Die kleineren Heldenepen 167
ben. 1 Für beide bestanden ältere, verlorene Vorlagen. Der Verfasser, Hein-rich der Vogler, war ein Fahrender, der nur ein poetisch ganz geringwertigesMachwerk zustande brachte, das er durch Entlehnungen aus dem Nibelun-genlied und aus anderen Heldenepen, aber auch aus höfischen Epen, ausWolfram, aufzuputzen suchte.
Die Rabenschlacht
An Dietrichs Flucht schließt sich unmittelbar die Rabenschlacht an mitWiederholung der Kämpfe zwischen Dietrich und Ermenrich. 2 Den Inhaltgibt das Gedicht selbst in der Eingangsstrophe: von großer Heerfahrt;wie der von Bern seine Länder verteidigte gegen Ermenrich, der sie ihmverwüstete.
Am Hunnenhofe, wo er sich aufhielt, klagt Dietrich immer um seine Helden, die er im Kampfeverloren hat. Etzel rüstet ein Heer für Dietrich und die Hochzeit mit Herrat wird gefeiert. Dannzieht Dietrich mit dem Heer gegen Raben. Die jungen Söhne Etzels, Ort und Scharf, und derjunge Bruder Dietrichs, Diether, ziehen mit, sollen jedoch nicht mitkämpfen, aber trotz allerZurückweisung reiten sie ins Feld hinaus. Da begegnet ihnen der starke Witege, der sie heim-schickt. Die Jungen greifen ihn trotz seiner Warnung an, werden aber nach tapferem Kampfetot geschlagen. Im Kampfe mit dem mit den Hunnen verbundenen Berner wird Ermenrich be-siegt. Da wird Dietrich die Nachricht von dem Tode der drei jugendlichen Königskinder ge-bracht. Er stürmt hinaus, wirft sich in heftigem Schmerz über die drei Leichen, jagt Witegenach und verfolgt ihn bis ans Meer, da zieht diesen ein Meerweib hinab in die Wellen. Dietrichverwüstet Raben, Ermenrich ist entflohen. Rüedeger meldet Helche und Etzel den Tod ihrerSöhne, den verzweifelten Schmerz Dietrichs und seine Unschuld, und die Eltern verzeihen ihm.
„Dietrichs Flucht" hat die „Rabenschlacht" stark beeinflußt und beidestimmen auch in stilistischen Eigenheiten so eng miteinander überein, daßman sie früher für Werke eines Verfassers angesehen hat. Ihre Form ist ver-schieden; die Rabenschlacht ist in Strophen gebaut (1140 Str.: 6 Zeilen ac,bd, ef reimen, ac drei Heb. klingend, bd drei Heb. stumpf, ef drei Heb. undfünf Heb. klingend).
Das Gedicht muß trotz seiner ungewandten Ausdrucksweise Eindruck ge-macht haben, wegen der rührenden Szene von dem Tode der drei jungen
1 So von Emil Peters aaO., Wegener aaO. bes.: Martin, Dt. Heldenbuch (Berlin) Bd. II,— Dietrichs Flucht und Rabenschlacht zu- 1866; Jiriczek, Kudrun u. Dietrichsepen insammen behandelt, ohne ausdrücklich als von Auswahl, Samml. Göschen Nr. 10, 1920;einem Verfasser angesehen zu werden: Mar- Pfeiffer, Bruchstück, Germ. 12, 52 f.;tin, Ausg. S. XLIV; Heusler, Hoops Real- Zwierzina, Seckauer Bruchstücke der Ra-lex. 1,464 ff.; W. Haupt, Zur nd. Dietrichsage, benschl., Beitr. 50, 1-16. — Übersetzung:Pal. 129, 1913, 212 ff.; Schneider, Wolfdiet- L. Rückmann, Reclama. 1890. — Abhandl.:rieh S. 200 f.; Ders., ZfdA. 58, 100 ff.; Leitz- W. Grimm, Heldensage S. 184-202. 207-13;mann, Dietrichs Flucht u. Rabenschlacht, Goedeke, Dt. Dichtung im MA. 2 , 1871, 502ZfdPh. 51, 46-91 (endgültiger Beweis gegen -09; Eckerth, Das Waltherlied, 1909 (s.Verfassereinheit beider Gedichte); Götze, oben), S. 125-28; Schneider, ZfdA. 54, 359Dietrichs Flucht usw. aaO.; s. auch Maurer, -69; A.H.Krappe, Notes on the Raben-ZfdPh. 56, 150. schlacht, Mod. Lang. Notes 38, 1923, H. 8;
2 Ausgaben: v. d. Hagen u. Primisser, Leitzmann, Dietrichs Flucht u. Rabenschlacht,Der Helden Buch Bd. 2, 1925; v.d.Hagen, ZfdPh. 51, 46-91 (s. oben); Götze, „Diet-Heldenbuch I, 1855, Die Ravennaschlacht; L. richs Flucht", „Rabenschlacht" u. Wern-Ettmüller, Daz Maere von Vrou Heichen hers „Helmbrecht", ZfdPh. 51, 478.
Sünen aus der Ravennaschlacht hgb., 1846;