er brauche nur nach Tirol zu gehenund seinen von einem Seidenfaden umgebenen Rosengarten zu beschädigen. Sogleich machtsich Dietrich auf; Witege begleitet ihn, sie kommen an den wonniglichen Garten. Witege schlägtdie Rosen ab und tritt sie nieder; die Wonne ist zerstört. Da kommt zu Roß der ZwergkönigLaurin angerannt mit seinem Zaubergürtel, der ihm die Kraft von zwölf Männern verleiht; ersticht Witege nieder. Dietrich kämpft mit dem Zwerg, zerbricht ihm den Zaubergürtel undschlägt ihn nieder. Der Zwerg veranlaßt Dietleib, der unter Dietrichs Helden mitgekommenwar, als seinen Schwager (er war der Bruder der Künhild, die er jüngst geraubt hatte), für ihnum sein Leben zu bitten. Die Bitte wird gewährt und Laurin bewirtet Dietrich und seine Heldenköstlich, betäubt sie aber durch starke Getränke und wirft sie in einen tiefen Kerker. DochKünhild befreit sie durch Mittel, die den Zauber brechen. Dietrich besiegt Laurin und führtihn gefangen nach Bern. Auf Dietrichs Gebot hin läßt sich der Zwerg taufen; Dietleib zieht mitKünhild nach Steier und verheiratet sie dort; Dietrich gibt Laurin sein Land zurück und sieschließen Freundschaft.

Der Walberan ist eine Fortsetzung des Laurin (liber secundus, s. oben),keine alte Sage, sondern eine armselige Erfindung.

Der Zwergkönig Walberan herrscht über die Zwerge in Asien. Den Inhalt des Gedichts bildetdie Treubewährung Laurins: Dieser will Walberan durch einen Boten abhalten, gegen Bern zuziehen, erreicht aber nichts. Der Kampf zwischen Dietrich und Walberan wird durch Hilde-brands und Laurins Dazwischentreten geschlichtet und beide Kämpfer reichen sich die Handzur Versöhnung.

Der Stil im Laurin (und Walberan) ist weitschweifig; breite Beschreibun-gen des Landschaftlichen, der Rüstungen, der Feste, wobei sich Einfluß derhöfischen Poesie zeigt, herrschen vor. Die Reime sind nicht immer rein. 1

Zu Dietrichs Befreiungskämpfen gehört auch

Etzels Hofhaltung oder der Wunderer 2

Drei Versionen sind zu unterscheiden: H, Etzels Hofhaltung, im Helden-buch Kaspars von der Roehn (Dresdener Heldenbuch und in einem davon

1 Brinkmann, Wesen und Form S. 178. 181. Abhandl.: W. Grimm, Heldensage S. 277;183. Holz, Ausg. S. XI f. Franz Zimmerstädt, Untersuchungen üb. das

2 Ausgaben: v. d. Hagen u. Primisser II, Gedicht Kaspars von der RoenDer Wunde-1825, 55-73 (Etzels Hofhaltung, im Helden- rer", Progr. Berlin 1888; 0. Warnatsch, Diebuch Kaspars von der Roehn); v. d. Hagen, Sage vom Wunderer u. den Saugen in ihrer li-Heldenbuch II, 1855, 529-34 (Etzels Hofhai- terarhistor. Gestaltung, Festschr. d. germanist.tung, alter Druck); Adalb. v. Keller, Erzäh- Ver.Breslau 1902,177-92; Reinhold Köhler,lungen aus ad. Hss., Lit. Ver. 35, 1855, 1-9 Germ. 14, 243-45 u. Kl. Schriften 2, 1909, 79(K); Ders., Ein spil von dem Perner u. Wun- -83; Heinr. Hempel, Untersuchungen zumderer, Keller, Fastnachtspiele II,1853,Nr.62; Wunderer, Hall. Diss. 1914; Hans Naumann,Konr. Schiffmann, Ein Bruchstück des Wun- Primitive Gemeinschaftskultur, 1921, 139.derers, ZfdA. 15, 416-20; Carl Brestowsky, Saran, Berliner JB. 1902, S. 84.

Zum Wunderer-Bruchstück, ZfdA. 65, 63 f.