170 Die erzählende Dichtung
brand den Kopf ab, währenddessen streitet Dietrich mit den Mannen des Heidenkönigs; Kampfmit einem Drachen. Virginal läßt Dietrich zu sich laden, er reitet dahin und unterwegs be-gegnen ihm viele Abenteuer. Er wird von einem Riesen gefangen; Kampf mit diesem im Ge-fängnis, Dietrich schlägt ihn tot. Dann ein Wust von Riesenkämpfen und mit Drachen. InJeraspunt, der Burg der Königin Virginal, war große Freude, als sie ihren Befreier mit seinenMannen empfing. Feste werden gefeiert mit Tanz und Turnier. Da kommt der Bote Ruolandvon Bern; er verkündet, Dietrich müsse nach Hause kommen, sonst wäre das Land verloren,man will die Stadt belagern. Virginal beklagt diese Botschaft sehr; Dietrich und Hildebrandziehen nach Bern und werden dort froh empfangen.
Der Stoff des Originals der drei Fassungen ist aus Märchenmotiven undfreier Erfindung zusammengesetzt, hat höfische und volkstümliche Bestand-teile; manches Gefällige ist aber zu schwerfällig behandelt und lang gedehnt.Virginal hat Entlehnungen aus Wolfdietrich und Wolframs Willehalm (Lun-zer aaO.). Andererseits finden sich Entlehnungen und Anklänge bei MeisterAltswert (s. Henrik Becker, ZfdPh.53, 161-66).
Das Gedicht — in seinen drei Fassungen — besteht aus Strophen von12 Versen in der Reimstellung aab aab cd cd ee, die Zeilen haben 4 Hebun-gen stumpf oder 3 Hebungen klingend; der letzte Vers ist um das doppelteverlängert, 8 Hebungen stumpf, die „Bernerstrophe", der „Bernerton". 1
Sigenot 2ein Riesenabenteuer des jungen Dietrich, ist in zwei Fassungen erhalten, ineiner älteren, kürzeren (um 1250 und in einer jüngeren, längeren (um 1350),die eine Bearbeitung der älteren ist. Der ältere Sigenot hat 44 Strophen, derjüngere 196. 199. 201. 203 Strophen (Einschübe). Der Wortlaut ist in beidenFassungen sehr verschieden. Die metrische Form, zwölfzeilige Strophen, istdie gleiche wie in der Virginal und den andern dem Albrecht von Kemenatenzugeschriebenen Gedichten.
Inhalt des älteren Sigenot: Dietrich findet im Walde einen schlafenden Riesen und wecktihn auf; dieser erkennt ihn, wirft ihm vor, er habe seinen Neffen erschlagen, schlägt ihn mit
1 Stil, Metrik: Wilmanns, ZfdA. 15,294-309; 1490, mit vollständ. Bibliographie, 1894, dazuZupitzas Ausg. Einleit. S. V ff.; C. v. Kraus Seemüller, Anz. 24, 294; P. Heitz, Dietr.aaO., ZfdA. 50, 1-123; Ders., Der rührende von Bern (Sigenot), 14 Straßburger Original-Reim im Mhd., ZfdA. 56, 73 f.; Ernst holzstöcke aus e. alten bibliographisch völligSchmidt aaO.; Schirokauer, Beitr. 47 Reg. unbekannten Ausgabe des 16. Jh.s, 1894; A.S. 125; Brinkmann, Wesen u. Form S. 180 f. Clemens Schoener, Der jüngere Sigenot nach184. — Eine Hs. und viele Bruchstücke. sämtl. Hss. u. Drucken hgb., 1928, dazu
2 Ausg.: v. d. Hagen u. Primisser, Der Hei- Schröder, Anz. 28, 27-33; Behaghel, Lbl.den Buch II, 1825, 117-42; v.d.Hagen, Hei- 1930, Sp. 8, Piquet, Rev. germ. 20, 384 f.;denbuch II, 1855, 1-17; J. v.Lassberg, Ein Bruchstück: Karajan, Zu Sigenot, ZfdA. 5,schoen und kurzweilig gedieht von einem Rie- 245-50; Wegener, Bilderhss. d. Heidelbergersen genannt Sigenot... zum ersten Mal ans Univ.-Bibl., 1927, S. 79. — Abhandl.: W.liecht gestellt... 1829 durch Meister Seppen Grimm, Heldensage S. 271-74; Das jüngerevon Eppishusen ... 1830; O. F. H. Schön- Gedicht vom Riesen Sigenot in: Ad. Studienhuth, Die Klage sammt Sigenot u. Eggenliet, von Jänicke, Steinmeyer u. Wilmanns,nach dem Abdruck der ältesten Hs. des Frei- 1871; Schneider, Wolfdietrich, 1913, 197. —herrn Jos. v. Laßberg, 1839, neue Ausg. 1846; Der ältere Sigenot ist hgb. bei Lassberg,Osk. Schade, Sigenot, nach dem alten Nürn- Schönhuth, Zupitza; der jüngere bei v.d.Ha-berger Drucke..., 1854; Zupitza, Dt. Hei- gen 1825, Schade, Schorbach, Schoener. —denbuch (Berlin) Bd. V, 1870, 205-15; K. Üb. die Wasserburg-Donaueschinger Hs. s.Schorbach, Seltene Drucke in Nachbildungen unter Sigenot.
IL Dietrich von Bern (Sigenot), Heidelberg