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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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Gudrun 151

stück zu dem durch Verstand sich auszeichnenden Fruote, er ist der künst-lerische sanges meister. Wieder eine andere Charakterfigur ist der alte Wate,der Typus des Kriegers; sein Element ist der Kampf, seine Kampflust gehtbis zur Tobsucht, er ist ein Berserker. Sein Land ist Sturmland, Stürmen,das Land der Sturmi an der unteren Weser, Nachbar der Friesen. Hart-mut ist eine edle großmütige Natur. Herwigs Persönlichkeit ist nicht aus-geprägt. Gudrun ist eine Frauengestalt von hoher, sittlicher Größe. Beiihrer Bedeutung im Plan der Handlung kommt die Entfaltung ihres Charak-ters in den verschiedenartigsten Lebenslagen zur Geltung; am hoheitsvoll-sten erweist sie sich im Unglück, sie ist eine Heldennatur und trotz ihrer Magd-dienste eine stolze germanische Fürstentochter, ein Bild der Hoheit in der Er-niedrigung. Hilde wird ganz allgemeindie schöne" genannt und wegendieser Eigenschaft in ihrer Jugend viel umworben.

Gudrun und andere Dichtungen. Die Gudrun setzt das Nibelungen-lied voraus 1 (s. oben), sie ist von diesem beeinflußt und weist zahlreicheeinzelne Parallelen zu ihm auf; aber auch ganze Szenen haben die Technikdes Nibelungenliedes zum Vorbild wie Kämpfe, Feste, Vorgänge des höfischenLebens; dietiufelinne" Gerlind ist Nachbildung dervdlandinne" Kriem-hild, u.a. (Metrik s. unten). Auch an die Klage nähert sich eine Szene an. 2Mit Wolfram hat der Dichter schon durch seine Wesensart Berührungen; 3bezüglich der Beziehung zu Gotfrid s. Schneider, Tristan u. Kudrun, ZfdA.64, 298-300. 4

Im frühmhd. Alexanderlied des Pfaffen Lamprecht 5 (s. LG. II, 1, 235-55)V. 1830ff. wird ein Kampf aus der Gudrun geschildert: Von einen volcwigehöre wir sagen, der äf Wulpinwerde geseach, dar Hilden vater tot lach inzwischenHagenen unde Waten ff. Ähnlich auch in den angelsächsischen GedichtenVidsid, Weitfahrer (um 700), und Deors Klage sowie in einem englischenVolkslied. 6

Altertümer in der Gudrun. Natürlich ist die Gudrundichtung aucheine Fundgrube für die Kenntnis von Sitten und Gebräuchen, des häuslichenLebens usw., das zeigt die reichliche, zu diesem Gesichtspunkt erschieneneLiteratur:

0. Härtung, Die deutschen Altertümer des Nibelungenliedes und der Kudrun, 1894; K.Rich-ter, Einige Züge altgermanischen und mittelalterlichen Lebens, dargestellt nach der Küdrun-dichtung, Progr. Prag-Altstadt 1899; M. Schwarze, Die Frau im Nibelungenlied und in derKudrun, ZfdPh. 16, 385-470; Elsbet Kaiser, Frauendienst im mhd. Volksepos, Germ. Abh.54, 1921, 29-59; Otto Zallinger, Die Eheschließung im Nibelungenlied u. in der Gudrun,

1 E. Kettner, Der Einfluß des Nibelungen- Biterolf: Symons 2 S. XLIVf.; Johannaliedes auf die Gudrun, ZfdPh. 23, 145-217; Maria Keyman, Kudrun en Biterolf, Diss.Panzer, Hilde-Gudrun S. 140 ff.; Symons 2 Groningen 1915.

S.XCIf. B Piper S.CXXXIII; Symons 2 S. XLI f.

2 Symons aaO.; Panzer S. 144 ff. XLVI. Beziehungen zu andern deutschen

3 Symons aaO.; Panzer S. 149 ff. Gedichten: Piper S. CXXX ff.

4 Wigaleis in der Kudrun: W. Jungandreas, 6 Piper S. XXVIII f. CXXVIII ff.; Schnei-ZfdA. 54, 23; König Rother: Panzer, Hilde- der, German. Heldensage 1, 367 ff.Gudrun S. 151 f.; Übereinstimmungen mit