Die kleineren Heldenepen 157
gotenreich in Italien begründete (er regierte 493-526) und seine Residenz inRavenna (deutsch Raben) oder Verona (Bern) hatte. Das Königsgeschlechtder Ostgoten waren die Amaler (s. oben), danach die Dietrichsage auchAmelungensage, sein Land Land der Amelunge, er selbst König der Ame-lunge oder von Amelungeland genannt wurde. Theodorichs Vater war Theo-demir, in der Sage Dietmar.
Die Dietrichsage ist eng mit dem Nibelungenlied verknüpft, in welchemDietrich von Bern und sein Waffenmeister Hildebrand im letzten Teil, demBurgundenuntergang, hervorragend beteiligt sind (s. oben Nibelungenlied).Den Rahmen für die vielen Gedichte des Dietrichkreises bildet seine Lebens-geschichte, die sich aus diesen zusammenstellen läßt. Ermenrich (dieser ist inder Sage, außer im alten Hildebrandslied, an die Stelle Odoakers getreten)wurde von seinem Ratgeber Sibeche aufgehetzt, auch Dietrich zu verderben;darum floh dieser vor Ermenrich zu Etzel und lebte bei ihm in der Verban-nung. In der Schlacht von Ravenna (Raben) kämpfte er erfolglos gegen Er-menrich; erst nach 30 Jahren, nach dem Tode dieses bösartigen Tyrannen,kehrte er in sein Reich zurück und regierte lange, wobei er viele tapfere Tatenvollbrachte. Nach der Kaiserchronik V. 14172 sahen manche, wie die Teufelden Ermenrich in den Berg Vulkan führten, wo er bis zum jüngsten Tagbrennt. 1 Hier widersprechen sich Sage und Geschichte. Theodorich wurdenie aus seinem Reiche Italien vertrieben; im Gegenteil, er hat Odoaker ver-trieben und getötet. Er war nie an Attilas Hofe, denn dieser starb 453, einJahr vor Theodorichs Geburt. Ermenrich war nicht der Oheim Theodorichs,da er schon 375 gestorben war.
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= Drucke u. Holzschnitte d. 16. Jhs., Bd. 15, * W. Grimm, Heldensage S. 38.1922; Fr. v. Bezold, Zur Gesch. der Dietrich-