168 Die erzählende Dichtung
Königskinder und der Darstellung des Schmerzes Dietrichs und der Eltern.Diese Episode war auf der prächtigen Haube des geckenhaften jungen Helm-brecht abgestickt, ,von frouwen Heichen kinden, wie die wilen vor Raben denlip in stürme verloren haben' ff., Meier Helmbrecht vonWernher dem Gar-tenaere V. 72-82.
Alpharts Tod 1
Dieses Gedicht bildet einen Ausschnitt aus den Kämpfen zwischen Dietrichund Ermenrich. Nur in einer Hs. des 15. Jahrhunderts, in der eine Reihevon Blättern fehlen, schlecht überliefert; erhalten sind 467 Nibelungen-strophen (Hildebrandston). Den Titel nennt das Gedicht selbst in der Schluß-zeile: Alphartes tot. Es bietet viele Unklarheiten, die nicht zu enträtseln sind,und die innere Einheit ist gestört. Der Inhalt wird also hier nicht derReihenfolge der Hs. und der Ausgabe nach wiedergegeben.
Ermenrich läßt durch seinen Degen Heime Dietrich den Krieg ansagen; Heime reitet nachBern und überbringt die Botschaft; Dietrich hält Kriegsrat mit seinen Mannen; Alphart, derNeffe Hildebrands, rät, einen Kundschafter gegen die Feinde auszusenden, und erbietet sich, aufdie Warte zu gehen; Wolf hart, Alpharts Bruder, und Dietrich selbst sowie der alte Hildebrandraten ab, und flehentlich bittet ihn seine Braut Amelgart, von seinem Plane abzustehen. Aberer reitet fort über das Gefilde. Da reitet ihm Hildebrand nach, Alphart, der den Gepanzertennicht erkennt, hält ihn für einen Mann Ermenrichs, und so kommt es zwischen beiden zu einemKampf, in dem er den Alten zu Boden schlägt, ihn aber, als er ihm den Helm abbindet, erkennt;der empfiehlt ihn der Gnade Christi. Auf der Warte besiegt Alphart den Herzog Wülfing underschlägt ihn mit den meisten seiner 80 Genossen. Da sprengte Witege gegen ihn an. Alphartheißt ihn; der Dietrich den Treueid geschworen hat, einen Meineidigen. Nach einem Trutz-gespräch beider geht es zum Kampf, in dem Alphart den Witege vom Pferde sticht und wehrlosmacht; es wäre ihm ein Leichtes gewesen, ihn zu durchbohren, aber dagegen wehrte sich seinedler Sinn. Da kommt Heime und versucht den Streit zu schlichten, aber Witege erhebt sichwieder und so dringen die Zwei auf den Einen. Alphart schlägt sie beide zu Boden, aber schließ-lich hauen sie den Ermüdeten nieder, und Witege stößt ihm das Schwert in den Leib. Nach die-sem eigentlichen Ende des Gedichtes folgen nach einer Lücke in der Hs. noch viele KämpfeStr. 306-467.
1 Ausgaben: v. d. Hagen, Heldenbuch 1, Mühlhausen in Thür. 1891, dazu Kinzel, Zfd-
1855; Martin, Deutsches Heldenbuch (Ber- Ph. 24, 258, Behaghel, Lbl. 1893, 351, Höl-
lin) II. Bd., 1866, 2-54, dazu Scherer, Kl. scher, Arch. 87, 257 ff.; Kettner, Die Ein-
Schr. 1, 636 ff. — Übersetzung: Simrock, Das heit des Alphartliedes, ZfdPh. 31,24-39; Ders.,
kleine Heldenbuch 1844.1859; K. J. Schröer, Das Verhältnis des Alphartliedes zu den Ge-
Reclam Nr. 546; G. L. Klee, Apharts Tod, dichten von Wolfdietrich, ZfdPh. 31, 327-35;
neubearbeitet 1880, dazu Behaghel, Lbl. Schönbach, Das Christentum in der altdeut-
1880. 469.— Abhandl.: W.Grimm, Helden- sehen Heldendichtung, 1897,209^8; Rich.
sage S. 236-44; Goedeke, Dt. Dichtung im Mansky, Untersuchungen üb. Alpharts Tod,
MA. 2 , 1871, 492-502; R. v. Muth, Zur Kritik Gott. Diss. 1904; Piquet, Notes sur la le-
des Alphart, ZfdPh. 8, 205-13; Fr. Neu- gende de Dietrich et de la mort d'Alphart, Le
mann, Untersuchungen üb. Alpharts Tod, Havre 1904, dazu Minckwitz, Cbl. 58, 28;
Germ. 25, 300-19; Rud. Löhner, Beiträge zu Eckerth, Das Waltherlied 2 1909 (s. oben)
Alpharts Tod, Progr. Kremsier 1885; Jiri- S. 119-21; Schneider, Wolfdietrich, 1913,
czek, Die innere Geschichte des Alphartliedes, 198; Ders., ZfdA. 58, 105 ff.; Rud. Knapp,
Beitr. 16, 115-99; Martin, Zur Kritik des Das Problem der Einheit von „Alpharts Tod",
Alphartliedes, Beitr. 16, 471-76; E. Kett- Tüb. Diss. 1925, Masch.-Druck; Hans Bork,
ner, Untersuchungen üb. Alpharts Tod, Progr. Stammlers Verfasserlex. 1, 64-69.