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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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Die kleineren Heldenepen

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den nachgeahmt, und der Verfasser, wohl ein Steiermärker, der in der zwei-ten Hälfte des 13. Jahrhunderts dichtete, war sehr belesen in der ritterlichenLiteratur der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts.

Inhalt: Biterolf, der König von Toledo, hat seine Gemahlin Dietlind und seinen kleinen SohnDietleib verlassen und ist auf Abenteuer ausgezogen. Als Dietleib herangewachsen ist, entfernteer sich heimlich, um den Vater zu suchen. Er kommt an den Rhein, wo er Günther, Gernot undHagen begegnet, mit denen er zu kämpfen hat. Er zieht zu Etzel, bei dem er sich in dem Kriegegegen die Polen auszeichnet, in welchem auch sein Vater Biterolf mitkämpft. Nach der Rück-kehr nach Etzelnburg erkennt Rüedeger die beiden als Vater und Sohn. Dann folgt als größtesGeschehnis die Heerfahrt an den Rhein, ein Rachezug für den früheren Überfall, wobei fastalle Helden der deutschen Heldensage beteiligt sind; Biterolf, Dietleib, Dietrich von Bernkämpfen gegen Günther, Gernot, Sigfrid und siegen. Die Hunnen und ihre Kampfgenossenkehren nach Hause zurück, Biterolf und Dietleib nehmen Abschied und ziehen heim nachToledo.

Das Gedicht ist stark vom Nibelungenliede beeinflußt und hat mancheStellen fast wörtlich daraus aufgenommen (Kettner, ZfdPh. 16, 345-61);auch mit der Klage hat es Berührungen. Häufig sind die Anspielungen aufdas Epos Walther und Hildegunde. 1 Das Gedicht beruht auf einer älterenVorlage, die schon an sich wenig echte, einheitliche Sage bietet, sondern imwesentlichen eine Zusammenstoppelung von bekannten Sagenmotiven ist.In der sprachlichen und stilistischen Darstellung und in der Versbehandlungist der Dichter nicht ungewandt. 2

Dem Epos von Biterolf und Dietleib steht, soweit die erhaltenen Verse inBetracht kommen, inhaltlich nahe:

Walther und Hildegund 3

der Roen, 1. Teil, 1820; v. d. Hagen, Helden-buch I, 1855; Jänicke, Dt. Heldenbuch (Ber-lin), 1. Teil S. V-LVIII u. 1-197, dazu Sche-rer, Kl. Sehr. 1, 636f.; Auswahl: Henrici,Das dt. Heldenbuch aaO. S. 92-143. Ab-handle W. Grimm, Heldensage S. 123-28;Zinnow, Üb. die Entstehung der Sage vonBiterolf u. Ditleib, v. d. Hagens Germ. 5,1843, 25^3. 6, 181-83; E. Sommer, Die Sagevon den Nibelungen, wie sie in der Klage er-scheint nebst den Abweichungen der Nibelun-gen Noth u. des Biterolf, Germ. 20, 9-30; R.v. Muth, Alter u. Heimat des Bit., ZfdA. 21,182-88; Ders., Biterolf u. Nibelunge, ebda 22,382-87; Burdach, Klage u. Biterolf, in: Rein-mar d. Alte u. Walther v. d. V., 1880 (2. Aufl.1928), S. 131 Anm.; E. Kettner, Nibelungen-lied u. Biterolf, ZfdPh. 16, 345-61; Schön-bach, Üb. die Sage von Biterolf u. Dietleib,Wien. SB. 136, 1897, Nr. 9, 1-39, dazu Jiri-czek, Anz. 24,363-69; Plaehn, Untersuchun-gen üb. die Entstehung der Klage u. des Bite-rolf, Progr. Altenburg 1898; W. Rauff, Unter-suchungen z. Biterolf u. Dietleip, Bonn. Diss.1907; Eckerth, Das Waltherlied, 1909 (s. un-ten), S. 84-110; Helm, Beitr. 34, 102 f.; Pan-zer, Sigfrid, 1912, 58 f. (Biterolf u. Nibelun-gen); W.Haupt, Zur nd. Dietrichsage, Pal.

129, 1913, S. 1 ff.; Schneider, Wolfdietrich,1913, 206 f.; Johanna Maria Keyman, Kud-run en Biterolf, Diss. Groningen 1915; W.v. Unwerth, Eine schwedische Heldensage alsdeutsches Volksepos, Arkiv f. nord. Philol. 35,1918/19, 114-37; Sijmons, Taalkundige Bij-dragen 1, 300ff.; Justus Lunzer, Die Ent-stehungszeit des Biterolf, Euphorion Erg.-Heft16, 1923, 8-34; Schneider, ZfdA. 58, 127;Leitzmann, Wolframiana imBiterolf, Festschr.Sievers 1925, 550-53; Lunzer, Humor imBiterolf, ZfdA. 63, 25^13; Hagemeyer, DieQuellen des Biterolf, Tübing. Diss. 1926; Lun-zer, Arraz u. Arias, ZfdA. 65, 51-62; Bork,Stammlers Verfasserlex. 1, 238^10. Stellen:Jellinek u. Kraus, ZföG. 44,1893, 694 u. ö.;Herm. Schmidt, ZfdA. 54, 87. Die JugendDietleibs ausführlich in der Thidrekssage.

1 Siehe bes. Schneider, GRM. 13, 1925,15-18.

2 Sprache: Zwierzina, ZfdA. 44 Anz. 26 Reg.S.346. 45 Anz. 27 Reg. S.342; Stil: Gott-lieb Stolz, Epitheta ornantia im Kudrunlied,im Biterolf u. im Nibelungenlied, Tübing. Diss.1930; Metrik: v. Kraus, Der rührende Reimim Mittelhochdeutschen, ZfdA. 56, 72 f.

3 Abdrücke: Th. G. von Karajan, Früh-lingsgabe, 1839; Massmann, ZfdA. 216-22;