Druckschrift 
Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
Entstehung
Seite
172
Einzelbild herunterladen
 

172 Die erzählende Dichtung

ritter", Chevalier du papegau; der Schauplatz wurde in die Nähe von Kölnverlegt: die Anfangszeile (Zupitza S. 219 Str. 1) lautet: Ein laut dazhiez Gripidr (= Colonia Agrippina). Dann wanderte es nach Tirol zurück,das ist das jetzt in L A erhaltene Ecken-epos (ungenau Eckenliet ge-nannt). Der Inhalt ist auch in die Thidrekssage aufgenommen worden. Inmhd. Spruchgedichten wird es als Typus eines Volksepos erwähnt: Konradvon Würzburg in seinem satirischen Spruch auf den Meißner, den er als Bän-kelsänger höhnt, sagtalsus kan ich liren" sprach einer der von Eggen sanc(Bartsch, Liederdichter, 4. Aufl. von Golther S. 285 Zeile 95 f.), und derMarner in seinem Vortragsverzeichnis singt u.a. von hern Eggen tot (Ausg.Strauch Nr. XV, 14 S. 125).

Inhalt, nach L (Zupitza, 245 Strophen): In der Hauptstadt des Landes Gripiär, Köln, sitzendrei Helden, Ecke, Fasolt und Eckenot, zusammen und sprechen von auserwählten Recken. Eckeäußert sich verärgert, daß man den Berner vor ihnen allen lobeundseineTaten ganzvergesse.Erwird bestärkt durch den Zuspruch einer der drei Königinnen auf Jochgrim, die den Berner gernesehen möchte. Der zwanzigjährige Ecke zieht sofort nach dem Berneraus, zu Fuß, denn ihn trägtkein Pferd. Er sucht Dietrich in Bern, der aber war nach Tirol, dahin zieht ihm Ecke nach. Unter-wegs trifft er einen verwundeten Mann, Helfrich von Lune, der im Kampfe von Dietrich schwerverletzt worden war; Ecke verbindet ihm seine Wunden. Als Ecke Dietrich gefunden, lehnt dieserden Kampf ab, aber Ecke nennt ihn einen feigen Wicht; nach tagelangem Ringen durchstichtschließlich der Berner den jungen Riesen und haut ihm das Haupt ab. Er will es den Königinnenbringen. Auf dem Wege dahin stürzt ein junges Weib auf ihn zu und bittet ihn um Hilfe gegen dengrimmen Fasolt, den Bruder Eckes, der sie verfolge; sie pflegt Dietrichs Wunden. Am andernTag kommt Fasolt wieder, Dietrich besiegt ihn und läßt ihn Gehorsam schwören. Dann bezwingtder Berner den Unhold Eckenot. Fasolt, der Dietrich verderben will, bringt ihn auf eine Wiese,wo Eckes Mutter Birkhilt, als sie den Tod ihres Sohnes hört, mit einem Baum auf Dietrich los-geht. Er erschlägt sie; ihre Tochter Uodelgart greift ihn ebenso an, Dietrich ergreift sie bei demHaar... Hier endet L (das Fasolt-Abenteuer ist offenkundlich eine spätere Erweiterung); dasweitere ist: Dietrich erschlägt die Tochter, dann auch den Fasolt selbst, der ihn zuvor durchzwei geharnischte Männer in Lebensgefahr bringt. Dann kommt ein Bote zu den drei Königin-nen und wirft ihnen Eckes Haupt vor die Füße.

Die Metrik, zwölfzeilige Strophe mit verlängerter Schlußzeile, ist diegleiche wie bei allen vieren, dem Albrecht von Kemenaten zugeschriebenenGedichten. 1

Goldemar 2

In die Gruppe der dem Albrecht von Kemenaten zugeschriebenen Gedichtegehört schließlich, mit dem gleichen Versmaß, als viertes das Gedicht vomZwergkönig Goldemar.

Nur ein Bruchstück von 9 1 /« Strophen aus dem Anfang des Gedichtes isterhalten. Hier nennt sich der Verfasser (mit Recht?): von Kemenaten Al-

1 Metrik. Zupitza, Dt. Heldenb. (Berlin) V 201-4. Abhandl.: W. Grimm, HeldensageS. XXXIX ff. (ebda Stil); Saran, Verslehre S. 174. 338; Uhlands Schriften 8, 354 f.; Sin-S. 262. 296 f.; v. Kraus, Bayer. Ak. aaO. ger, Handwörterbuch des deutschen Aber-S. 60-62. glaubens, 1930, 926 f., wo noch weitere in die-

2 Ausgaben: Haupt, ZfdA. 6, 520-29; ser Richtung gehende Lit.; Eberhard Klaass,v.d.Hagen, Heldenbuch, 1855, II, 525-28; Stammler Verfasserlex. 2, 55-57. Hs.Nürn-Zupitza, Dt. Heldenbuch (Berlin) V, 1870, berg Germ. Museum.