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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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166 Die erzählende Dichtung

leitenden Reden und dem Gefecht. Eine Ausnahme macht die wichtigsteKampfszene, die zwischen Dietrich und Sigfrid (Abschn. XVI Str. 322-70).Trotz der Reizrede Sigfrids wagt Dietrich nicht, ihn zu bestehen, weil erhürnin sei. Da schilt ihn Hildebrand in hellem Zorn und schlägt ihn so hef-tig auf den Mund, daß er zu Boden fällt; auch Wolfhart schimpft ihn Feig-ling. Da verlangt Dietrich sein Roß und reitet in den Rosengarten.

Die beiden Fassungen A und D weichen beträchtlich voneinander ab. DasOriginal der Rosenkranzdichtung kann nicht sicher hergestellt werden; dieursprüngliche Grundlage bildet ein episches Lied. Das erhaltene Leseeposbzw. die betreffenden Fassungen fallen nicht vor die Mitte des 13. Jahrhun-derts.

Die Darstellung hat manches Anerkennenswerte; die Neigung zum Bur-lesken unterbricht wirksam die Einförmigkeit des Stoffes. Die metrischeForm ist ziemlich locker; Hildebrandston. 1

Die folgenden zwei Epen, die Ausschnitte aus Dietrichs Leben behandeln,sind damit inhaltlich verbunden.

Dietrichs Flucht

Das Gedicht besitzen wir in einer minderwertigen Bearbeitung eines sonstunbekannten Mannes, der sich Heinrich der Vogler nennt (V. 8000). Eszählt 10152 V., Reimpaare. 2 Verfaßt um 1280 von einem Dichter aus Tirol.

Inhalt. Das Gedicht besteht aus zwei Teilen. Zuerst werden die Ahnen Dietrichs aufgezählt.Der Stammvater ist Dietwart, König von Rom, in dem das Idealbild eines tüchtigen Fürstengezeichnet ist. Er nimmt auf Rat seiner Getreuen die Tochter des Königs Ladiner von Westen-meer, Minne, zur Frau; ihr Sohn ist Sigeher, der Amelgart von derNormandie heiratet, die MutterSiglindens, der Gemahlin des Königs Sigmund von den Niederlanden, die die Eltern Sigfridswaren. Dann folgt Hugdietrich, dessen Söhne die Brüder Diether, Dietmar, Ermenrich, derschlechteste aller Menschen, sind. Zweiter Teil, von V. 2519 an; die Flucht. Kämpfe zwischenDietrich von Bern, dem Sohn Dietmars, und Ermenrich. Schließlich muß Dietrich das Landräumen und flieht zu Etzel in das Hunnenland, wo er von Etzel freundlich aufgenommen mancheJahre weilt und Herrat, die Nichte der Helche heiratet; schließlich kehrt er nach Bern (Verona)zurück, nachdem er den schändlichen Ermenrich vertrieben hat.

Das Gedicht heißt Das Buch von Berne, 10129. Der Inhalt ist auch zumTeil in die Thidrekssage aufgenommen worden.

Dietrichs Flucht ist immer zugleich mit derRabenschlacht" überliefert,und zwar in vier Hss., beide wurden früher oft einem Verfasser zugeschrie-

1 Sprache, Metrik: Holz, Ausg. S. LXXIV Peters, Heinrich der Vogler, der Verfasser

-C; Stil auch: Brinkmann, Wesen u. Form von Dietrichs Flucht u. der Rabenschlacht,

S. 78. 182. Progr. Berlin 1890; Baesecke, Münchener Os-

2 Ausgaben:v.D.HAGENu.PRiMissERaaO.; wald, 1907, Reg. S.440; Sprenger, ZfdPh.

Martin, Dt. Heldenbuch (Berlin) II, 55-215, 27, 284 f. (Stelle); W. Eckerth, Das Walther-

1866. Fragmente: Pfeiffer, Germ. 12, 52; lied (s. oben), 122-24; Götze,Dietrichs

v. Ottenthal, ZfdA. 23, 336-41. Ab- Flucht",Rabenschlacht"u.WernhersHelm-

handl.: Goedeke, Dt. Dichtung im MA. 2 , brecht", ZfdPh. 51, 478. Sprachliches,

1871, 461-63 (Dietrichs Ahnen u. Flucht); Metrisches s. Martin in seiner Ausgabe

Wegener, Die Entstehung von Dietrichs S. XXXVIII-LIX; Zwierzina, Anz. 26 Reg.

Flucht zu den Heunen u. der Rabenschlacht, S. 346. 27 Reg. S. 342.ZfdPh. Ergänzungsband 1874, 447-581; Emil