Die kleineren Heldenepen 169
Das Gedicht hat kein Lied als Grundlage, der Stoff begegnet auch in derThidrekssage; das Originalepos ist verloren und die überlieferte Form ganzverdorben. Durch den rührsamen Inhalt hat das Gedicht jedenfalls Eindruckgemacht, auch hebt es die Rittertugenden stark hervor. Verfaßt ist es voneinem Fahrenden aus Ostfranken um 1250. 1
Vier Gedichte, die im Dialekt (alemannischer Ursprung) und in der Metrikgleich sind sowie im Stil und in der ganzen Haltung, in der Einwirkung rit-terlicher Dichtung, im Grundmotiv „dventiure suochen", und die zum Inhalttirolische Zwerg- und Riesenmärchen haben, werden für Werke ein und des-selben Verfassers, des Albrecht von Kemenaten (wahrscheinlich aus demThurgau) gehalten. 2
Es sind Virginal, Sigenot, Eckenlied, Goldemar; genannt ist Albr.von Kemenaten nur im Goldemar. Als Zeit der Abfassung ist etwa 1270-80anzusetzen.
Virginal
ist in drei stark voneinander abweichenden Bearbeitungen vorhanden, dieverschiedene Namen führen:
Virginal, Dietrichs erste Ausfahrt, Dietrich und seine Gesel-len. 3 Sie gehen auf ein Original zurück, das aber nicht erhalten ist. Virginal,genannt nach der Hauptperson, einer Zwergkönigin, ist um 1280 in Aleman-nien entstanden.
Inhalt; nach der Fassung Virginal: Hildebrand fordert den jungen Dietrich zu seinen erstenAbenteuern auf. Ein Heide bedrängt die junge Königin Virginal von Tirol. Dietrich zieht, auf-gefordert von Hildebrand, mit diesem aus; sie treffen im Walde eine lautschreiende Jungfrau,die die Not ihrer Herrin beklagt; der Heide kommt heran, in hartem Kampfe schlägt ihm Hilde-
1 Stil und Metrik: Martin, Einleitung S.Vff.; 36. — Abhandlungen: Martin, König Diet-Schönbach, Das Christentum aaO., 1897, rieh von Bern u. seine Genossen, 1867; Zu-209-48; Jiriczek, Beitr. 16, 115-99; Kett- pitza, Verbesserungen zu den Drachenkämp-ner, ZfdPh. 31, 24-39. fen, Bresl. Diss. 1869, dazu Bartsch, Germ.
2 Ihn nennt Rudolf von Ems in seinen beiden 15, 249 f.; Wilmanns, Über Virginal, DietrichDichterverzeichnissen Willehalm V. 2244 f. u. seine Gesellen u. Dietrichs erste Ausfahrt,und Alexander V. 3252, aber nicht seine Ge- ZfdA. 15, 294-309; Jiriczek, Deutsche Hei-dichte. Über Albrecht von Kemenaten s. densage I, 1898, bes. S. 222 ff.; Lunzer, Üb.Steinmeyer, ADB. 15, 597; Schröder, ZfdA. Dietrichs erste Ausfahrt, ZfdA. 43, 193-257 u.67, 234 u. Anm. — Für einen Verfasser tre- Anz. 25, 395; J. v. Lunzer, Zu „Virginal" u.ten ein Uhland, Schriften 8, 354 ff.; Haupt, „Dietrichs erste Ausfahrt", Progr. Wien 1900;ZfdA.6,520-29, dazu Müllenhoff.Zut Gesch. J. Lunzer, Die Virginal A u. Wolframs Wille-der Nibel. Not S. 9 Anm. ; J. V. Zingerle, halm, ZfdA. 52, 113-34; Ders., ArabischeGerm. 1, 295 f.; Zupitza in seiner Ausgabe Worte in „Dietrichs erster Ausfahrt", ZfdA.Bd. V S. XLVII ff.; andere, bes. neuere For- 53, 197 f.; Ders., Arona, ebda S. 1-61; Ernstscher nehmen verschiedene Verfasser an. Schmidt, Zur Entstehungsgeschichte u. Ver-ausgaben: Zupitza, Dt, Heldenbuch (Ber- fasserfrage der Virgenal, Prager dt. Studien
lin) V, 1870, dazu Steinmeyer, ZfdPh. 3, 237 H. 2, 1906, dazu Martin, Anz. 31, 58, Rosen-
-44. Bruchstücke: Haupt, ZfdA. 6, 308-10; hagen, ZfdPh. 41, 67-70, Pohl, ZföG. 58, 740
v.d.Hagen, Heldenbuch 1, 1855, S. LVff.; -42; C. v. Kraus, Virginal u. Dietrichs Aus-
Lexer, ZfdA. 13, 377-81; Barack, Germ. 6, fahrt, ZfdA. 50, 1-123; Schneider, Wolfdiet-
25-28; Huber, Münchn. Mus. 1, 1911, 46-63; rieh S. 186 ff.; Schneider, Germ. Heldensage
O. v. Heinemann, ZfdA. 32, 74 ff.; Schrö- I S. 269 ff.; Naumann, Festschr. Ehrismann
der, ZfdA. 54, 412-19; Priebsch, Arch. 145, 1925, 93. — Anklänge u. Entlehnungen bei
30-34; Wallner, Anz. 37, 116; Wegener, Meister Altswert: Henrik Becker, ZfdPh. 53,
Bilderhss. in d. Heidelb. Univ.-Bibl., 1927, 161 ff.