Gudrun 151
stück zu dem durch Verstand sich auszeichnenden Fruote, er ist der künst-lerische sanges meister. — Wieder eine andere Charakterfigur ist der alte Wate,der Typus des Kriegers; sein Element ist der Kampf, seine Kampflust gehtbis zur Tobsucht, er ist ein Berserker. Sein Land ist Sturmland, Stürmen,das Land der Sturmi an der unteren Weser, Nachbar der Friesen. — Hart-mut ist eine edle großmütige Natur. — Herwigs Persönlichkeit ist nicht aus-geprägt. — Gudrun ist eine Frauengestalt von hoher, sittlicher Größe. Beiihrer Bedeutung im Plan der Handlung kommt die Entfaltung ihres Charak-ters in den verschiedenartigsten Lebenslagen zur Geltung; am hoheitsvoll-sten erweist sie sich im Unglück, sie ist eine Heldennatur und trotz ihrer Magd-dienste eine stolze germanische Fürstentochter, ein Bild der Hoheit in der Er-niedrigung. — Hilde wird ganz allgemein „die schöne" genannt und wegendieser Eigenschaft in ihrer Jugend viel umworben.
Gudrun und andere Dichtungen. Die Gudrun setzt das Nibelungen-lied voraus 1 (s. oben), sie ist von diesem beeinflußt und weist zahlreicheeinzelne Parallelen zu ihm auf; aber auch ganze Szenen haben die Technikdes Nibelungenliedes zum Vorbild wie Kämpfe, Feste, Vorgänge des höfischenLebens; die „tiufelinne" Gerlind ist Nachbildung der „vdlandinne" Kriem-hild, u.a. (Metrik s. unten). Auch an die Klage nähert sich eine Szene an. 2Mit Wolfram hat der Dichter schon durch seine Wesensart Berührungen; 3bezüglich der Beziehung zu Gotfrid s. Schneider, Tristan u. Kudrun, ZfdA.64, 298-300. 4
Im frühmhd. Alexanderlied des Pfaffen Lamprecht 5 (s. LG. II, 1, 235-55)V. 1830ff. wird ein Kampf aus der Gudrun geschildert: Von einen volcwigehöre wir sagen, der äf Wulpinwerde geseach, dar Hilden vater tot lach inzwischenHagenen unde Waten ff. — Ähnlich auch in den angelsächsischen GedichtenVidsid, Weitfahrer (um 700), und Deors Klage sowie in einem englischenVolkslied. 6
Altertümer in der Gudrun. Natürlich ist die Gudrundichtung aucheine Fundgrube für die Kenntnis von Sitten und Gebräuchen, des häuslichenLebens usw., das zeigt die reichliche, zu diesem Gesichtspunkt erschieneneLiteratur:
0. Härtung, Die deutschen Altertümer des Nibelungenliedes und der Kudrun, 1894; K.Rich-ter, Einige Züge altgermanischen und mittelalterlichen Lebens, dargestellt nach der Küdrun-dichtung, Progr. Prag-Altstadt 1899; M. Schwarze, Die Frau im Nibelungenlied und in derKudrun, ZfdPh. 16, 385-470; Elsbet Kaiser, Frauendienst im mhd. Volksepos, Germ. Abh.54, 1921, 29-59; Otto Zallinger, Die Eheschließung im Nibelungenlied u. in der Gudrun,
1 E. Kettner, Der Einfluß des Nibelungen- Biterolf: Symons 2 S. XLIVf.; Johannaliedes auf die Gudrun, ZfdPh. 23, 145-217; Maria Keyman, Kudrun en Biterolf, Diss.Panzer, Hilde-Gudrun S. 140 ff.; Symons 2 Groningen 1915.
S.XCIf. B Piper S.CXXXIII; Symons 2 S. XLI f.
2 Symons aaO.; Panzer S. 144 ff. XLVI. — Beziehungen zu andern deutschen
3 Symons aaO.; Panzer S. 149 ff. Gedichten: Piper S. CXXX ff.
4 Wigaleis in der Kudrun: W. Jungandreas, 6 Piper S. XXVIII f. CXXVIII ff.; Schnei-ZfdA. 54, 23; König Rother: Panzer, Hilde- der, German. Heldensage 1, 367 ff.Gudrun S. 151 f.; Übereinstimmungen mit