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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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162 Die erzählende Dichtung

Vater hat sie in einen Turm eingeschlossen. Hugdietrich verkleidet sich als Mädchen und gibtsich in Salnecke für seine eigene Schwester Hildgund aus. Wegen ihrer großen weiblichen Fertig-keiten, die er vorher eingeübt hatte, wird sie zu Hildburg in den Turm gelassen. Diese gebierteinen Sohn, das Kind wird, um es zu verheimlichen, von den Turmwächtern an der Burgmauer inein Gebüsch gelegt; ein Wolf kommt, trägt es in sein Versteck und bringt es seinen Jungen, dieihm keinen Schaden zufügen. Dort findet es der König Walgund auf der Jagd und bringt es nachHause. Dann stellt sich heraus, daß es das Kind seiner Tochter und daß die vermeintliche Hild-gund nicht die Schwester Hugdietrichs, sondern dieser selbst ist. Walgund ist versöhnlich ge-stimmt; großes Hochzeitsfest. Der Knabe wird Wolfdietrich genannt und durch Berchtung er-zogen. Sein Vater Hugdietrich teilt sein Reich nach seinem Tode unter seine drei Söhne, aberdie beiden jüngeren nehmen dem Wolfdietrich sein Erbe Konstantinopel. Kampf in der Stadt;Berchtung und Wolfdietrich müssen fliehen. Im Gebirge wird letzterer von einem Ungeheuer,der rauhen Eis, geraubt, die sich aber in einem Jungbrunnen in ein schönes junges Weib ver-wandelt; die beiden heiraten sich, sie bringt ihm ihr ReichElfentroja" bei und heißt nun wie-der wie vordem Sigminne. Wolfdietrich zieht nach Garda, um mit Ortnit zu kämpfen; Zwei-kampf, Ortnit wird besiegt; Versöhnung. Wolfdietrich zieht ins heilige Land, dann, nach man-chen Abenteuern, zurück an den Gardasee zu Ortnit, der von den Würmern getötet wordenwar. Wolfdietrich erschlägt den Drachen und seine Jungen. Beim Weiterreiten verirrt er sichim Gebirge und kommt vor die Burg Falkenis, deren Besitzer, der Heidenfürst Belian, ihnfreundlich aufnimmt und ihm seine Tochter anbietet; aber diese ist nur eine Lockspeise für dieFremden, die der Vater zu töten und deren Köpfe er auf die Zinne zu pflanzen pflegt. Am näch-sten Tage fordert der Burgherr den Wolfdietrich zum Messerwerfen heraus und mit dem drit-ten Wurf trifft Wolfdietrich den Heiden ins Herz. Er reitet nach Garda und heiratet OrtnitsWitwe. Nach dem Tode seiner Frau geht er in ein Kloster.

Drei Hss. Wolfdietrich B und D haben mehrere Berührungen mit Hart-manns Iwein (LG. II 2, 1 S. 173 Anm. 2).

c) Wolfdietrich C und D. 1 C ist nur in Bruchstücken erhalten, mittel-fränkisch, nicht vor 1250. D ist eine Verschmelzung von A, B und C, verfaßtgegen 1300; alemannisch; eine ausführlichere Erzählung des Hug- und Wolf-dietrichstoffes; 2242 Nibelungenstrophen (Hildebrandston); 7 Hss. Die Fas-sung D nennt Wolfram von Eschenbach als den Verfasser, in der Ausg. Ame-lung u. Jänicke S. 61 Str. 133.

Die historische Grundlage der Wolfdietrichsage liegt in der Geschichte derältesten Merovinger. Hugdietrich ist der erste Frankenkönig Chlodovech(Chlodwig, 481-511), in Wolfdietrich sind seine zwei Nachfolger Theuderich(511-33) und Theudebert (534-48) zusammen sagenhaft geworden. Der mäch-tige Saben hat ganz die Stelle eines Majordomus. Die Wolfdietrichdichtungist beeinflußt von dem afranz. Merovingerepos Floovent (12. Jahrhundert).

Während Wolfdietrich A wie Ortnit eine mehr dem Stil und der edlerenDarstellungsweise des Nibelungenliedes verwandte Form wahren, ist Wolf-dietrich B und D spielmännisch oberflächlich, formelhaft dahingeworfen.

Biterolf und Dietleib-

Dieses Heldengedicht hat seine besondere Eigentümlichkeit darin, daß esdas Gepräge eines Ritterromans trägt; höfischer Inhalt und Geschmack wer-

1 Holtzmann, Der große Wolfdietrich, 1885 S. 16-236.

(= C+ D);C, Amelungu. Jänicke, Dt. Hei- 2 Ausgaben: v. d. Hagen u. Primisser, Derdenbuch, 3. Bd., 1873, 13-15. .137-39. D, ebda Helden Buch und das Heldenbuch Kaspars von